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1933 - Hitlers Machterschleichung

Cover: 1933 - Hitlers Machterschleichung

Triumphzug nach langem Marsch. Mit nachgestellten Bildern feiern die Nationalsozialisten die Legende von der Machtergreifung. Tatsächlich war ihr Vormarsch gar nicht unaufhaltsam. Anfang '33 schien der Spuk fast schon am Ende. OFF: “Hitlers Partei hatte Stimmen ON: verloren, die Wirtschaftslage hatte sich verbessert und Hitler, seine Partei, lebten eigentlich davon, daß es in Deutschland schlecht zuging.” O-Ton Hitler: “...kapitulieren werden wir nicht!” Der Demagoge zehrt von Krisen, von der Erblast des verlorenen Kriegs, von Arbeitslosigkeit und Elend. Hitler über Deutschland - wie ein Erlöser gebärdet er sich. Mit aller Gewalt und allen Mitteln bekämpfen seine Bodentruppen die angeschlagene Republik, der Hitler seinen Aufstieg verdankt. Doch kurz vor dem Ziel scheinen seine Möglichkeiten erschöpft. Mit Wahlen und Mandaten ist der Durchbruch für ihn nicht zu schaffen. Da kommt ihm ein unerwartetes Angebot entgegen. Unter konspirativen Vorkehrungen folgt Hitler einer Einladung in die Villa des Bankiers von Schröder in Köln. Das Versteckspiel ist vergebens. Es kommt ans Tageslicht: Hitlers geheimnisvoller Gesprächspartner heißt Franz von Papen, Ex-Kanzler. Er sieht sich berufen, den Staat aus der Krise zu retten – mit seiner Rückkehr - und Hitler als Juniorpartner. “Den Hitler, den nehmen wir an die Kandare und zügeln ihn. Das haben viele gedacht, daß man den Hitler einbauen könne in ein braves System.” Das System der Republik hat sich längst von ihrem Ideal entfernt. Nach Gutdünken des greisen Präsidenten regieren wechselnde Reichskanzler am Parlament vorbei. Kanzler auf Abruf wie Kurt von Schleicher Anfang 1933. Im Hintergrund ziehen andere die Fäden. Heimlich schleichen sich zwei Männer aus der Berliner Staatsoper, wo sie sich vorher öffentlich zeigten – Alibi für ein Geheimtreffen mit Hitler. Erneut von Papen eingefädelt, sondieren der Sohn des Reichspräsidenten und sein Kanzleichef, zu welchen Bedingungen mit der braunen Partei Staat zu machen sei. Nach einigem Zögern findet ihr Plan beim Reichspräsidenten Gehör. In einer Atmosphäre von Ratlosigkeit und Lethargie erkennen nur wenige die kommende Gefahr. Dabei hat Hitler aus seinen Absichten nie ein Hehl gemacht. O-Ton Hitler: “Wir sind intolerant. Ich habe ein Ziel mir gesetzt, nämlich die 30 Parteien aus Deutschland hinauszufegen.” “Man hat ihn wohl nicht ernst genug genommen. Man hat eher über ihn gespöttelt, als daß man geglaubt hat, daß er eine solche Macht gewinnen würde.” Als Hitler am 30. Januar sein Quartier verlässt, um aus Hindenburgs Hand die Ernennungsurkunde zu erhalten, überwiegt Erleichterung. Von bürgerlichen Ministern umrahmt, scheint der Agitator gebändigt. Geht Papens Rechnung auf? “Da soviel von seinen alten Kabinettskollegen dabei waren, dachte er sich, dann können wir doch diese drei Männecken...können wir doch...können wir doch sicher dann zur Vernunft bringen und können was arbeiten und das wird gehen. Aber er hat sich ganz getäuscht in dem Hitler.” Die deutschnationalen Steigbügelhalter wollen den Volkstribun für ihre Zwecke einspannen. Doch schon am Abend zeigt sich: Es ist ein Spiel mit dem Feuer. Hitler versteht es, die Massen zu mobilisieren. Und sie feiern ihn als einen der ihren, der nun ganz oben steht. “Wir alle hatten gespürt, hier ist eine Wende, aber niemand hat ahnen können, daß es der Schicksalstag des ganzen Jahrhunderts sein würde.” Auf den Triumphzug folgt der Rachefeldzug. Absolute Herrschaft ist jetzt Staats-Räson. “Ich denke immer: Die Kombination von Terror und Erfolg, die ist eben wirklich unschlagbar...” Verführung und Gewalt: Der Reichstagsbrand – willkommenes Fanal für unbeschränkten Terror. Eine Notverordnung setzt das geltende Recht außer Kraft. In den Folterkellern der SA herrscht Willkür. O-Ton Göring (Off): “Hier habe ich keine Gerechtigkeit zu üben. Hier habe ich nur zu vernichten und auszurotten.” “Ich selbst habe in meinem Keller erlebt, wie also ein jüdischer Rechtsanwalt, eben da völlig verblutet ist, nur von den Schlägen, die er bekommen hat.” O-Ton Hitler: “Daß ein solcher geschichtlicher Vorgang wie jede Kampfhandlung hie und da von bedauerlichen Erscheinungen begleitet ist, liegt auf der Hand.” Die letzten halbwegs freien Wahlen bringen der Regierung Hitler eine Mehrheit. Doch der Kanzler braucht die Koalition mit den Konservativen nur noch, um die Blankovollmacht für seine Alleinherrschaft zu erhalten. Als einzige Partei stimmt die SPD gegen das Ermächtigungsgesetz. Ihr Veto kommt zu spät. “Die Partei mußte Nein sagen. Aber sie hatte keine Machtbefugnisse mehr. Sie hatte keine Möglichkeit, ihr Nein umzusetzen in einen effektiven Widerstand.” O-Ton Hitler: “Am 30. Januar sind in Deutschland die Würfel gefallen. Und ich glaube nicht, daß die Gegner, die damals noch gelacht haben, heute auch noch lachen werden". In Potsdam wird effektvoll “nationale Versöhnung” inszeniert. Doch die Wirklichkeit setzt andere Zeichen. “Zwei Worte, die mir nicht aus dem Kopf gehen wollten: ‘Hitler mobilisiert.’ Dies ist eine Generalprobe und es wird viele Generalproben geben, ehe ein wirklicher Krieg kommt, aber er ist im Begriff, Menschen zu Maschinen zu machen.”

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:04 min
Schlagworte
1933, Adolf Hitler, Deutsches Reich, Berlin, Nationalsozialismus, Drittes Reich, Machtergreifung, Franz von Papen, Hermann Göring, Joseph Goebbels, NS-Zeit, Deutschland, Ermächtigungsgesetz, Histoclips

Sachgebiete

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