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1929 - Der Schwarze Freitag

Cover: 1929 - Der Schwarze Freitag

29. Oktober 1929. An der Börse in New York kracht es. Der amerikanische Traum scheint ausgeträumt. Roaring Twenties, ein goldenes Jahrzehnt, geht zu ende - doch die Party, glauben alle, wird weitergehen. Groucho Marx, der Komiker, verdient am Broadway 2000 Dollar pro Woche – an der Börse das Doppelte. Die Zukunft scheint gesichert. Abends rief er seinen Börsenmakler an und die Aktien waren wieder gestiegen. Und er sagte, das ist schöner als Arbeiten. Wall Street. Das Pantheon des Kapitalismus. Millionen werden hier gewonnen und verloren. Aber seit fast sieben Jahren gibt es keine Verlierer mehr. Der Aktienmarkt auf Höhenflug - ein Ende nicht in Sicht. Und als der Markt immer mehr nach oben ging, zog er viele kleine Investoren an - den Mann auf der Straße, den Friseur, den Lehrer und den Postboten. Bessere Zeiten gab es nie. Wer reich war, wurde noch reicher. Wer arm war, hatte Aussicht, reich zu werden. Das Aktienfieber elektrisiert Amerika. Neue Technik kurbelt Wirtschaft an und Fantasie. Das Gewinnspiel an der Börse macht aus jedem Dollar viele. Alle glaubten, die Kurse würden immer weiter steigen – genau wie heute. Wie immer sind die wirklichen Großverdiener Banken und Börsenmakler. Wenn der Markt nicht ganz so will, wie sie, dann helfen sie nach. Sie sprechen sich ab, manipulieren und treiben den Kurs ihrer Aktien in astronomische Höhen. Als man den Gangster Al Capone auf die Börse ansprach, sagte er nur: Die machen ihre Schwindeleien und ich meine. Im Sommer 29 lässt die überhitzte Wirtschaft Dampf ab. Es wird mehr produziert als gekauft. Die ersten Pleiten. Aber niemand nimmt sie ernst. An der Wallstreet wird gehandelt wie im Rausch. Die Anleger schauten einfach nicht auf die Entwicklung der Wirtschaft. Ihre Gier war stärker als der Verstand. Besonders populär sind in diesem Sommer Aktientipps von Eva Adams. Sie scheint ganz genau zu wissen, welche Aktien steigen werden. Von Beruf ist sie nicht Börsenguru, sondern Wahrsagerin. Zu den nimmersatten Kunden von Börsenmarkler Salwyn Shufro gehören auch Menschen wie Groucho Marx. Gekauft wurde um jedem Preis, völlig überteuert, aber einer musste am Ende bezahlen. Die Stunde der Abrechnung kommt an einem Donnerstag im Oktober 29. An diesem Tag wacht Amerika auf – und der Albtraum beginnt. Verkaufsorder überfluten das Börsenparkett. Leute, die verkaufen wollten, fanden plötzlich keinen Käufer mehr und in diesem Moment brach Panik aus. Die Panik lässt sich nicht mehr stoppen. Verkaufen – so schnell es geht – ist das Motto der Makler. Die Kurse stürzten ins Bodenlose. Die Nachricht vom Einbruch an der Börse verbreitet sich wie ein Lauffeuer in New York. Tausende von Menschen drängen in die Wall Street, haben Angst um IHRE Aktien. Doch die Banker, die am meisten zu verlieren haben, geben so schnell nicht auf. Am frühen Nachmittag wird eine Krisensitzung einberufen unter Vorsitz des Bankiers Thomas Lamont. Als die Banker der Wall Street sich geeinigt hatten, wartete eine große Menge auf sie. Und so verbreitete sich schnell die Nachricht, dass sie einen großen Pool gebildet hätten, um den Aktienmarkt zu stützen. Das hat den Absturz der Kurse noch einmal gebremst. Doch die Verluste sind immens. Groucho Marx erfährt davon am Abend zuhause. Das Telefon klingelte und der Makler sagte zu meinem Vater: Marx, das Spiel ist aus. Ende oder Anfang eines großen Crashs, Ungewissheit an der Wall Street. Die Kneipen in der Wall Street waren voll, viele Anleger saßen dort, um mit Alkohol über ihre Verlust hinwegzukommen. Wall Street beherrscht die Schlagzeilen. Die Zeitungen versichern – die Banker hätten das Schlimmste verhindert. Aber am Wochenende wird vielen klar, wie tief der Absturz wirklich war. In der Woche darauf wurde es noch schlimmer, nun hieß es, dass auch die Banker verkaufen. Das gibt dem Markt den Rest. Erneut kommt Angst auf. Wenn die Banker das sinkende Schiff verlassen, gibt es keine Hoffnung mehr. Jetzt wollen alle aussteigen. Die Maklerbüros waren voll mit Leuten, die auf die Öffnung der Börse warteten. Sie wollten sehen, wie es weitergeht und es wurde richtig schlimm. Raus, raus, raus. Nur raus aus dem Markt – bevor alles zusammenbricht. Die Leute riefen ihre Börsenmakler an: Verkaufen sie, verkaufen sie, zu jedem Preis. Es war katastrophal. Der Albtraum wird wahr. Am Ende jenes schwarzen Tages ist Wall Street pleite. Es war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte der Börse überhaupt. er Tag danach: Auf dem Börsenparkett ist die Aktie nur noch wertloses Papier. Mein Vater verlor 250 000 Dollar – die Ersparnisse seines ganzen Lebens. Andere hatten noch mehr aufs Spiel gesetzt - und alles verloren. In der Woche nach dem Börsenkrach bringen sich alleine in New York ein Dutzend Banker um. Ich ging mit meinem Vater durch New York. An den Straßenecken standen ehemalige Banker, die jetzt Äpfel für 5 Cent verkauften. Das schockte mich. Die Katastrophe an der Wall Street ist Beginn einer Weltwirtschaftkrise, deren Folgen niemand ahnen konnte. Man spricht ja gerne von den Wilden Zwanzigern, aber nach dem Börsenkrach hörte die Musik auf. Die Party war zu Ende.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:05 min
Schlagworte
1929, Wall Street, Börsenkrach, Schwarzer Freitag, Inflation, Depression, Arbeitslosigkeit, Weltwirtschaftskrise, Histoclips

Sachgebiete

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