Blairs Großbritannien als "Land der erweiterten Möglichkeiten"
Wenn es in London Abend wird, hat Bracey seinen Arbeitstag beendet. Für Antonio hingegen fängt er gerade erst an. Der Brite Bracey Parish ist Finanzbroker in der Innenstadt. Der 48-jährige hat immer konservativ gewählt. Dennoch ist er rückblickend ganz zufrieden mit Tony Blairs Amtszeit. O-Ton Bracey Parish, Finanzbroker: Wenn man eine Bilanz von Blairs Regierungsjahren zieht, bin ich mir nicht sicher, ob ich vor zehn Jahren das Gleiche gesagt hätte wie heute. Insgesamt denke ich, dass Tony Blair ein guter Mann war. Antonio Diaz-Mengibar ist 47 Jahre alt. Er kam vor sieben Jahren aus Kolumbien nach Großbritannien. Von Montag bis Freitag putzt er nachts 14 Stunden am Stück - erst in einer Bank, dann in einem Theater. O-Ton Antonio Diaz-Mengibar, Raumpfleger: Ich bin zum Arbeiten hierher gekommen, weil ich mehr verdiene und das Geld mehr Wert hat. In Kolumbien hingegen fehlen die notwendigen Voraussetzungen, um gute Arbeit zu finden. Hunderttausende Ausländer dachten in den vergangenen Jahren genau wie Antonio. Deshalb wurde Großbritannien zum Haupteinwanderungsziel in Europa. O-Ton Antonio Diaz-Mengibar, Raumpfleger: Inzwischen kommen immer mehr Menschen hierher. Das macht es immer schwieriger, hier Arbeit zu finden. Aber es ist immer noch möglich, einen Job zu bekommen. Innerhalb von zehn Jahren ist die Arbeitslosenquote auf 5,5 Prozent gesunken. Bracey hat seine eigene Theorie, wie man den Gesundheitszustand der Wirtschaft erkennt: Je mehr Geld die Menschen haben, desto schwieriger ist es, ein Taxi zu finden. O-Ton Bracey Parish, Finanzbroker: Heutzutage findet man noch relativ leicht ein Taxi. Aber dennoch sind es nicht mehr so viele. Ein weiteres Zeichen für die wirtschaftliche Gesundheit des Landes: Der Wert von Braceys Haus hat sich innerhalb von zehn Jahren vervierfacht. Inzwischen ist es etwa eine Million Euro wert. O-Ton Bracey Parish, Finanzbroker: Wenn Sie sich umschauen, gedeiht alles um uns herum. Ich denke, dass es uns besser geht - wir uns dessen aber nicht bewusst werden. Denn die Lebenshaltungskosten sind gestiegen. Antonio verdient zehn Euro die Stunde - mehr als der von Tony Blair eingeführte Mindestlohn. Aber er kommt damit nicht aus. Dennoch will er nicht nach Kolumbien zurückkehren. O-Ton Antonio Diaz-Mengibar, Raumpfleger: Ich habe nicht den großen Erfolg gehabt, bin aber zufrieden mit dem, was ich habe. So unterschiedlich die Lebensumstände von Antonio und Bracey sind, so einig sind sie sich, dass London für sie der richtige Ort zum Leben ist.
- Anbieter
- AFP
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 2:37 min
- Schlagworte
- Bracey, Parish, Finanzbroker, Antonio, Diaz-Mengibar, Raumpfleger, Soziale Unterschiede, Sozialsystem, Mindestlohn, London, Großbritannien, England, Geld, Marktwirtschaft, Kapitalismus, Histoclips
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