1972 - Das Massaker von München
Es sollten Heitere Spiele werden. Die Jugend der Welt zu Gast in Deutschland. Ein friedliches fröhliches Fest. Doch nach 10 Tagen endet der Traum. Um vier Uhr morgens klettern acht Männer über den Zaun des olympischen Dorfes. Sie tragen Trainingsanzüge wie Sportler. Es sind palästinensische Terroristen. Sie dringen in das Quartier der israelischen Mannschaft ein. Als sie auf Gegenwehr stoßen, eröffnen sie sofort das Feuer. Zwei Athleten sterben. Neun weitere werden zu Geiseln. Darunter der Fechttrainer. Seine Frau besucht Tage später den Tatort. In dem Raum herrschte totales Chaos. Essen, Kleider, Blut überall. Die Wände waren völlig zerschossen. Und das Blut, in der ganzen Wohnung. Das werde ich nie vergessen. Die Palästinenser wollen einen eigenen Staat, mit allen Mitteln. Terror dort, wo die Welt hinschauen muss. Und Deutschland wollte gerade mit München ein Zeichen des Friedens setzen - ein neues olympisches Kapitel schreiben, nach den Spielen von Berlin '36 unter Hitler. Es war auch der Versuch, Deutschland anders zu präsentieren. Es waren sehr heitere und beschwingte Spiele und bis zu dem Zeitpunkt eigentlich rundum schön. Israel schickt 26 Sportler nach München. Eine palästinensische Mannschaft wird nicht zugelassen. Es sind die Spiele der Stars: Wie Olga Korbut und Mark Spitz, die eine halbe Milliarde Fernsehzuschauer in aller Welt begeistern. Perfekte Spiele, bis zu jenem 5. September. Die Terroristen fordern die Freilassung von 200 Palästinensern in israelischen Gefängnissen. Sie stellen ein Ultimatum Es war natürlich schon ein besonderes Gefühl des Betroffenseins, weil es sich um jüdische Menschen gehandelt hat. Dass jüdische Menschen wieder auf deutschem Boden aus einem solchen Anlass zu Tode kommen, das war noch ein ganz besonderer Aspekt. Innenminister Genscher verhandelt mit den Terroristen. Wir waren umstellt von drei oder vier, mit MP ausgerüsteten Terroristen, die uns ständig in Schach gehalten haben. Und die Geiseln selber, das hat man ihnen angemerkt, sie waren absolut verschreckt und deprimiert. Bundeskanzler Willy Brandt sucht den Kontakt zur israelischen Regierung. Doch dort stößt er auf taube Ohren. Israel verhandelt nicht mit Terroristen. Das war die Ausweglosigkeit: Die konsequente Weigerung der israelischen Regierung, überhaupt in Verhandlungen einzutreten und die Möglichkeit eines Austausches überhaupt anzudenken. Bonn spielt auf Zeit. Fünfmal verlängern die Terroristen ihr Ultimatum. Deutsche Polizisten gehen in Stellung. Für solche Fälle sind sie nicht geschult. Wir waren Stadtpolizisten und für diese Situation waren wir nicht nur nicht gerüstet, sondern auch nicht ausgebildet. Hans-Dietrich Genscher und Mitglieder des Krisenstabes bieten sich als Austauschgeiseln an. Die Terroristen lehnen ab. Da wurden wir dann überrascht von der Forderung des Anführers: Wir wollen ausgeflogen werden, nach Kairo. Die Geiseln sind einverstanden. Davon will sich der Innenminister überzeugen. Am Fenster des israelischen Quartiers zeigt sich eine der Geiseln und darf mit Genscher reden. Es ist André Spitzer. Er fragte, André, wie gehts? Alles in Ordnung? Und er sagte, mir gehts gut, sagen Sie bitte meiner Frau, sie soll ruhig bleiben. Wir sehen uns bald in Israel. Und sagen Sie ihr, ich liebe sie. Das war die Nachricht. Gegen 17.00 Uhr verlassen die Unterhändler das olympische Dorf. Die Bundesregierung geht auf die Forderung der Terroristen ein. Um 22.00 Uhr warten zwei Hubschrauber auf die Attentäter und ihre Geiseln. Ziel ist der nahegelegene Flugplatz Fürstenfeldbruck. Dort, so heißt es, warte eine Lufthansamaschine. Doch die wird nie starten. Polizeieinheiten gehen in Stellung. Das Gelände um den Flugplatz wird hermetisch abgeriegelt. Dann landen beide Hubschrauber. Als die Terroristen den Maschinen entsteigen, nehmen Scharfschützen sie ins Visier warten auf weitere Befehle. Das sind alles Überlegungen, die in Sekundenbruchteilen ablaufen und entschieden werden müssen. Fünf Scharfschützen - gegen acht Terroristen. Dann kommt der Feuerbefehl. Es knallte mordsmäßig, und die schossen natürlich auch auf den Tower. Ich hab den Minister dann unter den Schreibtisch gezogen. Wir lagen unter dem Schreibtisch und nahmen erst mal Deckung. Entscheidungsnotstand. Was ich eigentlich erwartet hätte, ist, dass man jetzt sofort rausgeht und ran an die Hubschrauber und versucht, die Geiseln zu retten und die restlichen Terroristen zu erledigen. Aber eine ganze Zeit lang tat sich überhaupt nichts. Unter den wartenden Journalisten machen Gerüchte die Runde: Die Geiseln seien gerettet. Bei uns begann eine große Party. Jeder rief an, mein Vater wollte eine große Flasche Champagner öffnen und feiern. Ich sagte Vater: Ich kann jetzt nicht fröhlich sein, ich kann es noch nicht glauben. Und er: Aber Ankie es war doch offiziell zu hören, im Fernsehen. Ein schrecklicher Irrtum. Das Drama ging weiter. Einer der Terroristen zündete eine Handgranate. Alle neun Geiseln, ein Polizist und fünf Terroristen sterben. Viele haben es gesehen, München erlebten 500 Millionen Menschen mit. Sie haben sich gefragt, wer sind diese Leute? Palästinenser! Es war das erste mal, dass sie etwas über Palästina gehört haben. Ich denke es war richtig. Atmo frei stehen lassen! Es war ein Verbrechen. Olympia trägt Trauer. Sollen die Spiele abgebrochen werden? Das IOC entscheidet anders. The Games must go on! Die israelische Mannschaft kehrt noch am selben Tag in die Heimat zurück. Mit ihnen die Opfer. Die Spiele werden fortgesetzt. Doch das fröhliche heitere Fest ist zu Ende.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:20 min
- Schlagworte
- 1972, Olympische Spiele, München, Israel, Olympisches Dorf, IOC, Sport, Attentat, Palästina, Olympia, Ankie Spitzer, Walter Renner, Bruno Merk, Walther Tröger, Abu Daud, Ulrich Wegener, Heidi Schüller, Hans-Jochen Vogel, Histoclips
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