Edupool Marketplace

1993 - Debakel in Somalia

Cover: 1993 - Debakel in Somalia

9. Dezember 1992: Showtime in Mogadischu Beach. Die Operation “Restore Hope” beginnt. Unter gleißenden Scheinwerferlicht landen 1.800 US-Marines in kugelsicheren Westen. Von kämpfenden Somalis keine Spur. Ein bizarrer Auftakt einer UN-Mission. Wir wurden eher als eine Kuriosität angesehen. Ich bin sicher, dass die meisten Somalis noch nie so etwas gesehen hatten, das wir an diesem Tag an Land brachten. Erst die großen Amphibienfahrzeuge, dann folgten wir mit riesigen Luftkissenbooten, die über die Wasseroberfläche an den Strand fuhren. Wir haben ihnen eine Show geliefert, die für sie wie Disneyland ausgesehen haben musste. (We were looked upon as more of a curiosity, I am sure for most of the Somalis, they have never seen anything like what we have brought ashore that day, first that amphibious tractors and then we followed with these huge aircussioned vehicles that cross the surface of the ocean and go to the sand of the beach. So we´ve put on a show which must have been like Disneyland for them.) Das sind die Bilder, die das Militärspektakel ausgelöst hatten. Fast 2 Millionen von insgesamt 6 Millionen Somalis stehen vor dem Hungertod. 50 Prozent der Kinder sind unterernährt. - Bilder stehen lassen - Schon seit dem Sommer 1992 versuchen Hilfsorganisationen, das große Sterben abzuwenden – mit wenig Erfolg. Ein jahrelanger Bürgerkrieg hat das Land verwüstet. Ohne ausländische Hilfe wird die Bevölkerung verhungern. “Es ist unmenschlich. Man sah einen Geist, der die Straße entlang ging- nur Knochen.” (“It is something inhuman, you see a ghost go in the street only bones”) Monatlich sterben 10 Tausende. Die Leichentücher gehen aus, die Totengräber arbeiten rund um die Uhr. Das Land steht vor dem Kollaps. Es gibt keine Zentralgewalt mehr, keine Gesetze, keine Regierung. Die Lebensbedingungen sind katastrophal. “Am Morgen nahmen wir gewöhnlich Eimer und gingen damit zu den Leitungen, aus denen Wasser kam. Tropfen für Tropfen, Tropfen für Tropfen, zwei oder drei Stunden lang und man bekam ein kleines bisschen Wasser zu trinken.” (“In the morning we used to take a buckets, and go to the tubes, where the water comes in, drop by drop, drop by drop for two hours or three hours you get a little bit of water”) Seit 1991, dem Sturz des Diktators Siad Barres, kämpfen rivalisierende Clan-Milizen um die Vorherrschaft. Ein Kampf der mit brutaler Härte ausgeführt wird. Und ohne Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Täglich schlagen Bomben in Mogadischu ein. Die Ärzte kommen mit der Versorgung der Opfer kaum nach. Leidtragende des Machtkampfs sind Unschuldige: Kinder und Frauen. Die ganze Stadt Mogadischu, überall war der Lärm von Bomben. Ich weiß nicht - auch einige Geschäfte fingen Feuer. Man konnte die Maschinengewehrsalven überall hören. Überall. Es war nicht mehr sicher, in Mogadischu zu bleiben.” “The whole city of Mogadischu, there was a noise of bombs, I don`t know, some kind of stores caught fire, or something. You could hear bummbumm, evereywhere, everywhere, you were not save to stay in Mogadischu.” 30.000 Soldaten aus aller Welt sollen unter dem Kommando der USA helfen, die notleidende Bevölkerung mit Hilfsmitteln zu versorgen. Tonnenweise werden die Nahrungsmittel ins Land gebracht, doch die Verteilung scheiterte bislang am Bürgerkrieg. Nach Anlauf der Operation “Provide Relief” bessert sich die Situation. Statt im Hafen zu verrotten, erreichen Hilfslieferung jetzt unter der Obhut der USA die Verhungernden auf dem Land. Das große Sterben ist vorerst abgewendet. “Das Gefühl war Zufriedenheit zu dieser Zeit. Alles war ruhig, die Menschen bekamen zu Essen oder medizinische Hilfe. Wir hatten das Gefühl, unseren Job getan zu haben.” “The feeling was satisfaction, by that time, balance the way down, the people were getting food or getting medical supply, so we felt like doing our job.” Eine fatale Fehleinschätzung. Die Milizen der verschiedenen Clans haben immer noch die Kontrolle über das Land. Die Operation “Provide Relief” steht vor einem Problem: Lebensmittel in ein Land zu pumpen, das weder eine Regierung noch eine Polizei hat, erhöht die Gesetzlosigkeit. Die Hilfslieferungen füllen auch die Kassen der Kriegsherren. Nahrungsmittel haben sich zu einer Waffe entwickelt. Wenn es einem möglich war, den Feind von Nahrungsmitteln fern zu halten, war das eine gute Sache. Wenn man Nahrung für sich selbst behalten konnte, konnte man selbst essen, oder es für Waffen verkaufen, für Gewehre. Es war eine entsetzliche Situation, die Leute starben massenweise. “Food became a weapon, if you could keep your enemies from having food, that was a good thing, if you can get for yourself, and you can either use it, or you can sell it for weapons, for guns, it is a horrendous situation, people are dying” Die US-Soldaten werden aktiv. Sie sollen versuchen, die Milizen zu entwaffnen. Täglich finden Razzien statt. Mit martialischen Drohgebärden wollen sie die bewaffneten Kämpfer zum Aufgeben bringen. Wir wollten ein Zeichen der Stärke für sie setzen. Und wir wollten ihnen sagen: wir sind stark, wir sind böse, wir haben immer Geschütze und Waffen und wenn ihr uns Probleme bereitet, dann töten wir euch. “We wanted to put on a show of force for them to say we are big, we are bad and we get always hardware and firepower and if you mess with us, we gonna kill you.” Die Situation eskaliert. Die Helfer von vor einem halben Jahr werden zu Kriegsteilnehmern. Sie wollen vor allem einen Milizenführer - Farrah Aidid - und seine Anhänger verhaften. Die Politik der Einmischung schlägt fehlt. Im Land wächst der Hass auf die Amerikaner, die nun als kriegstreiberische Besatzungsmacht gelten. Die Aggression wächst auf beiden Seiten. ”Auf beiden Seiten gab es ein schreckliches Gefühl von Hass und Ärger und Feindschaft, das wir als etwas unglaubliches ansahen.” “On both sides there was a terrible feeling of hatry and anger and hostility, which we felt, which was unbelieveble.” Der 3. Oktober 1993: Die US-Soldaten stehen im Krieg. Beim Versuch, Gefolgsleute der Rebellenführers Aidid im Hotel Olympic in Mogadischu zu fassen, werden US-Hubschrauber abgeschossen. Die Schlacht beginnt. Immer mehr Truppen werden zum Kampfplatz gebracht. Der Dunst war so dick, wir konnten den Boden kaum sehen. Als wir aus den Flugzeugen sprangen, wurden wir sofort beschossen. In dem Moment, als wir den Boden berührten, wussten wir, dass das eine etwas andere Mission war. Wir waren involviert von dem Moment an, als wir den Boden berührten. “The dust was so sick, we couldn`t see the ground, when we went out the birds, we were taking fire emediatly, the time we hit the ground, we knew this was a little different missison.- you know, we were engaged from the moment, when we hit the ground.” Die Situation für die US-Soldaten wird immer bedrohlicher. Verstärkung wird angefordert, denn die US-Soldaten stehen einer unübersichtlichen Übermacht an Somalis gegenüber. “Häufig konnten wir nicht sehen, woher das Feuer kam. Ob es aus einem Fenster, einer Straße, einer Tür kam. Es ging rund um 360 Grad. Es war nicht, als ob wir sagen konnten: der Feind ist hier und wir da. Wir waren genau in die Mitte des Feindes gesprungen in ein Hornissennest und das hatte uns komplett umschlossen. “A lot of times you wouldn`t see where the fire was coming from, if it´s coming from a window, from an allee, a doorway, which you taking 360 degrees far. You know, you say like the enemy is here and you get vas and almum. We jumped now down to the middle of the enemy into a hornetnest and it completely surrounded us.” Das Gefecht dauert die ganze Nacht über an. Die eingekesselten US-Soldaten kämpfen um ihr Leben. Ihre Lage scheint ausweglos zu sein. Wir waren für 15 oder 16 Stunden im Gefecht. Wir wurden knapp an Munition. Viele Soldaten dehydrierten - unsere Wasservorräte wurden knapp.” “We´ve been in for 15 or 16 hours, we are running out a lot of amu a lot of them get dehydrated, and run out of water.” 18 US-Soldaten werden getötet, 84 verletzt. Unter den Aididanhängern soll es 312 Tote und 814 Verwundete gegeben haben. Wer von den US-Marines nicht verwundet ist, der rennt um sein Leben. Ein würdeloser Rückzug beginnt. Die von uns, die in der Lage waren zu gehen und nicht verletzt waren - oder nicht schwer verletzt waren, teilten sich auf, gingen an beide Seiten der Straße und rannten hinter den Autos hinaus. Es war ein “Schießen und Laufen”. “Those of us who were able to walk and weren´t wounded, or not wounded bad, were basicly split up and got on both sides of the road and ran out, following the vehicles out It was a shoot and run..” Der nächste Tag. Die Somalis feiern ihren Sieg über die Amerikaner. Schreckliche Bilder einer Niederlage, die um die Welt gehen. “Die Bilder waren wirklich schockierend und verursachten - so glaube ich - einen unglaublichen Aufschrei.- Und es waren genau diese Bilder, die zu Aufrufen führten, die Amerikaner abzuziehen und unsere Jungs zurück nach Hause zu bringen.” “The pictures were realy shocking and I think produced incredible outrage. And it was precicely those pictures that lead to calls to pull the Americans out and to bring our boys back home.” Im Jubel der Somalis wird schnell klar: Die UN und die USA haben ihren Kredit in Somalia verspielt - der Rückzug ist unausweichlich. Wenn man es im Gesamten betrachtet - vom Anfang bis zum Ende und Somalia heute ansehen, wo sich die Clans wieder bekämpfen, es keine Aussicht auf eine Zentralregierung gibt und der Hunger wieder zurückkommt - Ich glaube, dann muss man sagen, dass es sicher nicht erfolgreich war. “If you look at it overall form beginning to end and look at Somalia today, where were clans fighting at each other with no prospect what`s central government and hunger coming in again. I guess you have to say, that it certainly was not successful. Die abziehenden Soldaten hinterlassen ein Land, das im Chaos versinkt. Noch während sich die Truppen auf den Weg zum Hafen begeben, werden ihre Hinterlassenschaften geplündert. Die Anarchie hat gesiegt. Die Milizen übernehmen endgültig die Kontrolle über das Land. Die Supermacht USA kehrt nach Hause zurück.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:17 min
Schlagworte
1993, Somalia, Hunger, Hungersnot, Marines, Afrika, UNO, USA, Bürgerkrieg, Gregg Gould, David W., Floyd, Basi Mohammed Sufi, Yussuf Adam Bokah, James W. Davis, Robert B. Oakley, Fred Peck., Histoclips

Sachgebiete

Für Vorschau, Merkliste und Kaufoptionen aktivieren Sie bitte JavaScript. Informationen zum Erwerb finden Sie in der Kaufanleitung.