1976 - Aufstand der Kinder
16. Juni 76: Morris Issac School - Soweto Am Anfang ist alles wie immer. Doch als der Lehrer mit dem Unterricht in Afrikaans beginnt der Sprache der verhassten weißen Herrscher regt sich offener Protest. Die Stimmung war sehr gespannt, aber auf der anderen Seite auch verhalten. Denn nur wenige Schüler verstanden, was im Gange war. Außer denen, die mit den Studenten im Untergrund zusammen gearbeitet hatten. Nur wenige wussten, was geplant war. Nach außen schien alles normal. Wir aber ahnten sehr wohl, was sie vorbereiteten. Das weiße Regime hat Afrikaans als Pflichtsprache verordnet. Für die Schüler ist das willkommener Anlass, gegen das ganze Erziehungssystem zu protestieren und damit gegen die Apartheid. Das war eine Erziehung für die Schwarzen, die darauf angelegt war, ihn in einer untergeordneten Stellung zu halten. Er musste akzeptieren, dass er nur so weit ausgebildet wurde, ums zu wissen, wie er seinem Herren zu dienen hatte. Und sein Herr war ein Weißer. Immer mehr Schüler strömen auf die Straße. Dass ihr friedlicher Protestmarsch in einem Blutbad enden würde, das konnten sie nicht ahnen. Zwar marschieren Polizisten an den Straßenrändern auf. Doch zunächst bleibt alles ruhig. Wir haben die Polizei gesehen, aber wir haben sie nicht beachtet. Und als wir an ihr vorbeimarschierten, haben wir sogar gesungen. Für uns war das lustig. Es war nett, wir waren so begeistert. Am späten Morgen wird die Polizei verstärkt. Scharfe Hunde werden eingesetzt. Die Stimmung ist gespannt. Da fallen erste Schüsse. Ich hatte Angst. Ich dachte, die löschen uns alle aus. Wir hatten keine Waffen. Ich war völlig durcheinander, und konnte nicht verstehen: Warum sollten wir von Hunden gebissen werden, warum sollte mit Tränengas und Kugeln auf uns geschossen werden? Wir wollten doch nur friedlich demonstrieren. Im Kesseltreiben dieses Tages endet ihre Kindheit. Im Gewühl der Straßenschlacht verliert das Mädchen seinen jüngeren Bruder Hector. Da kommt ihr ein Mann entgegen... Mein Herz fing an zu rasen. Ich zitterte. Es hörte nicht auf. Ich zitterte. Ich sah, dass sie jemanden trugen. Ich ging näher ran. Und dann sah ich einen Schuh. Der gehörte Hector. Es war Hector. Obwohl ihr Bruder sofort ins Krankenhaus gebracht wird, kommt jede Hilfe zu spät. Als wir die Klinik erreichten, sagten die Ärzte nur, dass sie nichts mehr für ihn tun können. Sie fragten mich nur noch nach seinen persönlichen Daten, die ich ihnen geben musste. Die Bilder vom Aufstand der Schüler und vom Massaker gehen noch am selben Tag um die Welt. Allen voran das Bild des toten Hector Pietersen. Dieses Bild wurde als das aussagekräftigste bezeichnet. Es war schon auf den Titelseiten aller Zeitungen bevor die Zensur begann. Der Vorfall geschah um 10 Uhr 15. Um 3 Uhr nachmittags brachte die ganze Welt das Bild im Fernsehen. In den Mittagsstunden des 16. Juni liegt dichter Rauch über Soweto. Die aufgebrachten Schüler stecken Autoreifen, Busse, ganze Schulen in Brand. Der Protest hatte friedlich begonnen. Durch den brutalen Polizeieinsatz schlägt er um in einen blutigen Aufstand. Die Polizei feuert ohne Rücksicht auf die Schüler. Deren einzige Waffe sind Steine. Gegen die Geschosse der Staatsmacht. Es gab Todesopfer, das war schrecklich. Besonders, weil auch einige der jungen Kinder von der Regierung abgeschlachtet wurden. Das war sehr furchtbar. Aber leider gab es zu diesem Zeitpunkt kein zurück mehr. Wir mussten weiterkämpfen. Die Unruhen greifen schnell von Soweto über auf benachbarte Townships und auf weitere Städte in Südafrika. 8 Monate lang kämpfen Schüler gegen den Apartheidstaat. stehen lassen Auch viele Eltern schließen sich dem Aufbegehren an. Für viele junge Schwarze in Südafrika war der 16. Juni '76 der Wendepunkt in ihrem Leben. Die meisten von ihnen verließen die Schule, gingen in den Untergrund. Andere verließen das Land, gingen ins Exil. Einige traten in die Widerstandsarmeen ein. In großer Zahl. Die meisten Kinder, die das Land verließen, taten dies nach 76. Ein Untersuchungsbericht der Regierung aus dem Jahre 78 hält die schreckliche Bilanz des Aufstands fest: Hunderte von Toten, Tausende Verletzte. Die Opfer waren fast nur Schwarze. Warum ist das geschehen? Wir wollten niemandem schaden. Wir waren nicht im Krieg. Wir wollten nur unsere Protestnote übergeben. Nur das. Nie dachten wir daran, dass es so enden würde. Das Bild des toten Hector wurde weltweit zum Fanal des Kampfes gegen die Apartheid. Heute ist sein Name das Symbol des schwarzen Widerstandes. Auf seinem Grabstein steht geschrieben: Die Zeit ist bei den Unterdrückten. Er war ein unschuldiges Opfer. Er hatte mit Politik nichts zu tun, er war erst 13 Jahre alt. Er liebte es, Witze zu machen. Mit Sicherheit war er kein Aufrührer ganz bestimmt nicht. Schulen in Soweto nach dem Aufstand. Ihre Trümmer sind Indiz für den Hass auf ein Bildungssystem, das junge Menschen nur zu Untertanen machen wollte. Ein regulärer Unterricht ist nicht mehr möglich. Die Disziplin sank, die Kinder waren nicht mehr kontrollierbar - das Ergebnis war, ein richtiger Unterricht fand nicht mehr statt. In all den Jahren seit dem Juni 76 gab es keinen ernsthaften Unterricht mehr. Soweto heute: In der Schwarzen-Vorstadt von Johannesburg gehört die Armut nach wie vor zum Alltag. Doch die politische Freiheit, für die Menschen damals auf die Straße gingen, haben sie erreicht. Jetzt, nachdem die meisten Dinge sind, wie wir sie haben wollten, - fühle ich mich geheilt. Ich habe keine Trauer mehr und keine Schmerzen. Damals 76 - haben sie, die Schüler von Soweto, demonstriert für ihre Rechte. Heute sind sie selbst verantwortlich für die Geschicke ihres Landes.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:13 min
- Schlagworte
- 1976, Soweto, Südafrika, Apartheid, Protest, Antoinette Totsihole, Gladys Pietersen, Legkali Matabathe, Sam Nzima, Histoclips
Sachgebiete
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