1916 - Die Hölle von Verdun
Als der Krieg beginnt, sind die Menschen begeistert. Mobilmachung nicht nur in Frankreich. Die Völker ziehen in die Schlacht, als sei der Krieg ein Abenteuer. Maurice Bourgeois, französischer Kriegsteilnehmer Ich habe die ersten Truppentransporte gesehen. Nach Berlin, nach Berlin, stand darauf. Wir waren wie im Fieber. Endlich Krieg gegen Deutschland. Auch das Kaiserreich marschiert. Das lang ersehnte Stahlgewitter. Ein kurzer ritterlicher Krieg soll es werden. Mann gegen Mann. Illusionen auf Wagons. Und das Gefühl, dabei zu sein, bei einer Zeitenwende. Gustav-Adolph von Halem, deutscher Kriegsteilnehmer Es war mehr als nur ein Paradeabschied. Es war ein Abschied von einer - das konnte man fühlen - von einer Epoche. Das Kaiserreich hat für den ersten Krieg des Industriezeitalters hochgerüstet. Doch die Wirkung solcher Waffen hat noch keiner seiner Bürger selbst erfahren müssen. Die Soldaten - sie marschieren in einen Krieg Zitat mit dem die gegenseitige Selbstzerfleischung Europas beginnt und die Kultur auf Jahrzehnte hinaus vernichtet wird. Sagt einer, der es wissen muss Generalstabschef von Moltke Kaum ein Jahr später. Patriotismus verreckt in einem mörderischen Grabenkrieg. Alliierte und Deutsche krallen sich in Frankreichs Erde fest. Gemetzel als Alltag. Tod als Gewohnheit. Der Feind kann nicht besiegt werden. Also soll er ausbluten. Der neue Generalstabschef Erich von Falkenhayn schreibt an den Kaiser. Jürgen von Falkenhayn, Großneffe Ich setze auf Ermattung, Abnutzung bis hin zu den Begriffen, die Falkenhayn selbst benutzt hat, wie Blutpumpe, Maasmühle Ein Frontbogen an der Maas. Falkenhayn setzt darauf, dass Frankreich, seine stärkste Festung um jeden Preis verteidigt: Verdun. Hier sollen die Franzosen ausbluten. In sinnlosen Gegenangriffen. Der Feldherr berechnet die Verluste: ein toter Deutscher auf fünf tote Franzosen - Schlachtfeld Verdun. 21. Februar 1916. Mehr als tausend deutsche Geschütze feuern in die französischen Linien. Vernichtung wie nie zuvor. Maurice Bourgeois, französischer Kriegsteilnehmer In jeder Sekunde starben Menschen. Unsere Verteidigung wurde völlig zerstört. Granate auf Granate ging nieder. Tausende Granaten auf dem ganzen Schlachtfeld. - kein Text - Nach dem Inferno: Warten auf den Sturm der Infanterie. Wer bis jetzt überlebt hat, wird gleichgültig. Ein deutscher Sturmtruppführer schreibt Zitat (2. Sprecher) Denkst Du an die Kugel, die Dich durchbohren wird. Nein. Der Orkan aus Explosionen hat alle Gedanken aus Deinem Gehirn gescheucht. Sturmangriff. In den ersten Tagen gewinnen die Angreifer an Boden. Die Deutschen glauben an den Sieg Die größte Festung, Fort Douaumont, fällt. Doch die Verluste sind gewaltig. Falkenhayns Soldaten siegen sich zu Tode. Jürgen von Falkenhayn, Großneffe General Falkenhayns Es mussten immer neue Kräfte deutscherseits aus der großen Reserve freigegeben werden. Und die Franzosen machten eigentlich das, was Falkenhayn auch erwartet hatte: Sie verteidigten mit allen Mitteln. Voie sacrée: Die heilige Straße. Über sie rollt der Nachschub für die geschwächte französische Armee. Er organisiert den Widerstand. Philippe Pétain setzt gleichfalls auf Kanonen und sein Credo: Feuer tötet. Mit flammenden Appellen schickt Pétain seine Soldaten in die Schlacht. Den Tagesbefehl vom neunten April vergisst keiner, der dabei war. Maurice Bourgeois, französischer Kriegsteilnehmer Mut, Mut! Wir kriegen sie! Es war klar, was er damit sagen wollte: Verdun halten, koste es, was es wolle. Mut! Wir kriegen sie. Sie kommen nicht durch! Jetzt bluten beide Armeen aus. Angriffe Gegenangriffe. Es gibt keine Sieger, nur Verlierer. Im Mai sind es 100.000 Tote, Verwundete, Vermisste. Auf beiden Seiten. Die Soldaten nennen Verdun die Knochenmühle. Anonym, mechanisch, gründlich wird getötet. Ohne Skrupel? Gustav-Adolph von Halem, deutscher Kriegsteilnehmer Das eine war: Ein Feind weniger. Das andere war: ein unerhörtes menschliches Erbarmen mit dem armen Teufel. In der Propaganda wird nur gesiegt. Erfolgreicher Vorstoß vor Verdun. lässt am 12. Juli die Oberste Heeresleitung bekanntgeben. In Wahrheit befiehlt Falkenhayn einen Tag zuvor das Ende seiner Offensive. Er wird abgelöst. Das Verrecken vor Verdun geht weiter, noch ein halbes Jahr. Die Deutschen setzen Flammenwerfer ein. Die neueste Vernichtungswaffe. Gasangriffe auf beiden Seiten. Vorboten der nächsten Jahrhundertkatastrophe. Gustav-Adolph von Halem, deutscher Kriegsteilnehmer Im Angesicht dieser Opfer konnte man nicht mehr begeistert sein. Nur noch gehorsam. Und das war man. Verdun - eine Million Tote und Verwundete. Am Ende sind die Fronten wie am Anfang.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:12 min
- Schlagworte
- 1916, verdun, schlacht von verdun, schlacht, krieg, erster, weltkrieg, abnutzung, schlachtfeld, berlin, paris, Histoclips
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