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1937 - Stalin, der Diktator

Cover: 1937 - Stalin, der Diktator

Parteitag in Moskau. Stalin führt vor: So herrscht ein Diktator. Die Jagd auf das eigene Volk beginnt. Jahre des Terrors. Kopf und Seele der Gewalt ist Stalin selbst – Mit einem Federstrich besiegelt er das Schicksal von Zigtausenden. Die ersten Opfer sind die Genossen von einst, die alte Garde der Revolution. Die Mitstreiter Lenins. Wie Nikolaj Bucharin, Chefideologe der Partei. Familienvater. Svetlana Bucharina, Tochter Bucharins Meinen Vater einen Revolutionär der ersten Stunde, zu verhaften – das war absurd, das war monströs. Die Anschuldigungen waren natürlich konstruiert. Die Helden der Revolution werden in Schauprozessen vorgeführt als Volksfeinde und Verräter. Die Vorwürfe des Anklägers Wyschinski sind von Stalin diktiert: Wyschinski endet mit der Aufforderung "Knallt die tollen Hunde nieder". Aus dem Einparteien-Staat hat Stalin eine Einmann-Diktatur gemacht. Ein Diktator schmiedet sein System. Stalin, der Stählerne. Per Fünfjahresplan zum Industriestaat, heißt die Losung Ein mörderischer Kraftakt: Die Bauern werden zwangskollektiviert und müssen ihre Ernten abliefern. 1932 Hungersnot. Das erste große Verbrechen Stalins an seinem Volk: Millionen Menschen sterben. In der Partei wagt niemand mehr, offen Kritik an Stalin zu üben. Außer seiner Frau: Nadjeschda Allilujewa ist entsetzt über die Hungertoten im eigenen Land. Es kommt zum Streit. Stalin beschimpft Nadjeschda aufs Gröbste. Die sensible Frau fühlt sich einmal zu oft gedemütigt. Ihr Abschiedsbrief verschwindet. Das ganze Land nimmt Anteil - nur Stalin erscheint nicht am Grab. Der Tod seiner Frau, persönlich eine Tragödie, politisch ein gefährlicher Skandal. Anton Antonov-Ovsejenko, Sohn eines Lenin-Mitstreiters Stalin war zu Tode erschrocken. Er fürchtete, dass ihn seine Genossen in diesem Schicksalsjahr ‘32 aus der Partei ausschließen würden. Doch er spielt das Machtspiel auf seine Weise, bietet seinen Rücktritt an. Das Politbüro lehnt ab. Erwartungsgemäß. Anton Antonov-Ovsejenko Natürlich wollte er nicht zurücktreten. Das war ein Test. Er wollte kontrollieren, wer noch zu ihm stand. In Wahrheit hielt er sich für unersetzlich. Der 17. Parteitag - „Parteitag der Sieger“. Das Attribut gefällt Stalin, doch die Bolschewiki feiern auch einen anderen. Leningrads Parteichef ist ein junger Kommunist mit alten Idealen. Sergej Kirow - ein Rivale? 1. Dezember 34. Schüsse auf Kirow vor dessen Büro. Mit ihm stirbt nicht nur die Hoffnung auf Reformen. Es ist das Startsignal für ungehemmten Terror. Keiner wagt es, Stalin zu beschuldigen. Der Tyrann richtet selbst. Natalja Rykowa, Tochter Rykows Es folgte ein Prozess nach dem anderen, zuerst gegen die sogenannten Trotzkisten Sinowjew und Kamenew. Dabei fielen auch die Namen Bucharin und Rykow, mein Vater. Ich war jung, und fragte: Mama, heißt das Erschießung? Sie sagte: natürlich. Moskau, Lubjanka. Zentrale des staatlichen Terrors. In den Kellern des Geheimdienstes werden Vorwürfe konstruiert, Beweise gefälscht. Geständnisse erpresst – meist unter Folter. Gespielte Entrüstung über Verbrechen, die nicht begangen wurden. Die Propaganda nennt sie Volksfeinde, weil Stalin sie als Feinde sieht. Zynische Tarnung für Terror gegen das eigene Volk. Anton Antonov-Ovsejenko, Gulag-Opfer Diese Massenhysterie hatte Stalin entfacht; Demonstrationen, Losungen, Parteitreffen – das alles musste die Prozesse nicht nur vor der Weltöffentlichkeit rechtfertigen. Die Gewalt der Sowjetmacht gegen das eigene Volk wurde unter einem rauschenden, mächtigen Vorhang verborgen. Stalin lässt Eliten von Staat und Partei umbringen. Die Mordwelle dauert bis in die 40er Jahre. Sie schwappt über das ganze Land. Gesteuert wird sie jedoch von Moskau aus. Der Terror trägt den Namen des Volkskommissars Jeschow. Die „Jeschowtschina“ ist eine bürokratisch organisierte Massenvernichtung. Jede Region hat ihre Quote zu erfüllen. Anton Antonov-Ovsejenko, Historiker So wurde – genauso wie das Plansoll für Holzschlag - das Soll für die Vernichtung der aktivsten Köpfe des Landes, der wichtigsten Menschen übererfüllt. Das ist der Stalinsche Terror. Die Hälfte der Parteitagsdelegierten von ’34 wird ermordet. Ebenso zwei Drittel der höheren Offiziere - an ihrer Spitze Marschall Tuchatschewski. Wehe dem, der Macht gewinnt. In den Gulags verdoppelt sich die Zahl der Häftlinge, bis zum Krieg auf zwei Millionen. Hunderttausende sterben durch Zwangsarbeit. Natalja Rykowa, Tochter Rykows Nach der Verhaftung meiner Mutter verlor ich zuerst meine Arbeit. Niemand wollte mir mehr Arbeit geben. Und dann folgten zwanzig Jahre. Zwanzig Jahre Gefängnis, Lager, Verbannung. Der Terror folgt einer zynischen Logik. Stalin hält den Krieg mit Nazi-Deutschland für unvermeidlich. Doch die Säuberungen setzt er fort. Seine inneren Gegner, denkt er, würden jede Schwäche nutzen, um ihn selbst zu vernichten. Überraschung ‘39. Pakt mit Hitler. Der Tyrann kann Atem holen. Hans von Herwarth, Diplomat im Auswärtigen Amt Der Stalin konnte ja außerordentlich, war ja außerordentlich liebenswürdig im Gegensatz zu Hitler. Er war ein Unmensch und ein Untier und ein großer Verbrecher. Aber er war außerordentlich liebenswürdig und freundlich. Der Krieg kommt zwei Jahre später. Mit Millionen von Toten. (Tote sollen freistehen) Stalin bleibt Sieger. Der Terror geht weiter bis zu seinem Tod.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:14 min
Schlagworte
1939, Hitler, Nationalsozialismus, Stalinismus, Tschechoslowakei, München, 2. Weltkrieg, Krieg, Diktator, Moskauer Prozesse, Wladyslav Szpilmann, Wladyslav Bartoszewski, Werner Thimm, Hans von Herwarth, Eberhard Grieser, Ryszard Zysek, Histoclips

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