1939 - Der Überfall
Warschau im Spätsommer. Idylle vor der Katastrophe. Radio Warschawa überträgt ein Klavierkonzert. Wladyslav Szpilmann, Pianist Wir haben einen wunderbaren Steinway gehabt, ein großes, ein fantastisches Instrument. Und ich hab Konzert gespielt. Plötzlich habe ich Bombardement gehört. Und ich habe gedacht, das sind Übungen. Aber das waren leider keine Übungen, das war schon Krieg. ...vom Westen her dröhnt Schlachtlärm Die Wehrmacht überfällt Polen. Wladyslav Bartoszewski, Publizist Vorher, also einige Tage und schon Wochen vorher haben wir doch alle Drohungen Hitlers wahrgenommen. In unserer Presse war das alles bekannt gegeben. Hitler will den Krieg um jeden Preis. Wahn vom Lebensraum im Osten. Vor Befehlshabern der Wehrmacht sagt er: (Hitler-Zitat /andere Off-Stimme) Ziel ist Beseitigung der lebenden Kräfte. Auch wenn im Westen Krieg ausbricht, bleibt Vernichtung Polens im Vordergrund. Brutales Vorgehen. Der Stärkere hat das Recht. Hitlers Außenminister Ribbentropp soll die Zerschlagung Polens absichern. Nicht-Angriffspakt mit Stalin, dem Erzfeind. Ein Coup, der die Westmächte schockiert. Sir Frank Roberts, Britisches Außenministerium Wir hatten keine Ahnung davon, dass Ribbentrop nach Moskau fahren würde. Wir wussten zwar, dass es Kontakte gab, aber nur auf der untersten Ebene. Stalin verlangt seinen Preis: ein Anteil an der Kriegsbeute. Freie Hand für Hitlers Überfall auf Polen. Am Vorabend täuschen SS-Männer in polnischer Uniform einen Angriff auf den deutschen Sender Gleiwitz vor. Eine Lüge wird zum Vorwand. Rede Hitler (3:04, Off): Polen hat heute Nacht zum ersten Mal auf unserem eigenen Territorium auch mit bereits regulären Soldaten geschossen. Seit 5.45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen. Die Schleswig-Holstein eröffnet das Feuer auf die Westerplatte vor Danzig. Krieg ohne Kriegserklärung. Deutsche Stoßtrupps gehen an Land Vielerorts dasselbe Bild. Der Grenzbruch Für die Propaganda inszeniert. Werner Thimm, 1939 Soldat: Dann wurden wir von einer Gruppe von Soldaten der Propagandakompanie arrangiert um den Schlagbaum herum, den wir nun zerbrechen sollten. Der war schon zu vier Fünfteln durchgesägt. Aber wir markierten große Kraftanstrengungen, um den Schlagbaum nun in zwei Teile zu zerlegen. Ein Grenzbruch mit Folgen. Hitler hat den Westen unterschätzt. Briten und Franzosen stehen zu ihrem Bündnis mit Polen. Am 3. September überbringt Hitlers Dolmetscher Paul Schmidt die Kriegserklärung Großbritanniens. Im Nürnberger Prozess erinnert sich der Bote: Insert: Paul Schmidt, Nürnberg 1946 (Off) Hitler blickte einigermaßen besorgt vor sich hin. Dann beendete er das Schweigen mit einer etwas brüsken Frage an den Außenminister: Was sollen wir nun machen? Die Kriegserklärung Frankreichs folgt am selben Tag. Doch niemand greift in Hitlers Blitzkrieg ein, der Polen überrollt. Hier kämpft zweiter gegen erster Weltkrieg. Richard Zysek, 1939 Soldat (beginnt schon bei ab 04:21 im off): Wie soll man mit Kavallerie gegen Panzer kämpfen? Gegen die Gewehre und Kanonen der Deutschen hatten wir keine Chance. Der deutsche Soldat wurde mit dem Auto an die Front gebracht, und wir mussten zu Fuß gehen. Jetzt führt die Wehrmacht den Krieg, den ihr Oberster Befehlshaber gewollt hat. Die Piloten der Sturzkampfbomber zerstören gezielt jüdische Wohnsiedlungen. Im Windschatten des Kriegs beginnt der Terror gegen die Zivilbevölkerung. In Hitlers Wahn-Welt dürfen Polen nur als Sklaven überleben. Wladzimiers Reklajtis, Augenzeuge Da haben wir gesehen, dass sehr viele Zivilisten verhaftet wurden. Sie wurden durch die Straße geführt, auch von Zivilisten wie Freikorps. Aber auch schon von Soldaten. Dann musste das die Wehrmacht sein. Die treibt die Front immer weiter ins Land. Bald stehen Hitlers Truppen schon vor Warschau. Werner Thimm, 1939 Soldat Wir haben keinen Augenblick daran gezweifelt, dass Polen nicht sehr bald am Ende seiner Kräfte war. Und dann der zweite Überall - im Osten. (Flugzeuge frei) Stalin holt sich seinen Teil der Beute. Die Sieger treffen sich in Brest-Litowsk. Der gemeinsame Raubzug schmiedet die ungleichen Partner zusammen. Hans von Herwarth, 1939 Diplomat Dann haben wir ordentlich einen gehoben auf die deutsch-sowjetische Waffenbrüderschaft und gesagt, hoffentlich fangt ihr bald an und verhaut die Engländer und Franzosen. Am 25. September Großangriff auf Warschau. Unter den Augen des obersten Kriegsherrn feuern mehr als 1000 Artilleriegeschütze in die polnische Hauptstadt. Mehr als 400 deutsche Flugzeuge bombardieren die Metropole - der bis dahin schwerste Luftangriff der Geschichte. Wladyslav Bartoszewski Plötzlich, da sind die Stuka gekommen ... Bomben, Maschinengewehre, Tote, und weg. Das Inferno von Warschau wird zum Menetekel des totalen Krieges. Wladyslav Szpilmann, Pianist Mein Freund, der war ein Tonmeister, der hat mich gestellt beim Fenster. Ich habe gespielt halbe Stunde Chopin. Da habe ich gesagt, etwas weiter vom Fenster, das ist gefährlich. Sagt er: wenn eine Bombe kommt, ist ganz egal, ob hier, ob weiter. Und plötzlich war ein Knall. Und das Klavier verstummt. Warschau ist zerstört. Doch das schlimmste steht noch bevor. Hitler hat ein ganzes Volk in seine Gewalt gebracht. Für Hitlers Soldaten ist ein Feldzug zu ende, nicht aber der Krieg. Ein Krieg, der zeigen wird, was der Mensch dem Menschen antun kann. Was in Warschau beginnt, kehrt zurück nach Hamburg, Dresden und Berlin.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:10 min
- Schlagworte
- 1939, Polen, Grenzbruch, 2. Weltkrieg, Hitler, Nationalsozialismus, Juden, Walther von Brauchitsch, Histoclips
Sachgebiete
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