1951 - Churchills letzte Schlacht
Unterhauswahlen in England. Es kommt zur Wende. Labour-Chef Attlee muss seinen Hut nehmen. Die Briten holen ihn zurück, den alten Kriegspremier. Doch hat Sir Winston Churchill noch die Kraft? Celia Sandys, Enkelin Churchills Wenn es nach seiner Frau gegangen wäre, wäre er nicht noch einmal angetreten. Denn Politik in Friedenszeiten war eine schwierige Sache in England. Vor allem aber war seine Gesundheit angegriffen. Die Kriegsjahre hatten ihm sehr zugesetzt. Ein Mann, der mit dem Krieg groß wird. Der junge Churchill kämpft noch für das alte Empire. Als erster Lord der Admiralität hat er Englands Flotte hochgerüstet. Doch die erfährt im Ersten Weltkrieg eine Niederlage vor den Dardanellen. Winston Churchill jr., Enkel Churchills Er trat deshalb von seinem Amt zurück und ging selbst in die Schützengräben. An der Westfront übernahm er ein Kommando, bei Ypern. Die Urkatastrophe des Jahrhunderts erlebt Churchill in den Gräben Flanderns wie sein späterer Erz-Feind. Winston Churchill jr., Enkel Churchills Es ist ein merkwürdiger Zufall der Geschichte, dass ein paar Kilometer entfernt, auf der anderen Seite, ein deutscher Gefreiter namens Hitler lag. Ohne diesen Krieg wäre der nicht an die Macht gekommen. Hitler macht die Republik für die Niederlage verantwortlich, und gewinnt damit Stimmen. Den Aufstieg des braunen Demagogen verfolgt Winston Churchill mit. Winston Churchill jr., Enkel Churchills Sein Sohn, mein Vater, war Zeitungskorrespondent in Deutschland. Er flog zusammen mit Hitler in dieser dreimotorigen Maschine von Kundgebung zu Kundgebung. Frühjahr '32: Hitler über Deutschland: Der Reporter Randolph Churchill beobachtet den Wahlkämpfer aus nächster Nähe, und ist entsetzt über dessen barbarische Parolen. Winston Churchill jr., Enkel Churchills Mein Vater hat als erster Brite darüber berichtet und auch Winston Churchill informiert: Wenn Hitler in Deutschland an die Macht kommt, heißt das Krieg mit England. April '32 Winston Churchill in München: Ein Treffen mit Hitler wird arrangiert. Doch der NS-Führer schickt nur seinen Auslands-Pressechef Hanfstaengl. Egon Hanfstaengl, Sohn von Hitlers Pressechef Da sagte der Churchill meinem Vater: Tell your boss from me: anti-semitism may be a good starter, but it is a poor sticker. Was heißen will: Man kann mit Judenhetze anfangs ganz gut Erfolg haben, aber später rächt es sich alles. In England verhallen Churchills Warnungen vor Hitler. Noch hat der Konservative weder Amt noch Macht. Von 37 an regiert Neville Chamberlain ein Gegner in der eigenen Partei. Chamberlain will Hitler nicht bekämpfen, sondern beschwichtigen. Neville Chamberlain, nach der Konferenz von München, 30. September 1938 Diese Vereinbarung über die tschechoslowakische Frage ist in meinen Augen nur das Vorspiel für ein großes Abkommen, das ganz Europa Frieden bringen wird. Ein wertloses Stück Papier. Sommer 1940: Deutsche Bomben fallen auf London. England muss eine Invasion der Wehrmacht fürchten. Chamberlain ist diesem Krieg nicht gewachsen. Nach seinem Rücktritt folgt ihm Churchill nach als Kriegspremier. Winston Churchill jr., Enkel Churchills HITLER hat ihn zum Premierminister gemacht. Und das war ein sehr wichtiger Schritt für meinen Großvater. Politisch auferstanden in Ruinen: der neue Premier wählt deutliche Worte: Winston Churchill (off), 13. Mai 1940 Ich habe nie etwas anderes versprochen als Blut, Tränen, Mühe und Schweiß. Barbara Castle, Labour Party Die Leute bekamen ihn zu sehen, auch, wenn es gefährlich war. So konnte er ihnen die größten Opfer abverlangen. Er war glaubwürdig. Britische Bomben als Vergeltung für die deutschen Angriffe. Auch Churchill will den Gegner dort treffen, wo es besonders schmerzt in der Heimat. Die Feindschaft mit Hitler nimmt er persönlich. Winston Churchill Eines aber ist sicher: Alles, was Hitler hinterlassen hat, jede Fußspur und jeder Flecken seiner kranken, giftigen Kralle wird gesäubert, weggespült, und, falls nötig, vom Antlitz der Erde hinweggefegt. Doch die britischen Bomben treffen vor allem Zivilisten. Flächenbombardements auf deutsche Städte. Bilder aus Hamburg mit Zehntausenden von Opfern. Winston Churchill jr., Enkel Churchills Er war alles andere als kaltherzig. Er hatte viel Verständnis für die Menschen. Aber wenn es ums Überleben geht, gibt es keine Kompromisse. 8. Mai '45: Die Niederlage Hitler-Deutschlands ist die größte Stunde Winston Churchills. Gewinnt der Sieger auch den Frieden? Reise nach Berlin. In der Nachkriegszeit ist für den Kriegspremier kein Platz mehr. Auf der Konferenz von Potsdam ist sein Land nur noch dritter Sieger. Während Stalin und Truman die Welt aufteilen, muss Churchill abreisen. Sein Volk hat ihn abgewählt. Seine Zeit scheint abgelaufen. Celia Sandys, Enkelin Churchills Als Monarchist und Patriot lebte er in der Zeit des britischen Empires. Jetzt sah er mit an, wie es auseinanderbrach. Und darüber wurde er alt. Das Comeback des alten Mannes mitten in der Zeit des Wiederaufbaus, den er mit vorantreibt. Während die Wunden des Krieges heilen, baut der Regierungschef selbst ab. Doch Churchill bleibt sich treu. Barbara Castle, Labour Party Er konnte einfach nicht von der Macht lassen. Jeder gönnte ihm den Triumph seiner Wiederwahl. Aber ein Jahr hätte doch gereicht. Er hätte einen Nachfolger aufbauen können. Aber nein. Er gab erst auf, als er sich beinahe zur Witzfigur auf der Regierungsbank gemacht hatte. Das war sehr schade, denn das war der sichtbare Verfall eines großen Mannes. Das letzte Bild entsteht an seinem neunzigsten Geburtstag. Wenige Wochen später stirbt Winston Churchill. Für seine Landsleute gilt der trotz alledem als größter Brite des Jahrhunderts.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:16 min
- Schlagworte
- 1951, Churchill, Großbritannien, Premierminister, London, Regierung, Winston Churchill jr., Celia Sandys, Barbara Castle, Anthony Montague Browne, Egon Hanfstaengl, Histoclips
Sachgebiete
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