Vorleserinnen halten Zigarrenroller in Kuba bei Laune
Grisel Valdez hat wohl einen der ungewöhnlichsten Berufe der Welt: Sie ist Vorleserin für Zigarrenroller. Seit 20 Jahren liest sie den Arbeitern in dieser Fabrik in Kubas Hauptstadt Havanna aus der kommunistischen Staatszeitung "Granma" vor. O-Ton Julia Curbera (47), Zigarrenrollerin: "Das ist superwichtig. Vor allem wegen der Monotonie bei der Arbeit. Und außerdem erweitern wir so unsere Bildung." O-Ton Lazaro Wong (45), arbeitet seit 19 Jahren als Zigarrenroller: "Wir sind zehn Stunden hier drinnen, wir kriegen nicht mit, was draußen passiert. Deswegen ist das schon ganz hilfreich." In diesen Hallen entsteht die berühmte Havanna Montecristo. Kein Wunder, dass bei den Zigarrenrollern der Abenteuerroman "Der Graf von Monte Christo" von Alexandre Dumas besonders beliebt ist. Was sie hören wollen, darüber können die Arbeiter abstimmen. O-Ton Franklin Zapata (27), arbeitet seit zehn Jahren als Zigarrenroller: "Ich mag am liebsten, wenn sie was Lustiges vorliest, weil sie selbst gar nicht lustig ist. Deswegen lacht dann jeder. Das gefällt mir am besten." Grisel Valdes verdient umgerechnet nur zehn Euro im Monat. Aber die frühere Lehrerin will den Arbeitern etwas beibringen. Viele von ihnen haben keine Ausbildung. O-Ton Grisel Valdez (55), Vorleserin und ehemalige Lehrerin: "Ich eröffne den Dialog, das Gespräch. Sie sagen mir etwas, fordern mich heraus, dann fordere ich SIE heraus, stelle ihnen Fragen oder auch Rätsel. Ich bringe ihnen wichtige Ausdrücke bei oder Sachen, die ihnen im Leben nützen könnten. Die Arbeit hier ist nämlich ziemlich einsam und monoton." Die Tradition der Vorleser geht bis auf das Jahr 1865 zurück. 300 von ihnen gibt es heute in ganz Kuba.
- Anbieter
- AFP
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 1:52 min
- Schlagworte
- Montcristo, Havanna, Kuba, Zigarren, Zigarrenroller, Granma, Vorleser, Vorleserin, Tabak, Histoclips
Sachgebiete
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