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1906 - Das Erdbeben von San Francisco

Cover: 1906 - Das Erdbeben von San Francisco

Leben, gebaut auf schwankendem Grund. San Francisco, Kalifornien. Schon zu Beginn des Jahrhunderts eine Stadt im Boom. Große Namen sollen ihr zu Glanz verhelfen. Enrico Caruso, Startenor aus der Alten Welt, gibt der jungen Stadt die Ehre. Caruso war eine Schau. Er wohnte im Palace Hotel und die Stadt erlag seinem Charme. 17. April 1906, 8 Uhr abends. Spannung vor dem großen Auftritt. In der Metropolitan Opera wird Carmen gegeben. Caruso singt den Don José und bezaubert. Langsam erwacht die Stadt nach diesem großen Abend wieder zum Leben. Ein ganz normaler Tag – so scheint es. Die Cable Cars sind vollbesetzt, wie immer. Raphello Paolinelli ist Gemüsehändler. Seine Tochter Cora, ein Jahrhundertkind, damals sechs. Mein Vater ging zum Markt, Gemüse kaufen. An diesem Morgen war er sehr früh unterwegs. Meiner Mutter sagte er: Er braucht soviel. 18. April 1906 – Um fünf Uhr 12 beginnt die Erde zu beben. Das Haus wackelte furchtbar. Ich lag in einem Kinderbett, das durch den ganzen Raum geworfen wurde. Und meine Mutter schrie: Das ist das Ende der Welt. Eines der schwersten Beben, das eine Großstadt je heimsuchte. 48 Sekunden dauert der Alptraum. Ich hatte Todesangst. Alle hatten Angst. Wir fürchteten, es würde noch ein Beben geben. Die Stadt liegt in Trümmern. Das große Rathaus – nur noch ein Gerippe. Das Beben erreicht eine Stärke von 8,3 auf der Richterskala – das entspricht der Wucht von sechs Millionen Tonnen Sprengstoff. Das Palace Hotel, hier wird Caruso von dem Beben überrascht. Er öffnete das Fenster, klopfte sich auf die Brust und prüfte seine Stimme: Das war für ihn das Wichtigste. Der Startenor macht sich noch am selben Tage aus dem Staub. Die Zurückgebliebenen haben Angst vor einem Nachbeben. Es kommt, Feuer brechen aus, in der gesamten Stadt. Man dachte, alles halb so wild und ahnte nicht, dass dieses Feuer drei Tage brennen würde. Die Feuerwehr ist machtlos. Es fehlt an Löschwasser. Das Beben hat die Leitungen zerstört. Der Schriftsteller Jack London, Augenzeuge des Infernos, schrieb: „In wenigen Stunden schmolz das Herz der Stadt.„ Dynamit gegen Feuer. Löschtrupps sprengen Schneisen, um den Flammen die Nahrung zu nehmen. Viele Häuser wurden gesprengt und die schwelenden Trümmer schürten immer neue Brände. Viele Menschen schliefen, als die Erde bebte. Tausende sind unter den Trümmern begraben. Immer wieder stoßen Rettungstrupps auf Überlebende – und sind oft ohnmächtig. Das war das schlimmste, was ich je gesehen habe. In einem Hauseingang waren eine Mutter und ihr kleiner Sohn eingeklemmt. Man hat die beiden da nicht herausbekommen. Das Feuer kam immer näher. Da nahm die Mutter ihr Kind, das war vielleicht sieben Jahre alt, und schlug den Kopf immer wieder auf das Pflaster. Es sollte wenigstens die Flammen nicht mehr spüren. Man konnte ihnen einfach nicht helfen. Das Feuer wütet mehrere Tage. Viele Menschen fliehen auf die Hügel vor der Stadt. Auch die Mutter von Cora Lucetti schließt sich mit ihren Kindern dem Zug der Obdachlosen an. Coras Vater wird vermisst. Wir standen oben und sahen die ganze Stadt in Flammen. Dort haben wir übernachtet und die ganze Zeit flogen verbrannte Papierfetzen zu uns hinauf. Weltweit Entsetzen über das Beben. Die Bergungstrupps suchen weiter nach Überlebenden und machen schaurige Entdeckungen. Plünderer sind unterwegs. Den toten Frauen nahmen sie die Eheringe weg. Sie schnitten gleich den ganzen Finger ab. Da kommt die US-Kavallerie: Im Gepäck den Schießbefehl des Bürgermeisters und ihres Generals. Sie sorgen strikt für Ordnung. Die Armee machte kurzen Prozess. Plünderer wurden erschossen, ihre Leichen ins Feuer geworfen. Dutzende Exekutionen. Fast 3000 Menschenleben fordert das Beben. In den Parks der Stadt werden sie notdürftig verscharrt. Ruhe finden sie nicht. Hunde streunten durch die Stadt. Die hatten auch Hunger. Der Geruch der Leichen zog sie an und sie wühlten sie aus der Erde. In einem der Flüchtlings-Camps wartet Cora Lucetti noch immer auf ihren Vater. Eines Nachmittags fährt sein Wagen die Straße entlang. Der Wagen kam auf uns zu, doch ein anderer Mann lenkte ihn. Meine Mutter brach zusammen. Vater ist was zugestoßen, sagte sie. Er ist dort unten umgekommen. Zehn Tage nach dem großen Beben rollt das erste Cable Car in das Zentrum der Stadt. San Francisco ist wiedererstanden. Die Bahn fuhr die Marketstreet runter und das war ein Signal. Die Stadt hat überlebt. Die Bürger bauen ihre Stadt wieder auf, schöner, größer – und laden die Welt zu sich ein. San Francisco ist Gastgeber der Weltausstellung 1915. Das große Beben ist Geschichte doch die Traumstadt am Pazifik lebt mit der Gefahr: Ein solches Beben, ein „big one„, kann jederzeit wieder geschehen.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:18 min
Schlagworte
San Francisco, Vereinigte Staaten von Amerika, Erdbeben, Enrico Caruso, Hotel Palace, , Histoclips

Sachgebiete

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