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Hongkongs Hoffnung auf mehr Demokratie

Cover: Hongkongs Hoffnung auf mehr Demokratie

Ein Drachenbootrennen in der einstigen britischen Kolonie Hongkong. Vor zehn Jahre hatte Großbritannien die asiatische Finanz- und Handelsmetropole an China zurückgegeben. Die damaligen Ängste der Bewohner von Hongkong vor einem Einmarsch der chinesischen Armee oder vor möglichen Ausweisungen ausländischer Firmen erwiesen sich als unbegründet. Wie das Drachenbootrennen zeigt, ist nach wie vor jeder willkommen, solange er sich an die chinesischen Gepflogenheiten hält. Zwar haben sich die großen Ängste nicht bewahrheitet, doch blieb auch Hongkongs größte Hoffnung unerfüllt: mehr Demokratie. O-Ton Christine Loh, Geschäftsführerin „Civic Exchange“: „Wir wissen, dass die Verfassung ein allgemeines Wahlrecht vorsieht. In den vergangenen zehn Jahren hat Hongkong versucht, den Weg zu mehr Demokratie weiterzugehen. Wir haben auf dieser Strecke bisher nur ein kurzes Stück geschafft und es hat bedauerlicherweise zehn Jahre gedauert, um überhaupt so weit zu kommen.“ Bei der Übergabe vor zehn Jahren hatte die Volksrepublik ein Grundgesetz anerkannt, das die spätere Direktwahl des Verwaltungschefs von Hongkong vorsieht. Doch bislang dürfen die Einwohner aber nur über die Mitglieder des Wahlkomitees abstimmen, und selbst die Entscheidung des Komitees kann von der chinesischen Regierung gekippt werden. Trotz des beschwerlichen Fortschritts hat die Mehrheit der Menschen in Hongkong die Sehnsucht nach mehr Demokratie nicht aus den Augen verloren. O-Ton Michael DeGolyer, Leiter Machtübergabe-Projekt: „60 bis 70 Prozent der Menschen hier befürworten ein allgemeines Stimmrecht bei der Wahl des Regierungschefs und aller Mitglieder des Parlaments. Das ist eine überwältigende Mehrheit der Gesellschaft.“ Als selbstständig verwaltete Region hat Hongkong Freiheiten, von denen die Bevölkerung der chinesischen Hauptstadt Peking nur träumt. Ob Beitritt zu der religiösen Falun-Gong-Bewegung, Empörung über das Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens im Jahr 1989 oder über den schleppenden Fortschritt bei der Einführung eines allgemeinen Wahlrechts - die Menschen hier genießen Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit – und nutzen sie auch. Obwohl Leung Kwok-hung Mitglied des Gesetzgebenden Rats von Hongkong ist, nimmt der unkonventionelle Aktivist häufig an Protestveranstaltungen teil. In seinen Augen ist es schon ein kleiner Fortschritt, überhaupt einen garantierten Mindestlohn fordern zu können. O-Ton Leung Kwok-hung, Parlament Hongkong: „Deswegen brauchen wir Demokratie. Denn wo es keine Demokratie gibt, wird immer Bürokratie siegen.“ Alan Leong nahm in diesem Jahr an der Wahl zum Parlamentsvorsitzenden teil. Ein Amt, über das 800 zum Großteil Pro-Peking-gesinnte Mitglieder des Wahlkomitees abstimmten. Leong wusste, dass er kaum Chancen hatte, aber er wollte zeigen, dass China von Hongkong viel lernen kann. Nicht nur in punkto Wirtschaftlichkeit. O-Ton Alan Leong, Parlament Hongkong: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass Hongkong zukünftig auch als Modell für Demokratie und allgemeines Stimmrecht für China genutzt wird.“ Auch wenn ein Großteil der Menschen hier Demokratie fordert, sind sie auch froh, ein Teil Chinas zu sein. In Hongkongs „Madame Tussauds“ Wachsfigurenkabinett sind vor allem die ehemaligen und aktuellen chinesischen Machthaber im Mittelpunkt des Interesses. Gleichzeitig stehen die einstigen britischen Kolonialherren vernachlässigt im Hintergrund. Wie in der Realität können sie nur aus der Entfernung zuschauen.

Anbieter
AFP
Jahr
2011
Dauer
3:27 min
Schlagworte
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