1917 - Die rote Revolution
Ein Mann auf dem Weg zur Macht. Verkleidet, weil die Polizei ihn verfolgt: Wladimir Illjitsch Uljanow, genannt: Lenin. Bis jetzt waren die Genossen unschlüssig. Nun ist er zurück aus dem Exil: Lenin will den Staatsstreich. Die Roten Garden werden bewaffnet. Teile der regulären Armee sind eingeweiht. Aufmarsch der Putschisten. Arkadij Startsev, Historiker Lenin war nicht nur die Hauptfigur dieser Revolution. Er war viel mehr. Ohne ihn hätte es diesen Umsturz nie gegeben. Seine Persönlichkeit, sein Einfluss in der bolschewistischen Partei waren überwältigend. Schon als Jurastudent las Lenin Marx und Engels. In den Jahren der Verbannung wird er zum Agitator. Die radikalen Bolschewiki machen ihn zu ihrem Vordenker und Führer. Lenin hasst den Zaren, der seinen Bruder hinrichten ließ. Die Romanows regieren prunkvoll abgehoben - in der Scheinwelt absoluter Herrschaft. Das Volk lebt in Armut. Der Erste Weltkrieg verschlimmert die Lage. Im zweiten Kriegsjahr steht Russland am Abgrund: Die Lage an der Front ist katastrophal. Im Februar 1917 entlädt sich die Wut. Symbole der Zarenherrschaft fallen. Der Monarch ist an der Front und nicht in der Hauptstadt, wo 150.000 Menschen für Brot und Reformen auf die Straße gehen. Solomon Arvan, Uhrmacher in St. Petersburg Das waren vor allem Frauen, daran erinnere ich mich gut. Mit Losungen und Transparenten Brot, Brot, riefen sie. Es herrschte ja großer Hunger. Dann sah ich zwei Polizisten, die eine Frau in einen Kanal warfen einfach so. So etwas passierte häufig in den Tagen der Februarrevolution. Das Volk bekommt Schützenhilfe. Den Demonstranten schließen sich meuternde Regimenter der Armee an. Gefängnisse werden gestürmt. Spontane Amnestie durch das Volk. Lenin - noch immer im Schweizer Exil - ist ahnungslos. Von den Wirren in der Heimat erfährt er aus der Zeitung. Noch ist es nicht seine Revolution. Anton Antonov-Ovsejenko, Sohn eines Lenin-Mitstreiters Lenins Diese Revolution war spontan und chaotisch, eine echte Volksbewegung. Weder Lenin noch die Partei der Bolschewiki haben irgendeine Rolle bei der Revolution im Februar gespielt. Parlament und rote Räte ringen um die Macht. Der Zar dankt ab. Rußland scheint auf dem Weg zur Demokratie. Doch Kriegsgegner Deutschland lässt den Emigranten Lenin im verplombten Zug aus der Schweiz nach Russland reisen. Der Virus der Revolution soll den russischen Staat und seine Armee entscheidend schwächen. Nach seiner Ankunft sagt Lenin der bürgerlichen Regierung in Petersburg den Kampf an. Die Lage ist verworren. Einflussreiche Arbeiter- und Soldatenräte teilen sich die Macht mit der provisorischen Regierung unter Alexander Kerenskij. Lenin glaubt an einen raschen Sieg. Doch der erste Putschversuch scheitert kläglich. Der rote Revolutionär muss fliehen, setzt sich ab nach Finnland. Aus der Ferne nutzt er seine Zeit zur Vorbereitung eines neuen Staatsstreiches. Im Oktober kehrt Lenin zurück. Sein Mitstreiter Leo Trotzki hat den Umsturz organisiert. Es kommt kaum zu Ausschreitungen, als die Avantgarde des Proletariats die Macht übernimmt. Arkadij Startsev, Historiker Es gab keine Demonstrationen, keine großen Tumulte auf den Straßen. Militäreinheiten besetzten nach telefonischem oder schriftlichem Befehl wichtige Positionen in ihrer Nähe, damit so wenig wie möglich auf der Straße passierte. Nur im Winterpalais, dem Zufluchtsort der Provisorischen Regierung, gibt es Widerstand. Hier führt die roten Truppen ein früherer zaristischer Offizier: Anton Antonov-Ovsejenko. Anton Antonov-Ovsejenko, Sohn Mein Vater sagte, nichts war so, wie es in den sowjetischen Geschichtsbüchern stand. Es gab keinen Sturm auf das Palais, nur wenige Soldaten und kaum Kämpfe. Die Sowjet-Propaganda macht einen Kult aus dem Sturm, den es nicht gab ein wahrhaft legendärer Film. Anton Antonov-Ovsejenko Tatsächlich war es so, dass mein Vater seinen Revolver hob und verkündete: Hiermit beschlagnahme ich im Namen des Revolutionskomitees die Räume. Sie sind verhaftet. Jedem Minister stellte er zwei Matrosen an die Seite, um sie zu schützen, damit die Menge nicht über sie herfiel. Die Stimmung war sehr anarchistisch. Der Winterpalast am Morgen danach. Die Bolschewiki haben die Macht, zumindest in der Hauptstadt. Lenin steht noch immer in Verbindung mit den Deutschen. Es gibt geheime Absprachen. Im November 1917 kommt es zur ersten Geldübergabe. 150 Millionen Goldmark zahlt das Deutsche Reich an die Bolschewiki. Arkadi Startsev Die Deutschen gaben dieses Geld aus, damit die neue sowjetische Regierung an der Macht bleibt. Friedensgespräche beider Länder sollten rasch zum Erfolg führen. Die Deutschen wollten Ruhe an der Ostfront. Fünf Monate nach Lenins Putsch wird das Geschäft besiegelt. In Brest-Litowsk schließen die einen Frieden im Namen des Kaisers, die anderen im Namen der Revolution. Die Revolution bringt Russland neuen Krieg den Bürgerkrieg. Weißer und roter Terror schwappen über das Land. Immer neue Grausamkeiten im Kampf um die Macht. Was geschieht mit den Köpfen des alten Systems dem Zaren? Am 16. Juli 1918 antwortet Lenin auf eine Anfrage dänischer Journalisten. Der ehemalige Zar und seine Familie seien am Leben. Das Telegramm schickt er nie ab. In Jekaterinburg am Ural - das letzte Gefängnis der Herrscherfamilie. Als zarentreue Truppen die Stadt einschließen und ihren alten Herrn befreien könnten, ist das Schicksal der ganzen Familie besiegelt. Der Zarenmörder Jakob Jurowskij. Am Abend des 17. Juli schickt er ein verschlüsseltes Telegramm nach Moskau. Auftrag ausgeführt Der Mordbefehl kam aus dem Kreml. Ein Mord von Millionen.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:17 min
- Schlagworte
- 1917, Oktoberrevolution, Rußland, Petrograd, Lenin, Zar, Bolschewiki, Histoclips
Sachgebiete
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