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1992 - Die bosnische Tragödie

Cover: 1992 - Die bosnische Tragödie

Es ist ein Krieg der Serben gegen Muslime und Kroaten. Die einen träumen von Großserbien, die anderen von der Unabhängigkeit. Es ist ein Krieg ohne Regeln. Der Krieg richtete sich vor allem gegen Frauen und Kinder. Es gab einen Befehl an die Scharfschützen: Töte Kinder! Tötest Du ein Kind, dann bringst Du drei Menschen um: das Kind und seine Eltern. Ethnische Säuberungen nennt man diesen Völkermord. Die Überlebenden werden vertrieben, damit sie nicht zurückkommen, ihre Häuser angesteckt. Verbrannte Erde, Willkür einer Soldateska, der niemand Schranken setzt, und immer wieder Terror, Hinrichtungen, Morde. „Ethnische Säuberung“ – das bedeutet Einschüchterung, Folter, Mord. Es war blanker Terror, den alle Kriegsparteien verübt haben. Juli '92: Gerüchte gehen um von serbischen Lagern für Muslime und Kroaten. Menschen würden dort wie Vieh hingetrieben und weggesperrt. Bei Omarska soll einer dieser Orte sein. Einigen Journalisten gelingt es, eine Besuchserlaubnis zu bekommen. Was sie sehen, wollen sie nicht glauben. Diese Lager entsprachen genau der Definition eines Konzentrationslagers. Diese Lager waren ein Echo des Holocausts. Ja, es gab Pogrom gegen eine ethnische Gruppe, die bosnischen Moslems. Ihre Geschichte sollte vernichtet werden. Jede Erinnerung an sie sollte verschwinden. Die Gefangenen sind halb verhungert. Diese Bilder machen Omarska zum Symbol der bosnischen Tragödie. Jetzt bekommen die Opfer ein Gesicht und einen Namen. Den Namen dieses Mannes. Ficret Alic. Ich hörte, wie einer von den Serben zu den Wachen rief: Schreibt die Namen von allen auf, die etwas gegen uns sagen. Seit Wochen sind die Männer interniert. Nahrung gibt es nur, solange die Kameras laufen. Wer den Journalisten die Wahrheit sagt, wird später verschwinden. Viele andere sterben an Entkräftung, Krankheiten und an den Schlägen der Bewacher. Ich wünsche keinem, zu erleben, was wir erlebt haben. Wir wurden gezwungen, uns auf den Boden zu legen. Dann sagte einer: Fresst das Gras. Als ich sagte, ich könne nicht, meine Nase würde stören, da kam er zu mir, hielt meinen Kopf über Beton und trat mir mit dem Stiefel auf den Hinterkopf. Danach hatte ich keine Probleme mehr. Der Frauentrakt des Lagers. Tag für Tag droht hier die Vergewaltigung durch serbische Bewacher. Das einzige, was mich am Leben hielt, war die Möglichkeit, später berichten zu können, was dort passierte. Sie kommen und holen dich, um dich zu foltern, zu schlagen und zu vergewaltigen - und das mitten in Europa. Das ist einfach unvorstellbar, das kann man nicht vergessen. Auch die Täter haben Namen und Gesicht. Das ist Dusco Tadic, Folterknecht und Kriegsverbrecher. Einer von vielen. Die Welt wirft Tadic später Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Die Opfer legen davon Zeugnis ab. Jede Nacht habe ich Alpträume. Ich habe große Angst. Auch heute schlafe ich nur höchstens zwei Stunden pro Nacht. Und immer diese schrecklichen Bilder vor Augen. Die Bilder aus den Lagern schrecken die UNO auf. In Srebrenica richtet sie eine „Sicherheitszone“ für Muslime ein. Doch unter dem Druck der Serben liefern die UN-Truppen die eingeschlossenen Muslime der Jugoslawischen Armee aus. Vor den Augen der Welt beginnt die Selektion. Mladic Soldaten trennen Frauen und Kinder von den wehrfähigen Männern, die ermordet werden. Die Opfer gehen in die Tausende. Ich bin noch heute geformt von diesen Bildern. Ich bin noch heute geprägt von den Gesprächen mit den Flüchtlingen... August '95: Erst jetzt reagiert die NATO auf den Terror in Bosnien. Bomben sollen den Frieden erzwingen. Die NATO-Einsätze haben Erfolg. General Mladic und Radovan Karadzic, der politische Führer der bosnischen Serben - die Strategen des Terrorkrieges. Sie akzeptieren das Friedensabkommen von Dayton. Die ein Großserbien wollen, können für sich in Anspruch nehmen, dass sie mehr erreicht haben, als vorher der Fall war. Aber zu welchem Preis... Über den Krieg und seine Verbrechen soll ein internationales Tribunal richten. Die Täter sollen für ihre Taten büßen. Dusco Tadic, einer der Täter, taucht nach dem Krieg in Deutschland unter. Er steht als erster in Den Haag vor Gericht, dem Kriegsverbrechertribunal. „Tadic hatte Pech, er hat sich schnappen lassen. Die großen Kriegsverbrecher Karadzic und Mladic verstecken sich wohl für alle Ewigkeit. Das Tribunal von Den Haag – es ist zu schwach, und es kommt zu spät.“ Doch im Juli '97 spricht die Richterin MacDonald das Urteil gegen Tadic: 20, später sogar 25 Jahre Haft für Morde und Folter – für Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Fikret Alic, seinem Opfer, gelang die Flucht aus dem Todes-Lager. Zurück in der Heimat aber muss er erfahren, dass sein Bruder den Krieg nicht überlebte. Serben haben ihn getötet. Alic fühlt, wie er sagt, großen Schmerz. Zu viel Schmerz für Rache. Ich hasse nicht die Serben, weil sie Serben sind. Aber ich hasse jeden, der meint, er habe das Recht, andere mit einer Waffe zu bedrohen. Mit Waffen kann man keinen Frieden schaffen. Vielleicht hat dieses Bild den Weg zum Frieden ebnen helfen.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:09 min
Schlagworte
1992, Bosnien, Serbien, Folter, Krieg, Balkan, Omarska, Konzentrationslager, Kroatien, Jugoslawien, Hans Koschnik, Kozarac Tadic, Lewis Mackenzie, Hedwig Samanek, Fikret Alic, Mirsad Tokaca, Zlata Medic-Cikota, Ed Vulliamy, Mostar. , Histoclips

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