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1989 - Das Wunder von Berlin

Cover: 1989 - Das Wunder von Berlin

Das Wunder von Berlin - es beginnt in Ungarn am Eisernen Vorhang. Das Picnick von Sopron. Demonstration für ein freies Europa - ohne Grenzen. 19. August `89: Für einen kurzen Moment öffnet Ungarn das Tor zur Freiheit. Und Bürger aus der DDR nutzen die Chance. Wendezeit der europäischen Geschichte. Jetzt kennt die Sehnsucht kein Halten mehr. So sieht es aus, wenn 240 Menschen in die Freiheit laufen. Ungarns Grenzsoldaten greifen nicht ein. Der Durchbruch. Anfang vom Ende der DDR. Prag, bundesdeutsche Botschaft. Zuflucht für alle, die kein Ungarn-Visum haben und die DDR verlassen wollen. Nichts hält sie auf. Zeitgleich in Leipzig: 20 000 fordern Reformen. Größter Demonstrationszug seit dem Volksaufstand von `53. In der Prager Botschaft spitzt sich die Lage zu. Über 5000 Flüchtlinge warten und hoffen auf Hilfe aus Bonn. Die Botschaft ist abgeriegelt. Drinnen: Enge, Hitze und wachsende Verzweiflung. Hans Dietrich Genscher damals Außenminister Im Grund war die Lage sehr viel schlimmer als ich sie mir vorgestellt habe. Die Menschen waren dicht zusammengedrängt. Viele blickten mich fragend an. Andere hatten wirklich schiere Hoffnungslosigkeit im Gesicht, weil sie immer und immer wieder auf eine gute Nachricht gewartet hatten. Und als sie dann kam, ja, die Lage erklärt, warum die Reaktion so war. Die gute Nachricht: Bonn und Ost-Berlin schließen einen Kompromiss. O-Ton Genscher in Prager Botschaft Ein historischer Moment. Verriegelte Sonderzüge bringen die Flüchtlinge über DDR-Gebiet nach Westen. Tausende wollen auf die Züge aufspringen. Dresden, Hauptbahnhof. Die Staatsmacht zeigt Härte. Hans Modrow SED-Parteichef in Dresden Es war eine Situation, wo etwa 15 000 Menschen auf Züge wollten, die überfüllt waren. Und ich stehe noch heute dazu, dass es notwendig und richtig war, die Durchfahrt dieser Züge ungehemmt zu gewährleisten, sonst hätte es dort Blutvergießen geben können. Endstation Sehnsucht. In der DDR stärken diese Bilder den Mut der Daheimgebliebenen. Doch noch einmal feiert sich der Staat, dem das Volk davonläuft. 40 Jahre DDR. Palast der Republik. Draußen auf den Straßen protestieren Tausende - gegen diesen Staat. Drinnen: Ein greiser Führer und ein Hoffnungsträger. Draußen - Gewalt und die Gewissheit: Nur Widerstand bringt Freiheit! Leipzig, 9. Oktober. Tag der Entscheidung. 70 000 fordern Reformen und Demokratie. In den Seitenstraßen: 8000 Bewaffnete. Ein Blutbad droht. Joachim Apitz Leipziger Mit dieser Angst sind wir gelaufen. Wir sind so eng gelaufen, dass wir uns während des ganzen Marsches um den Ring auf die Füße getreten sind, weil jeder Mensch den Schutz des anderen, die Nähe des anderen gesucht hatte. Und mit dieser Angst haben wird dann auch unsere prägnanten Losungen herausgeschrieen: Keine Gewalt, wir sind das Volk, Gorbi Gorbi! Schließt euch an! Es bleibt eine friedliche Revolution. Das Regime wankt. Honecker wird gestürzt. Nachfolger Krenz verspricht Reformen - und ein neues Reisegesetz. Ein deutscher Gorbatschow? Egon Krenz DDR-Staatsratsvorsitzender Ich bin damals davon ausgegangen, dass einer Verbindung zu den Reformen, die es in der Sowjetunion gibt, nach den deutschen Besonderheiten natürlich, durchgeführt werden können, und dass das uns die Möglichkeit gibt, die DDR zu reformieren. Doch niemand glaubt ihm. Das Volk will mehr. Reisefreiheit - uneingeschränkt. Durch eine Kette von Missverständnissen im ZK kommt es zu einem historischen Beschluss, der das Ende der Mauer markiert. Günter Schabowski ZK der SED Krenz gab mir gegen Ende der ZK-Tagung das Papier mit der Bemerkung: Jetzt haben wir die Sach neu fixiert, statt Gesetz eine Verordnung, die sofort in Kraft treten kann. Und ich würde vorschlagen, Du trägst das heute Abend vor. Das wird ein Knüller. Ständige Ausreise - das Verlassen der DDR für immer - nun auch direkt in die Bundesrepublik. Doch dann die eigentliche Sensation: O-Ton Schabowski Pressekonferenz Also Privatreisen... „Sofort„ - der schönste Fehler der deutschen Geschichte. Eigentlich sollte die neue Regelung erst am nächsten Tag in Kraft treten. Die Grenztruppen - vom Ansturm überrascht. Die Mauer ist offen. Günter Schabowski ZK der SED Es war ein Panne. Die Formulierer, wenn man so will, hatten an eine Sperrfrist gedacht. Die sollte frühmorgens um vier Uhr sein. Um vier Uhr früh, also wenn alles schläft, sollte ein Rundfunksprecher mitteilen, dass Reisefreiheit, Ausreisemöglichkeiten in unbegrenzter Form bestehen. Das Volk ist schneller. Und erobert sich die Mauer selbst. O-Ton Schluchz Die Nacht der Nächte. Freudenfest der noch geteilten Stadt. Rainer Eppelmann Bürgerrechtler Wenn ich sage, dass das so für mich eine Nacht gewesen ist, da hat der liebe Jott janz massiv mit eingegriffen, dann kann man sagen: Dat is en Wunder! Das Wunder von Berlin. Es fällt kein Schuss. Gorbatschow lässt der Geschichte ihren Lauf. Das Volk nimmt sich die Freiheit - und erhält die Einheit.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:14 min
Schlagworte
1989, Berlin, Maueröffnung, DDR, Brandenburger Tor, Wiedervereinigung, Anfang vom Ende der DDR, Otto von Habsburg, Histoclips

Sachgebiete

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