1936 - Der schöne Schein
Nie zuvor war das Fest der Völker so vereinnahmt. Nach Art der Gastgeber grüßt auch mancher Gast. Verneigung vor dem Schirmherrn oder Missverständnis? Olympisch habe man schon immer so gegrüßt, heißt die Entschuldigung. Neu ist der Fackellauf. Er wird sein Reich überleben. Die Inszenierung ist perfekt. .... Ich verkünde die Spiele von Berlin als eröffnet. Dabei hat der Diktator alles andere als Sport im Sinn. Hitler war überhaupt ganz desinteressiert und dann am ersten Tag musste er so pro forma da sein. Er wollte gar nicht ins Stadion kommen. Und an diesem Tag gab es drei deutsche Goldmedaillen, was niemand erwartet hatte. Die Deutschen waren ja gar keine Favoriten. Und da sagte man: nur weil sie da sind, mein Führer, deshalb haben die gesiegt. Und daraufhin ist er jeden Tag ins Stadion gekommen. Für Hitler sollen die Spiele auch die Überlegenheit der weißen Rasse demonstrieren. Wie absurd das ist, zeigt dieser Mann Jesse Owens Top-Athlet aus USA. Sein Team bringt einen Hauch von Freiheit mit ins Dritte Reich, dessen Wahn auch vor dem Sport nie halt machte. Jesse pflegte da zu sagen: Ich gehe nach Deutschland, um zu laufen. Was immer Hitler auch tut, ist seine Sache und interessiert mich nicht. Berlin gibt sich als weltoffene Stadt. Das Hetzblatt Stürmer ist nur unterm Ladentisch erhältlich. Die Illusion von einer toleranten Tyrannei. Zwei Wochen lang scheint sie perfekt. Das Leben war viel großzügiger, und deshalb haben wir in Berlin empfunden, das ist ist ja alles gar nicht so schlimm mit dem Dritten Reich, das wird ja vielleicht doch und die Olympischen Spiele werden der Anfang sein für eine größere, tolerantere Heimat, die wir dann haben werden. Doch der schöne Schein der Spiele, er verdeckt das wahre Antlitz des Regimes nur kurze Zeit. Der Terrorapparat läuft im Verborgenen weiter. Während die Jugend der Welt das saubere Berlin bestaunt, wird vor den Toren der Stadt das KZ-Sachsenhausen errichtet. Also, es war eine einzige Camouflage, es wurde ein Deutschland präsentiert, das nichts mit der Realität zu tun hatte. Gegen die Realität gab es in den USA zunächst Protest. Ein Boykott der Spiele drohte. Diese Frau verhindert den Eklat: Helene Mayer, Deutsche, im Jargon der Nazis Halbjüdin, lebt im US-Exil und darf - als Konzession für Deutschland fechten. Bereits am ersten Tag bringt der schwarze Springer Johnson den Schirmherrn in Verlegenheit. Olympischer Rekord. Hitler ist verärgert und verweigert dem Sieger den Handschlag. Hier im Stadion endet seine Herrschaft. Auf der Aschenbahn regiert ein anderer. Jesse Owens. 8 Meter sechs im Weitsprung. Weltrekord. Die Deutschen liebten Jesse. Wann immer er ins Stadion kam, riefen sie seinen Namen: (Übersetzung ziehen) Jesse Owens, Jesse Owens nicht Voice-overn, offen lassen. Dann weiter Für ihn war es einfach eine wundervolle Zeit. Owens ist auch Favorit im 100 Meter Lauf. Owens liegt vorn. Strundberg hinter ihm. Rosenberg kämpft sich heran. Ziel: Sieger im 100-Meter-Lauf: Jesse Owens! Hitler ist verstimmt. Durch reinen Zufall stand ich gerade da und malte langsam die Namen auf meinen Zettel, als über den Stadion-Ansagedienst kam, dass jetzt Jesse Owens seine erste Goldmedaille für die 100-m empfangen wird. Hitler hörte das, stieß wütend seinen Stuhl zurück und rannte mit einem finsteren Gesicht direkt an mir vorbei raus. Die Volksgenossen folgen ihrem Führer nicht und feiern ihren Liebling gegen alle Staatsräson. Der schönste Augenblick in Deutschland war für ihn der Empfang der vier Medaillen. Mein Daddy hatte sich und der Welt bewiesen, dass er der beste Läufer war. Obwohl er nicht aus der angeblichen Superrasse kam. Er war ein Schwarzer, aber ein sehr stolzer Schwarzer. Im Olympischen Dorf werden die Athleten rund um die Uhr überwacht. Die meisten Kellner stehen im Dienst der Gestapo, kontrollieren Briefe. Auch einen an Owens, in dem es heißt, er soll seine Goldmedaillen aus Protest gegen Hitler zurückgeben. Der Brief kommt nie an. Olympia als Medienspektakel und das Fernsehen ist zum ersten Mal dabei. Auch die Berichterstatter lassen sich nur allzu gerne blenden. Hauptsache: Schöne Menschen, schöne Bilder. Solchen trügerischen Schein setzt Hitlers Lieblingsregisseurin Leni Riefenstahl in Szene. Da ich von Anfang an keinen ganz realistischen Film machen wollte, sondern eine Art Denkmal für die Olympische Idee, musste ich etwas schaffen, was wirklich über das rein sportliche hinausgeht. Man sagt mir oft, ich habe sie so schön gemacht, die Leute. Ja, aber ich hab sie doch nicht geschaffen, der Liebe Gott hat sie doch gemacht. Und das Regime hat sie benutzt. Erst im Rückblick angefangen mit der Kristallnacht 38 und dann mit den entsetzlichen Kriegsereignissen, dann verloren die 36er Spiele ihren Glanz, dann hat man erst gemerkt, was das für eine Propagandaschau war. Friedenstauben in Berlin. Bomben auf Spanien. Am ersten Tag der Spiele greift Hitlers Legion Condor in den Bürgerkrieg ein. Generalprobe für einen größeren Krieg. Im Olympischen Berlin diktiert der selbsternannte Friedenskanzler den Geheimbefehl, die Wehrmacht solle in 4 Jahren kampfbereit sein. Zum Abschluss der Lichtdom. Die selben Flakscheinwerfer richten ihre Strahlen Jahre später wieder in den Himmel über Berlin.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:14 min
- Schlagworte
- 1936, Jesse Owens, Olympiade, Berlin, Adolf Hitler, Nationalsozialismus, Leni Riefenstahl, Marlene O. Rankin, Ruth Owens, Beverly Owens Prather, Fritz Schilgen, Hans Borgelt, Hilmar Hoffmann, Robert Lochner, Stéphane Roussel, Histoclips
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