1995 - Mord im Heiligen Land
Der Morgen vor dem Attentat. Ein junger Student sucht Rat in den heiligen Schriften für einen mörderischen Plan. Er sagte immer, man muss diese Regierung stürzen. Wir haben gesagt, warte bis zu den nächsten Wahlen, dann werden wir sie stürzen. Er sagte, das ist dem Volk egal. Wir werden alle Sklaven sein. Das war seine Art zu reden. Er ist sehr intelligent, nicht etwa ein Straßenjunge. Yigal Amir wird später sagen: Es war mir vom Himmel befohlen. Er studiert die Thora an diesem Morgen, wie so oft. Genesis, Kapitel 15. Der Herr spricht zu Moses: (ab Schatten) DEINEN NACHKOMMEN GEBE ICH DIESES LAND VOM GRENZBACH ÄGYPTENS BIS ZUM GROßEN STROM, DEM EUPHRAT. Auch das Opfer Amirs hat einst danach gelebt. Während des Sechstagekrieges ist er Generalstabschef Eroberer von Teilen jenes Landes, das die Bibel Israels verspricht. Itzhak Rabin lässt 60.000 Quadratkilometer rund um das Kernland besetzen. Rabin - ein Falke Israels. Den Aufstand der Palästinenser unterdrückt er mit Gewalt. Doch als Ministerpräsident sucht er Frieden, gemeinsam mit seinem alten Rivalen Shimon Peres. Ich sagte ihm, pass auf. Wenn du Frieden willst, wirst du keinen besseren Freund haben als mich. Wenn du den Frieden ausschlägst, wirst du keinen stärkeren Gegner haben. Ich kämpfe nicht um Macht. Ich kämpfe für Frieden. Pakt alter Erzfeinde, Arafat und Rhabin Israel gibt Land gegen Frieden. Beider Lohn: der Friedensnobelpreis. Und Hass der Friedens-Gegner im eigenen Land. Er wollte sich nicht davon beeinflussen lassen. Er hat alles getan, um das absolut zu ignorieren. Manchmal, wenn ich ihn gefragt habe: Wie kannst Du das aushalten, dass die hier vor Deinem Haus stehen und schreien, sagt er: Was willst Du, die werden dafür bezahlt. Also, dass er wegen der Aufhetzung seine Politik ändern sollte, kam überhaupt nicht in Frage. Rabin weiß vom Zorn der Ultra-Religiösen und nimmt ihn in Kauf. Und da hat man ihn auch einmal gefragt: Hast Du nicht Angst, dass sie Dich zum Schluss doch ermorden werden. Da hat er gelächelt und gesagt: Nein, das ist doch nicht ernst, das kann doch nicht sein. Das ist doch unmöglich. Also, er wollte nicht daran glauben und hat auch nicht daran geglaubt und hatte auch keine Angst. Nimmt Rabin den Juden ihr Eigentum? Darf man ihn deshalb verfluchen? Wenn ja, ist ein Mord an ihm legitim? Ein Brief, gesandt an 40 Rabbiner, stellt hässliche Fragen. Sie haben es so legitimiert: Rabin sei für den Tod von Juden verantwortlich, denn er habe Terroristen ins Land gelassen. So habe er Israel verraten. Und wenn man das Recht sehr streng auslegt, dann kann am Ende ein Todesurteil stehen. Die Universität von Tel Aviv. Hier studiert Yigal Amir. Ein begabter und beliebter Kommilitone und ein Friedensgegner. Amir fällt auch den Sicherheitskräften auf. Bei einer Demonstration radikaler Siedler in der Nähe von Jerusalem nimmt ihn die Polizei in Gewahrsam. Nach außen schien Yigal ein ganz normaler Junge. Schon in der Armee überlegt er, Rabin zu töten. Sein Bruder Haggai unterstützt den Plan. 5. November '95: Die Amirs feiern den Sabbat, anschließend geht Yigal auf sein Zimmer. Keiner weiß, was er an diesem Abend vorhat. Am Morgen hatten wir noch gelacht über die Demonstration, die am Abend stattfinden sollte. Ich habe ihn gefragt, gehst du dort hin, und er sagte, was habe ich da zu suchen. Da verschwende ich nur meine Zeit. 100.000 Menschen feiern Itzhak Rabin an diesem Abend. Ein überwältigendes Votum der Jugend Israels für die Friedens-Politik des alten Soldaten, der die Waffen niedergelegt hat. Das war meiner Meinung nach der glücklichste Tag in seinem Leben. Für mich wurde es der traurigste. Für alle war es so. Ich kannte ihn seit 50 Jahren. Er hat mich nie umarmt, nie in den Arm genommen. Das war das erste Mal, dass er mich umarmte wie einen Bruder. Rabin weiß, wie gefährlich dieser öffentliche Auftritt ist. Der israelische Geheimdienst kontrolliert die Kundgebung sucht nach Arabern. Ein junger Mann, unter an der Bühne, sagt den Polizisten, er sei ein Geheimagent, den Geheimagenten, er sei Polizist. Seine religiöse Kopfbedeckung hat er abgelegt. Itzhak Rabin singt das Friedenslied, von dem er so lange nichts wissen wollte. So laut, wie es der Text verlangt. (Textauszug: Singt deshalb laut das Lied des Friedens. Beten ist nicht genug (...) Singt das Lied der Liebe und nicht das Lied des Kriegs) Er war beglückt. Er war so... Wenn man diese Bilder sieht, wie er da mit allen sich umarmt das ganze Gesicht lacht. Er war ein glücklicher Mensch. Auf den ein Mörder wartet. Dann gingen wir die Treppe runter, und ich war vielleicht drei Treppen hinter ihm. Schnell tritt der Mörder an ihn heran. Yigal Amir schießt, dreimal - wie er der Polizei später demonstriert. Plötzlich sehe ich ihn hinfallen auf die Erde und die Security über ihm. Und da habe ich gedacht... ich habe es so verstanden, dass er fällt über ihn, weil man geschossen hat und er will ihn beschützen. Während der Schütze gestellt wird, jagt eine Wagenkolonne Richtung Krankenhaus. Noch im Auto verliert Rabin das Bewusstsein. Der Arzt sagte: Wir operieren. Wir hoffen, wir können ihn retten. Ein paar Minuten später sagte er: Das war's. Er ist tot. Seine Frau Lea und ich traten an den Operationstisch. Da sah ich ihn. Tot. Er sah ruhig aus, mit einem sarkastischen Lächeln. Ich küsste ihn zum Abschied. Staatsmänner aus aller Welt beim Begräbnis. Itzhak Rabins Enkelin Noa Ben-Arzi drückt die Gefühle junger Israelis aus: Erschütterung über eine sinnlose Tat. Das Blatt des Liedes, das Rabin gesungen hat, ist blutbefleckt es mahnt zum Frieden.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:11 min
- Schlagworte
- 1995, Jerusalem, Israel, Yitzhak Rabin, Mord, Friendesfest, Shimon Peres, Attentat, Naher Osten, Konflikt, Geula Amir, Mordechai Hod, Lea Rabin, Ehud Sprinzak , Histoclips
Sachgebiete
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