1982 - Der Falklandkrieg
2. April: In den frühen Morgenstunden besetzen 5000 argentinische Soldaten eine Inselgruppe im Südatlantik. Obwohl im Besitz der britischen Krone, kennt sie in Europa kaum jemand. Seit 150 Jahren werden die Falkland von Argentinien beansprucht. Wir wurden über das Radio gewarnt, dass es sehr wahrscheinlich in dieser Nacht passieren würde. Ich dachte: dann will ich am nächsten Morgen nicht müde sein. Also ging ich zu Bett. Es klingt seltsam, aber ich habe die ganze Nacht gut geschlafen. Ich bin dann um halb sechs aufgestanden und habe gesehen, dass es wirklich los ging. Schüsse fielen. Die 79 britischen Soldaten leisten Widerstand. Drei Stunden bis zur Niederlage. Die will man sich am Ende der Welt nicht bieten lassen. In London tritt das Kriegskabinett zusammen. Es war die Besetzung von britischem Territorium durch ein, wie wir dachten, befreundetes Land. Das konnten wir so nicht hinnehmen. Wir hätten nicht einfach dasitzen können, ohne etwas zu tun. Wir mussten die Falklands zurückholen. Es war eine schreckliche Tragödie - eine unnötige Tragödie. Die Eroberer, die vor Ort durch die Straßen patrouillieren, wundern sich über die angeblich eigene Heimat und fühlen sich fremd. Viele von ihnen gingen davon aus, dass sie auf den Falklands willkommen waren. Und sie dachten, sie hätten uns befreit und dann merkten sie, dass wir sehr britisch sind, ganz anders als sie, mit einer anderen Kultur. Die Sache kam ihnen dann schon seltsam vor. Doch in Buenos Aires jubelt das Volk; das politische Kalkül der Militärjunta scheint aufzugehen. Ablenkung von inneren Problemen. Julio kam nach Hause und sagte: Mama, sie verschicken Einberufungen. Auch für meine Einheit. Ich gehöre zwar zur Reserve, aber ich werde gehen. Und ich, wie jede Mutter, hatte Angst. Das ist normal, jeder hat Angst vor dem Krieg, der Krieg hilft niemand, er zerstört nur. Jetzt zieht auch Großbritannien in den Krieg und ganz im Stile des alten Empire: mit großen Tönen. Scheitern? Erinnern Sie sich an die Worte von Queen Victoria: Scheitern? Diese Option gibt es nicht. Ein Argument wie aus dem 19. Jahrhundert. Für Frau Thatcher ist britisches Prestige ein Thema für die anstehenden Unterhaus-Wahlen. Ihre Soldaten wissen noch nicht, was ihnen bevorsteht. Als man uns sagte, dass es um die die Falkland-Inseln ging, war es seltsam, denn viele der Jungs dachten, dass diese Inseln irgendwo da oben vor der schottischen Küste liegen. Vielleicht bei den Shetlands oder in der Nordsee. Dass es in den Südatlantik geht, war eine ziemliche Überraschung - für die meisten von uns. Üben für einen Krieg, den noch keiner so richtig ernst nimmt. Ausflugsstimmung in der Royal Navy. Mit einem leibhaftigen Prinzen an Bord. Noch überwiegt der Spaß. Soldatenfreuden. Es war so unwirklich, eine Ausnahmesituation. Die meisten von uns konnten es überhaupt nicht glauben, dass wir in den Krieg ziehen. Doch in London herrscht grimmige Kriegsstimmung. Nachgeben undenkbar. In der Nacht zum ersten Mai fällt Margaret Thatcher mit ihrem Kriegskabinett die Entscheidung. Die Truppen vor den Falklands erhalten den Befehl zum Angriff auf die Inselhauptstadt Port Stanley. Egal, wer gerade Premierminister gewesen wäre - er hätte keine andere Wahl gehabt. Sie hätte keine 10 Minuten im Unterhaus überlebt, wenn sie es nicht getan hätte. 1. Mai '82 die königliche Streitmacht eröffnet den Krieg gegen die argentinischen Invasoren. Ein ungleicher Kampf, so scheint es. Und für manche hat das Kräftemessen immer noch den Anschein eines Kriegsspiels. Doch schon einen Tag später wird der Welt der furchtbare Ernst vor Augen geführt Das argentinische Schlachtschiff Belgrano. Getroffen von einem Torpedo. Grab für 300 Argentinier. Die blutige Antwort kommt aus der Luft. Zu spät entdeckt die Mannschaft auf dem britischen Zerstörer Sheffield die nahende Gefahr. Auf ihren Radarschirmen kündigt sich der Tod an. Auf die argentinischen Raketen französischer Bauart sind sie nicht vorbereitet. Sie hatten keine Ahnung von Argentinien, die Engländer. Sie dachten, dass wir in den Bäumen sitzen und mit Pfeil und Bogen schießen. Die glaubten, wir seien Indianer und deshalb war es so eine Überraschung für sie. Das ausgebrannte Wrack der Sheffield. Der Übermut ist verflogen der Krieg ist echt. Die Soldaten der Belgrano und der Sheffield sind nur die ersten Opfer. Es war ein schrecklicher Schlag für unsere Moral. Aber gleichzeitig waren wir jetzt entschlossen, unsere Arbeit zu Ende zu bringen. Viele hatten ihr Leben verloren, und jetzt war es für uns an der Zeit, den Krieg zu beenden und die einzige Möglichkeit den Krieg zu beenden war - ihn zu gewinnen. Und ihn so schnell wie möglich zu gewinnen. 27. Mai: Britische Soldaten gehen an Land. In einem Kommandounternehmen sollen sie bis zur Inselhauptstadt Port Stanley vordringen. In jenen Tagen haben wir viel darüber geredet, was nun wohl passieren würde. Ob die Briten kommen oder ob sie sich ergeben. Wir waren die ganze Zeit hoch motiviert und bis zum letzten Moment glaubten wir, dass wir den Krieg gewinnen - wir wollten ihn gewinnen. Die Schlacht um Port Stanley. Die stärkste Bastion der Invasoren und der letzte Akt eines blutigen Dramas. Wir verloren über 20 Männer in dieser Nacht. Ich selber wurde zwei Tage später von argentinischen Granaten schwer verletzt. Mir wurde dabei mein Bein abgerissen und zwei Kameraden neben mir kamen auf tragische Weise ums Leben. Bilder vom Schauplatz. Verluste auf beiden Seiten. Am Ende aber entscheidet die britische Übermacht die Schlacht für sich. Ich glaube, eine Mutter spürt, wenn ihr Kind stirbt. Und ich hatte schon eine Ahnung, dass Julio nicht mehr lebt. Am 11. bekam ich noch ein Telegramm von ihm. Es sollte das letzte sein. Und er schrieb mir: Sei ganz beruhigt, mir geht es gut. Ihnen bleibt das Schlimmste erspart. Argentinische Soldaten gezeichnet vom ungleichen Kampf. Fast 1000 Menschenleben kostet dieser Krieg. Für Inseln, auf den 1900 Menschen leben. Ein Opfergang im Zeichen nationaler Souveränität. Wir waren glücklich, dass es vorbei für jeden! Und auch die Argentinier sagten, wir sind froh, nach hause zu gehen, weil wir hier nicht hergehören. Am Ende bleibt alles beim alten, für einen hohen Preis.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:16 min
- Schlagworte
- 1982, Falklandkrieg, Falklandinseln, Großbritannien, Argentinien, Margaret Benjamin Menendez, Arturo Vallejos, Delmira Esther Hasenclever, Peter Carrington, Denzil Connick, Robert Short, Wendy Teggart, Histoclips
Sachgebiete
Für Vorschau, Merkliste und Kaufoptionen aktivieren Sie bitte JavaScript. Informationen zum Erwerb finden Sie in der Kaufanleitung.