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1986 - Die Challenger-Tragödie

Cover: 1986 - Die Challenger-Tragödie

Menschenwerk im Weltall. Das Space Shuttle erobert den Orbit. Das erste “Mehrweg“-Vehikel der bemannten Raumfahrt. Reisen ins All – mit dem Shuttle, so scheint es, bloße Routine. Man hatte durch die zwei Dutzend erfolgreiche Flüge des Shuttles in der Öffentlichkeit den Eindruck gewonnen, dass die Raumfahrt ein Kinderspiel ist. Und jedermann offen. Auch einer Lehrerin aus Massachusetts, Christa Mc Auliffe. Christa was immer sehr abenteuerlustig. Und sie wollte Neues ausprobieren. Sie glaubte, dass das Weltall uns viel lehren kann. Sie wollte die Kinder dafür begeistern. Und als Lehrerin dachte sie, das sei ein toller Weg dazu. Unter Tausenden von Bewerbern wird die Mutter von zwei Kindern ausgewählt. Amerika hat eine neue Heldin – die erste Zivilistin im All.– Ein Jahr zuvor: Einer von vielen scheinbaren Routineflügen des Space Shuttle. Was die Öffentlichkeit nicht weiß, stellt ein Ingenieur fest: Die Fähre hat enorme technische Probleme – fast bei jedem Start. Ich war der technische Inspektor, als das Shuttle zurückkehrte, und seitdem machte mir eines Sorgen: kaltes Wetter. Die Dichtungsringe der Treibstoffraketen sind bei niedrigen Temperaturen durchlässig. Hochexplosiver Wasserstoff tritt aus. Roger Boisjoly schreibt einen Brief an die NASA. Er warnt: Die Weltraumfähre kann unter diesen Umständen beim Start explodieren. Ernst genommen wird er nicht. Das Schreiben landet bei der NASA in den Akten. Christa McAuliffe ahnt nichts von diesen Problemen. Die Lehrerin im Astronautentraining. Probt immer wieder ihren Unterricht, den sie via Satellit in Amerikas Klassenzimmer übertragen soll. Das Astronautentraining bereitet auf den Ernstfall vor. Aber niemand glaubt, dass das bewährte Shuttle je in Not geraten kann – am allerwenigsten die junge Lehrerin. Wir haben uns eigentlich nie Gedanken über das Risiko gemacht. Wir dachten, die NASA weiß genau, was sie tut. Politik und Fernsehen machen diese junge Frau zur Nationalheldin. O-Ton: „In Gedanken nehme ich Euch alle mit ins All“, verspricht sie ihren Schülern. Es ist der Vorabend der Katastrophe. Zur gleichen Zeit wird Challenger zur Startrampe gerollt - das Wetter schlägt um. Ich wollte den Start aufhalten, wegen des kalten Wetters. Schließlich war ich verantwortlich für die Dichtung der Raketen. In einer letzten Telefonkonferenz warnt der Ingenieur erneut. Niemand hört auf ihn. Auch nicht, als am Morgen Teile des Shuttle völlig vereist sind. Die NASA besteht auf einem Start nach Plan – und um jeden Preis. Wir konnten nicht beweisen, dass es schiefgehen würde, aber wir hatten genug Daten, um zu zeigen, dass das Risiko sehr hoch war. Zu vergleichen mit russischem Roulette. Als Ingenieur kann ich sagen, dass wir statt einer Kugel gleich alle sechs Kugeln in unserem Revolver geladen hatten. Auf dem Weg zur Startrampe – Sechs Astronauten und ihr Gast. Der Countdown läuft. Christa McAuliffe‘s Schüler erwarten im Klassenzimmer den Start ihrer Lehrerin ins All. Ich weiß, dass während des Countdowns gemischte Gefühle herrschten, dass man vielleicht nicht starten sollte, aber damit ließ sich nicht viel anfangen. Ich konnte nicht gut, irgendwie den Countdown zum Stoppen bringen, ohne einen nicht einen schlagkräftigen Beweis anführen zu können. Ein Bilderbuchstart. Christa McAuliffes Mutter ist vor Ort dabei, als die Challenger abhebt. An den Fernsehschirmen die ganze Nation. Die NASA braucht einen Erfolg. Das Projekt „Lehrer im Weltall“ war eine Idee von Präsident Reagan persönlich, natürlich hielt er an diesem Abend eine Rede zur Lage der Nation. Diese Ansprachen sind sehr selten. Die NASA-Leute rechneten damit, in dieser Rede erwähnt zu werden, und das wollten sie um keinen Preis aufs Spiel setzen. Es war ein wunderbarer Start. Für die Crew wurde ein Traum wahr. Da war sie, diese unglaubliche Besatzung, in der alle Kulturen, Rassen und Religionen vertreten waren. Wir waren so aufgeregt, als die Raumfähre in den Himmel abhob. Freude bei Christa McAuliffes Schülern. Ein Routinestart, so scheint es zumindest in den ersten sechzig Sekunden. Für einen der Ingenieure ist es die längste Minute seines Lebens. Als die Raumfähre gestartet und am Turm vorbei war, flüsterte ich meinem Kollegen zu: wir haben gerade noch mal Glück gehabt. Er flüsterte ein Dankgebet zurück. Es sind die letzten Sekunden im Leben der Christa Mc Auliffe. Nach einer Minute und 14 Sekunden geschieht das Unfassbare. Der Countdown und der Start schienen funktioniert zu haben, aber als wir den Rauch sahen, wussten wir, dass irgendwas nicht stimmte. Vor unseren Augen zerbrach das Shuttle in tausend Teile – genau wie unsere Herzen. Am strahlendblauen Himmel sterben alle Astronauten. Ihr Leben wurde fahrlässig aufs Spiel gesetzt. In der Schule Fassungslosigkeit. Genauso im Kontrollzentrum der NASA. Auch die Zuschauer in Cape Canaveral erkennen die Tragödie. Christa McAuliffes Mutter verliert ihre Tochter vor laufender Fernsehkamera. Die Welt sah, dass wir an diesem Tag Astronauten verloren hatten, aber wir verloren viel mehr. Wir verloren unsere Ehemänner und Frauen, Söhne und Töchter, Mütter und Väter. Sie waren viel mehr als Astronauten. Trauerfeier für die Opfer der Tragödie. Der Präsident muss eine andere Rede halten. Statt eine Lehrerin im All zu feiern, erklärt Reagan sieben tote Astronauten nun zu Helden. Dass ihr Tod vermeidbar war, das macht für die Familien die Verzweiflung nur noch größer. Dass sie für so was sterben musste – es muss einfach einen Sinn haben. Sie tat doch, was sie tun wollte. Es war das größte Unglück der bemannten Raumfahrt, der Countdown der Raumfähre geht weiter.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:17 min
Schlagworte
1986, Challenger, Raumfähre, Explosion, Astronaut, USA, Cape Canaveral, Katastrophe, Roger Boisjoly, Jane Smith Walcott, June Scobie-Rogers, Jesco von Putkamer, Grace Corrigan, Christa McAuliffe, Histoclips

Sachgebiete

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