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1938 - Der erkaufte Friede

Cover: 1938 - Der erkaufte Friede

Das letzte Friedensjahr in Europa. Doch die Idylle trügt. Hitler denkt an Krieg – will ein „Großdeutsches Reich“ Österreich hat er schon. Doch er will mehr. (Off-Ton Spitzy) Er dachte sehr in Symmetrie. Und ich erinnere mich, wie ich ihn aufsuchte mit Akten in Berchtesgaden am 2. Juni 1938, da zog er mich ins Vertrauen und zeigte mir eine Karte und fuhr dann mit dem Nagel quer über die Grenzen Böhmens hinunter und sagte: „Sagen sie Ihrem Minister, das wird die zukünftige Grenze sein!“ Das heißt: Zerschlagung der Tschechoslowakei. Zunächst der Griff nach dem Sudetenland. Hitlers Helfer dort: Konrad Henlein, Führer der sudetendeutschen Partei. Der schürt Unruhe – damit Hitler den Retter spielen kann. (off) Herr Benes hat diesen Sudetendeutschen keine Geschenke zu geben. Sie haben das Recht, ein eigenes Leben zu beanspruchen, genauso wie jedes andere Volk. Die Deutschen in der Tschechoslowakei sind weder wehrlos, noch sind sie verlassen. Eduard Benes, Präsident der Tschechoslowakei, hat kaum Spielraum. Seine Landsleute fordern von ihm: Keine Zugeständnisse an Henleins Partei. Von ihr Benes fühlt sich Benes erpresst. Wann immer die tschechische Regierung, die tschechoslowakische Regierung, sagte, ja, wir nehmen das an, haben die Sudetendeutschen ihre Forderungen sofort gesteigert und größere Forderungen... um eine Vereinbarung nicht zustande kommen zu lassen. „Das Horoskop der Zeit“, sagt Hitler, “steht nicht auf Frieden, sondern auf Krieg“. Doch die Westmächte geben die Hoffnung nicht auf. I am going to meet the german chancellor, because the situation seems to me to be one in wich the discussion between him and me may have useful consequences. My policy has always been to try to ensure peace. (voice over) Ich werde den deutschen Kanzler treffen, weil mir scheint, dass ein Gespräch zwischen uns hilfreich sein könnte. Meine Politik war immer, den Frieden zu sichern. Chamberlains Friedensflug – vergeblich. Hitler schürt die Krise – fordert die Abtretung des Sudetenlands. Tschechische Soldaten und sudetendeutsche Freikorps liefern sich blutige Gefechte. Der Krieg scheint unvermeidlich. Doch wieder sind Briten und Franzosen bereit, Hitlers Forderungen zu erfüllen. Prag muss akzeptieren – Die Tschechen fühlen sich im Stich gelassen. Rufe werden laut: „Wir wollen Waffen“. Am Tage nachher gab es die größte Massenversammlung, die es in der Tschechoslowakei gab, vor dem damaligen Parlament, dem Rudolphinum, wo verlangt wird, dass die Regierung absagt, demissioniert, und eine neue Regierung geschaffen wird, die gewillt ist, das Land zu verteidigen. Wieder reist Chamberlain zu Hitler, diesmal nach Godesberg am Rhein. Im Gepäck: Zugeständnisse an den Erpresser. Doch es kommt zum Eklat. Der Diktator stellt ein Ultimatum: das ganze Sudetenland sofort – oder Krieg. Die Konferenz scheitert. Prag lehnt Hitlers Forderungen ab und macht mobil. Die Verbündeten im Westen sagen Hilfe zu. Reservisten rücken ein. Kommt jetzt der Krieg? Hitler spielt mit den Ängsten. Es ist die letzte territoriale Forderung, die ich in Europa zu stellen habe, aber es ist die Forderung, von der ich nicht abgehe und die ich so oder so zu erfüllen habe. Ich habe Herrn Benes ein Angebot gemacht. Es ist nichts anderes als die Realisierung dessen, was er selbst schon zugesichert hat. Er hat jetzt in seiner Hand: Frieden oder Krieg. Er wird dieses Angebot jetzt akzeptieren und den Deutschen endlich die Freiheit geben oder wir werden diese Freiheit uns jetzt holen. Berlin – die Wehrmachtsführung macht sich kriegsbereit. Was Hitler nicht weiß: Eine kleine Gruppe hoher Militärs plant den Staatsstreich. Ihr Plan: Hitler festnehmen, wenn der den Krieg befiehlt. Einige wollen ihn sogar töten. Tyrannenmord, um die Katastrophe zu verhindern. Doch dann die Nachricht, die Europa wieder hoffen lässt: „Friedenskonferenz“ in München. Auf Vermittlung Mussolinis hat Hitler eingelenkt. Zwei Diktatoren – Und zwei Demokraten. Umjubelt werden alle vier. Nur die Prager Regierung ist nicht eingeladen. Man verhandelt über ihren Kopf hinweg.... Über einen Text Mussolinis, den tatsächlich Göring verfasst hat. Das Sudetenland fällt Hitler in den Schoß. Nachts um halb zwei ist das Schicksal der Tschechoslowakei besiegelt. Als wir von den Münchner Ergebnis hörten, waren wir alle sehr befriedigt, dasselbe was man von der Bevölkerung auch sagen kann, dass uns ein Krieg erspart geblieben war. Wir wussten natürlich nicht, dass Hitler ganz andere Absichten verbunden hatte, als das der Öffentlichkeit bekannt war. Doch Chamberlain ahnt: Das Münchner Abkommen ist nur ein Aufschub - Zeit zum Rüsten – auch wenn von Frieden die Rede ist. This settlement of Czechoslaovakian problem which has now been achived is in my view only the prelude to a larger settlement in which all Europe may find peace. (voice over) Die nun erreichte Einigung über die tschechoslowakische Frage ist nach meiner Ansicht nur der erste Schritt für eine weitere Lösung, mit der ganz Europa Frieden finden kann. Das war ein schrecklicher Verrat von Seiten unserer Verbündeten, die uns seit dem Beginn der Tschechoslowakei immer wieder versichert haben, dass sie unsere Selbstständigkeit und Freiheit und Sicherheit garantiert werden. Die haben uns verraten. 1. Oktober `38: Wenige Tage nach dem Münchner Abkommen besetzen deutsche Truppen das Sudetenland. Umjubelt wie Befreier. Sein letzter „Blumenkrieg“. Die Gefühle, die er weckt, sind oft sonderbar. Ich habe auch Hitler Blumen zugeworfen, wie die tausend Menschen, und Freudetränen geweint. (Off) Die Faszination, die von Hitler ausging, und der ja wohl alle, die mit ihm näher zu tun hatten, immer wieder bestätigt haben, (on) ist vielleicht in Worten nicht zu erklären. Sie ahnen nicht, wohin sein Weg sie führt. In einem Jahr ist Krieg.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:18 min
Schlagworte
1938, Hitler, Nationalsozialismus, Tschechoslowakei, München, 2. Weltkrieg, Krieg, Diktator, Wladyslav, Szpilmann, Wladyslav Bartoszewski, Werner Thimm, Hans von Herwarth, Eberhard Grieser, Ryszard Zysek., Histoclips

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