Mauerjahre
1. Das Jahr 1961 (ca. 15 min): Am 13. August wurde die Stadt geteilt: Westberlin wurde abgeriegelt und eingemauert, und die Menschen in der DDR konnten nicht rüber. Die Mauer steht für eine Teilung im doppelten Sinne: die der Stadt Berlin und die Deutschland in zwei Staaten. 2. Das Jahr 1962 (ca. 15 min): 1962 war das Jahr der ersten, großen Tunnelfluchten. Die Bilder vom Sterben des jungen Grenzflüchtlings Peter Fechter an der Mauer schockierten in der ganzen Welt. Die Studentin Margit Hosseini musste von Westen aus mit ansehen, wie Peter Fechter flehentlich um Hilfe schrie und langsam im Todesstreifen verblutete. Arno Kiehl, damals Reporter bei der "Aktuellen Kamera", berichtet vom Arbeitsalltag im DDR-Fernsehen. 3. Das Jahr 1963 (ca. 15 min): 1963 war das Jahr, in dem sich US-Präsident Kennedy in einer Rede vor dem Schöneberger Rathaus bekannte: "Ich bin ein Berliner". Hertha BSC spielte das erste Mal Bundesliga und kurz vor Weihnachten machte ein erstes Passierscheinabkommen die Mauer für wenige Tage etwas durchlässiger. Berührt erzählt Liselotte Kubitza vom langersehnten Wiedersehen der Verwandtschaft aus Westberlin. Begeistert erinnert sich Heidrun Kotte an den Triumphzug von John F. Kennedy durch die Stadt. 4. Das Jahr 1964 (ca. 15 min): 1964 war das Jahr, in dem in Ost-Berlin das "Deutschlandtreffen" der Freien Deutschen Jugend (FDJ) stattfand, die Beatmusik in beiden Teilen der Stadt den Rhythmus bestimmte, auf dem Teufelsberg Abfahrts-Ski geboten wurde und auf beiden Seiten der Mauer Neubausiedlungen entstanden. Der damals 16jährige Thilo Spruch hört auf der Straße aus Lautsprechern das erste Mal die Beatles - und ist begeistert. Von den West-Berliner Schneepisten mit Schlepplift, Schneekanonen und Flutlichtmasten erzählt Harald Grüschow. 5. Das Jahr 1965 (ca. 15 min) 1965 war das Jahr, in dem Louis Armstrong im Friedrichstadtpalast gastierte, sowjetische Kampfflugzeuge über West-Berlin donnerten, die Queen West-Berlin besuchte, Anhänger der Rolling Stones die Berliner Waldbühne in Trümmer legten und die Propagandaschlacht an der Mauer in die nächste Runde ging. Der Politikstudent Wolfgang Göbel, kurz zuvor in den Westen geflohen, schreibt Nachrichten, die als Leuchtschriften an einem Hochhaus an der Sektorengrenze die Ost-Berliner informieren. Der Medizinstudent Burkhart Veigel berichtet vom Erfindungsreichtum der Fluchthelfer, die weiterhin Menschen von Ost nach West schmuggeln. 6. Das Jahr 1966 (ca. 15 min): 1966 war das Jahr, in dem ein sowjetisches Militärflugzeug in den Stößensee im britischen Sektor Berlins stürzte, die SED-Führung den 5. Jahrestag der Grenzschließung mit einer großen Militärparade mitten in der Stadt feierte und West-Berlin zur Filmmetropole avancierte. Selbst Regiegrößen wie Alfred Hitchcock drehten in der Stadt: Die Mauer war eine gute Kulisse. Der Ostberliner S-Bahner Manfred Lauchardt erzählt von seinem Pendler-Dasein zwischen Ost und West und blickt auf die Verhältnisse im eigenen Land. Der Theologiestudent Meinhard Schröder, 1961 vom Osten in den Westen geflohen, erinnert sich, wie er den Kontakt zur evangelischen Kirche in Ostberlin hielt. 7. Das Jahr 1967 (ca. 15 min): Die Ostberliner Schülerin und Hobby-Poetin Regina Scheer erinnert sich an ihre Zeit in der Singebewegung, die für sie wie ein Tor in eine andere Welt war. Um eine andere Welt geht es dem Westberliner Germanistik-Studenten Detlef Michel, einem Kommunarden der ersten Stunde. Er berichtet von seiner Suche nach einer Lebensform in solidarischer Gemeinschaft der Gleichen, in einer Kommune. 8. Das Jahr 1968 (ca. 15 min): 1968 war das Jahr, in dem Soldaten des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei einmarschierten, im Westen vor allem Studenten gegen den Vietnam-Krieg, die Springer-Presse und gegen die Notstandsgesetze protestieren. Der Studentenführer Rudi Dutschke und Gallionsfigur der Außerparlamentarischen Opposition (APO) wird niedergeschossen. 9. Das Jahr 1969 (ca. 15 min): Aufgrund der Insellage und dem daraus resultierenden Arbeitermangel kommen Zehntausende von Gastarbeitern nach West-Berlin. Vor allem aus der Türkei, wie der Friseurmeister Suleyman Ilkan, der als erster Türke eine Konzession für einen Friseurladen in West-Berlin beantragte. Er erinnert sich daran, dass er dafür noch einmal eine Meisterprüfung ablegen musste. 10. Das Jahr 1970 (ca. 15 min): 1970 war das Jahr, in dem der Kaufhausbrandstifter Andreas Baader von seinem Anwalt Horst Mahler und der Journalistin Ulrike Meinhof in West-Berlin befreit wurde und die Rote Armee Fraktion (Raf) entstand. Zwischen Sowjets und den Westalliierten fanden Verhandlungen um den Status der geteilten Stadt statt, über Transit- und Reiseverkehr ohne Hindernisse. 11. Das Jahr 1971 (ca. 15 min): Der Wechsel im Zentralkomitee schlug sich auch im Konsumgüterbereich nieder. Für kurze Zeit gab es die begehrten West-Jeans. Der Verkäufer Gert Roth erinnert sich an den Ansturm im Centrum Warenhaus. Im Westberlin, in Kreuzberg, besetzte Theatermacher Gert Möbius mit vielen anderen das vom Abriss bedrohte Bethanien-Krankenhaus. 12. Das Jahr 1972 (ca. 15 min): Die Ost-Berliner dürfen erstmals visafrei in östliche Richtung, nach Polen und die CSSR reisen. Eein neues Passagierscheinabkommen machte Besuche in Ost-Berlin möglich. Die Westberliner Exklave Steinstücken erhielt eine Zugangsstraße und die Unterhaltungsshow "Ein Kessel Buntes" im DDR-Fernsehen ging auf Sendung. Lutz Stückrath, Moderator der ersten Stunde, schwärmt von der Begegnung mit den Stars. Der ehemalige Steinstücker Gert Knecht schildert wie seine Gäste von den Amerikanern per Hubschrauber eingeflogen wurde - bis die Straße kam. 13. Das Jahr 1973 (ca. 15 min): Die Ost-Berliner Sängerin Angelika Mann erinnert sich an die Weltfestspiele, das "Woodstock des Ostens". Der Tankwart Peter Drömer berichtet von der ersten Ölkrise und ihren spürbaren Auswirkungen - von einer Zeit als das Benzin "unverschämt teuer" war und 80 Pfennige kostete. 14. Das Jahr 1974 (ca. 15 min): Die Ostberliner Journalistin Regine Sylvester erkundet die Warenwelt in den Intershops und schwärmt von Westwaren wie dem Schokohasen mit einer kleinen Glocke dran. Ein Hauch von westlicher Warenwelt in Ost-Berlin. Hans-Otto Bräutigam erzählt von den ersten Wochen und Monaten in der "Ständigen Vertretung der Bundesrepublik" in Ost-Berlin - und der politischen wie menschlichen Dimension, die seine diplomatische Tätigkeit dort damals hatte. 15. Das Jahr 1975 (ca. 15 min): Der Westberliner Anwalt Reymar vom Wedel erinnert sich, wie er im Auftrag der evangelischen Kirche Häftlinge in der DDR freikauft. Schattenseite von Flucht oder Freikauf aus der DDR sind Zwangsadoptionen von Kindern. So auch im Fall von Gabriele Yonan, die von ihren Bemühungen, ihr Kind in den Westen nachzuholen, ihrem Kampf durch die Institutionen spricht. Erst 13 Jahre später sieht sie ihren Sohn wieder. 16. Das Jahr 1976 (ca. 15 min): 1976 war das Jahr, in dem die DDR-Führung den 15. Jahrestag der Sicherung der Staatsgrenze feierte und die Mauer an vielen Stellen noch sicherer machte, der Palast der Republik in Ost-Berlin feierlich eingeweiht wurde, der Liedermacher Wolf Biermann nach einem Auftritt in West-Deutschland von der DDR-Regierung ausgewiesen wurde, das Überschallflugzeug Concorde auf dem Westberliner Flughafen Tegel landete und zum Jahresende der westdeutsche Korrespondent Lothar Loewe innerhalb von 48 Stunden Ost-Berlin verlassen musste. 17. Das Jahr 1977 (ca. 15 min): Die Ostberlinerin Helga Lindner, die im damals neu eröffneten Metropol-Hotel arbeitet, erinnert sich, dass sie ihre Tätigkeit dort wie auf einer Insel empfunden hat, außerhalb der allgemeinen Wirklichkeit der DDR. Zu den Mitarbeitern der ersten Drogenberatungsstelle gehört der Westberliner Student Horst Bröhmer. Er erzählt von seinem anfänglichen Optimismus, die Drogenabhängigen von der Straße zu holen sowie seiner Ernüchterung und Betroffenheit, als er aus der Zeitung vom Tod eines Schützlings erfährt. 18. Das Jahr 1978 (ca. 15 min): 1978 ist für die Berliner das 17. Jahr mit der Mauer mitten durch ihre Stadt. Inzwischen haben sich viele Menschen mit ihr hüben wie drüben arrangiert, bestimmt der Alltag das Leben in der Stadt. Die britische Königin Elisabeth II. besucht West-Berlin bereits zum zweiten Mal, Freddy Mercury mit seiner Band Queen rockt die Deutschlandhalle, die Gebrüder Blattschuss besingen die "Kreuzberger Nächte". In Ost-Berlin entsteht die Satellitenstadt Marzahn, und in Tempelhof eine endet eine Flugzeugentführung glimpflich. 19. Das Jahr 1979 (ca. 15 min): 1979 war das Jahr, in dem die DDR ihr 30-jähriges Bestehen feierte, die Alternative Liste zum ersten Mal im West-Berliner Senat vertreten war, die DDR-Regierung die "Forum-Schecks" einführte und die DDR-Bürger ihr Westgeld bei der Staatsbank abliefern mussten. In Ost-Berlin herrschte Wehrpflicht. Wer verweigerte, "wanderte in den Bau", musste ins Gefängnis. Westberliner hingegen waren von der Wehrpflicht befreit. Wer nicht dienen wollte, zog gerade deshalb in die Inselstadt. 20. Das Jahr 1980 (ca. 15 min): 1980 war das Jahr in dem aus Protest gegen den Einmarsch der Sowjets in Afghanistan die westlichen Staaten die Olympischen Spiele in Moskau boykottierten, Menschen in West- wie in Ost-Berlin auf den Wohnungsmangel mit Hausbesetzungen und "Schwarzwohnen" reagierten und zwei Pandabären den Berliner Zoo bereicherten. 21. Das Jahr 1981 (ca. 15 min): Annette Schill erzählt von der Hausbesetzer-Szene und davon, wie sie selbst eine ehemalige Fabrik in Kreuzberg besetzte und zur "Regenbogenfabrik" umgestaltete. Von einem ganz anderen Bauprojekt schwärmt die Ostberlinerin Heide-Marie Heyde: dem Sport- und Erholungszentrum, kurz SEZ genannt, in Berlin-Friedrichshain. Sie erinnert sich, dass bis zu 10.000 Besucher an Spitzentagen kamen und viele für das "Wellen hopsen" lange Wartezeiten in Kauf nahmen. Das SEZ versprach Sport und Wellness - made in GDR. 22. Das Jahr 1982 (ca. 15 min): 1982 war das Jahr, in dem erstmalig in West-Berlin Smog-Alarm der Stufe 1 ausgerufen wurde, der US-amerikanische Präsident Ronald Reagan West-Berlin besuchte und der Ost-Berliner Pfarrer Rainer Eppelmann mit dem Dissidenten Robert Havemann ihren "Berliner Appell" veröffentlichten, in dem sie Abrüstung und Meinungsfreiheit in der DDR forderten. 23. Das Jahr 1983 (ca. 15 min); 1983 war das Jahr, in dem DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker Berlins Regierenden Bürgermeister Richard von Weizsäcker empfing, Transitreisende bei Grenzkontrollen bzw. Zollabfertigungen starben, Udo Lindenberg im Ost-Berliner Palast der Republik auftrat und in beiden Teilen der Stadt Tausende Menschen für Frieden und Abrüstung demonstrierten. 24. Das Jahr 1984 (ca. 15 min): 1984 war das Jahr, in dem die Westberliner S-Bahn von der DDR-Reichsbahn an den Westberliner Senat übergeben wurde, DDR-Grenzer aus optischen Gründen die Panzersperren an der Mauer abbauten und in der Ständigen Vertretung in Ost-Berlin DDR-Bürger ausharrten und auf ihre Ausreise hofften. 25. Das Jahr 1985 (ca. 15 min): 1985 war das Jahr, in dem der amerikanische Major Arthur Nicholson bei einer Patrouillenfahrt in der Nähe eines sowjetischen Militärgeländes in Brandenburg erschossen wurde, die Versöhnungskirche im Todesstreifen an der Bernauer Straße gesprengt wurde und in West-Berlin AIDS für Angst und Unsicherheit sorgte. 26. Das Jahr 1986 (ca. 15 min): 1986 war das Jahr, in dem der dritte und letzte Agentenaustausch auf der Glienicker Brücke stattfand, ein Bombenanschlag auf die amerikanische Diskothek La Belle in West-Berlin drei Tote und 250 Verletzte forderte und Ost-Berlin den 25. Jahrestag des Mauerbaus feierte. 27. Das Jahr 1987 (ca. 15 min): 1987 war das Jahr, in dem Berlin sein 750-jähriges Bestehen groß feierte: in Ost und West - getrennt. Es war das Jahr, in dem in West-Berlin zum ersten Mal Smog der Alarmstufe 1 ausgerufen wurde und US-Präsident Ronald Reagan am Brandenburger Tor den sowjetischen Generalsekretär Michail Gorbatschow aufforderte, das Tor zu öffnen und die Mauer einzureißen. 28. Das Jahr 1988 (ca. 15 min): 1988 war das Jahr, in dem sich in Ost-Berlin zunehmend Widerstand gegen die Staatsmacht formierte, der Liedermacher Stephan Krawczyk und einige seiner oppositionellen Mitstreiter zur Ausreise aus der DDR gezwungen wurden und in dem fast zweihundert Hüttendorf-Bewohner bei der Räumung durch West-Berliner Ordnungshüter in den Osten "flohen". 29. Das Jahr 1989 (ca. 15 min): 1989 war das Jahr, das wie kein anderes seit 1961 das Leben in der geteilten Stadt ändern sollte. Die Mauer fiel, weil DDR-Bürger es friedlich erzwangen. 30. Das Jahr 1990 (ca. 15 min): 1990 war das Jahr, in dem die Mauer abgetragen wurde: von Mauerspechten in Handarbeit und von Baggern plattenweise. Ost-Berliner stürmten die Stasi-Zentrale, wählten zum ersten mal frei, Lothar de Maizière wurde der erste und gleichzeitig letzte Ministerpräsident der DDR, die D-Mark ging nach Osten, die Alliierten gaben ihr Kontrollrecht auf. Eine Stadt im Umbruch - ein Land im Umbruch.
- Anbieter
- RBB (Berlin-Brandenburg)
- Jahr
- 2011
- Dauer
- ca. 450 min f
- Zielgruppe
- A(9-13); SO
- Schlagworte
- Berlin (1948-90), Berlin (allgemein), Berliner Mauer, Bundesrepublik Deutschland (1949 - 1990), DDR (Gesellschaft/Staat/Geschichte), Deutsche Wiedervereinigung, Fernsehserie, Flüchtling, Grenzkontrolle, Handel (Wirtschaft), Konsum, Kultur, Zeitzeuge
Sachgebiete
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