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1932 - Weimar in der Krise

Cover: 1932 - Weimar in der Krise

Frühjahr '32: Präsidentschafts-Wahlkampf. “Hitler will den greisen Amtsinhaber Hindenburg ablösen. Noch einer bewirbt sich. Der Chef der kommunistischen Partei, Ernst Thälmann. Er propagiert ein Sowjetdeutschland, nach Moskauer Vorbild. Hitler ist seinen Gegenspielern immer voraus. Ein hochmoderner Wahlkampf barbarischen Parolen O-Ton Egon Hanfstaengl (Sohn von Hitlers Pressechef) “Die Deutschlandflüge, das war die größte Neuerung, so dass der Hitler an einem Tag damals oft zweimal aufgetreten ist, vormittags und nachmittags, in Massenversammlungen in verschiedenen Städten Deutschlands. Hitler scheint allgegenwärtig – bis in die Wohnzimmer dringt seine Stimme vor. Wahlkampfreden auf Grammophonplatten. O-Ton Hitler: “Sie verwechseln mich immer mit einem bürgerlichen oder einem marxistischen Politiker, der heute SPD und morgen USPD und übermorgen KPD und dann Syndikalist. Wir haben ein Ziel uns gewählt und verfechten es fanatisch, rücksichtslos, bis ins Grab hinein.“ Hitlers Wahlkampf ein Gebräu von Angst und Hass - auf die geschundene Republik, die angebliche bolschewistische Verschwörung. - er beutet aus die Angst vor Armut und vor Arbeitslosigkeit. Fast 7 Millionen Menschen sind davon betroffen. Hitlers Aufstieg ist gekoppelt an die Furcht vor dem sozialen Abstieg. O-Ton Marion Gräfin Dönhoff (1932 Studentin) “Das war also mit Familie doch etwa ¼ der Bevölkerung; kriegten kaum Unterstützung. Ich hab’s mal jetzt vor ein paar Jahren nachgesehen. Ich glaube zehn Mark 50 pro Familie mit vier oder fünf Köpfen. Also alles hungerte“. Nicht nur die Arbeitslosen sind anfällig für radikale Parolen von rechts und links. Seit Anfang der 30er Jahre werden auch die Kommunisten immer stärker. Gemeinsam mit den Nazis nehmen sie die Republik von Weimar in die Zange. O-Ton Gräfin Dönhoff “Kein Mensch wußte was Demokratie ist, keine Ahnung und niemand war dafür. Alle hatten die Rechten haben gesagt das ist das Ende, das ist der Abgrund, in den uns die Linken, die Vaterlandslosen Gesellen uns stürzen wollen.“ Die demokratischen Parteien sind nicht in der Lage, der Krise Herr zu werden. Kanzler ohne Mehrheiten regieren am Parlament vorbei mit Notverordnungen. O-Ton Gräfin Dönhoff “Nirgends waren wirklich Leute, die für die Institution geschaffen wurden und auch ihr Leben einsetzten, oder auch nur ihre Reputation.“ Politik gemacht wird außerhalb der Institutionen – Mit Ränkespielen um den greisen Präsidenten Hindenburg. Adelige, Großgrundbesitzer, Deutschnationale Reaktionäre. Der andere Kampfplatz ist die Straße. Die großen Parteien halten sich halbmilitärische Organisationen. Es kommt zu erbitterten Zusammenstößen zwischen Kommunisten und Nazis. O-Ton Günther Schroeder, Augenzeuge “Sie sind ja auch mit Knüppeln und mit Gartenlatten, die sie von Zäunen gerissen hatten, aufeinander los. Also mit Wahlkampf hatte das nichts zu tun, das war ein kleiner Bürgerkrieg“ Verfall der öffentlichen Ordnung. Hitlers Parteiarmee, die SA, ist auf eine halbe Million Mann angewachsen. Putschgefahr. Ein letzter Versuch, das Chaos zu beenden. (Insert: Radio Berlin Datum ......1932????????) O-Ton im OFF: “...preußische Staatsregierung hat am heutigen Tage für das gesamte Staatsgebiet die SA verboten.“ Doch Hitlers Armee umgeht das Verbot – SA marschiert jetzt in weiß. Die Republik schaut ohnmächtig zu. Schließlich hebt Hindenburg das Verbot wieder auf. Der braune Terror geht weiter O-Ton – Günther Schroeder, Augenzeuge “Sie war ausgestattet mit Schaftstiefeln, Hosen Koppelschloß, Schulterriemen und Abzeichen – das hat damals ein Vermögen gekostet, aber die kriegten alle ihre Uniformen, das mußte ja irgendwie herkommen.“ Ein Helfer Hitlers, der Verleger Alfred Hugenberg. Er sammelt in Bad Harzburg Republik-Verächter, auch Bankier und Wirtschaftsführer. Zwar fließt mehr Geld in Hitlers Wahlkampfkassen, aber nicht genug. Die Partei hat ein Problem. O—Ton Bruno Hähnel, damals NSDAP “Die Finanzen der NSDAP waren vom ersten bis zum letzten Tag schlecht, so daß man die Aufnahmescheine eines neuen Parteigenossen zunächst zurückhielt und nicht nach München schickte, um diese ersten Monatsbeiträge am Ort einzukassieren, um wieder ein paar Mark zu bekommen.“ Und dennoch wächst die NSDAP genauso wie die Kommunisten, die dem Wahn vom Dritten Reich das Trugbild einer Rätediktatur entgegensetzen. Hat das Volk nur diese Wahl? O-Ton Marcuse, damals KPD “Es gab entweder ein Sowjetdeutschland oder ein nationalsozialistisches Deutschland, aber damals hat man gesagt, also die Kommunisten haben gesagt, wer Hitler wählt, wählt den Krieg“. Noch wählt das Volk den alten Hindenburg erneut zum Präsidenten. Doch die Kanzler, wie Papen, kommen und gehen. O-Ton von Weizsäcker “Man sah eben, es geht nicht einfach so weiter, sondern die Leute haben das Empfinden, es muß irgendetwas radikal neues geschehen.“ Zwei Mal noch werden Reichstagswahlen angesetzt. Im Juli und November. Jedes Mal das gleiche Schauspiel. Was ihn für allzu viele wählbar macht, ist nicht das Argument, es ist der Auftritt. O-Ton Gräfin Dönhoff “Die Leute glaubten an ein Wunderdoktor sozusagen, weil sie alle verzweifelt waren. Und da kommt einer, der mit großer Selbstgewißheit, der für andere, also nicht für mich, aber für andere eine hypnotische Fähigkeit hatte“ Die Fähigkeit zur Inszenierung – einstudierte Posen. O-Ton Gräfin Dönhoff “Der hat so wunderbar beschrieben, was er alles tolles machen wird, das die Leute mit einem gewissen Recht sich sagten, das ist unser Retter“ Illusionen . Aber alle Propaganda reicht zunächst nicht aus. Bei den Reichstagswahlen im November verliert die NSDAP über 2 Millionen Stimmen. Hitlers Stern im Sinken? Alle Aufpeitschung der Massen, aller rednerischer Aufruhr hätten Hitler nicht zur Macht verhelfen können. Die erhielt er erst durch das Versagen jener Kräfte, die die kranke Republik beschützen sollten. Drohungen am Ende eines Krisenjahres O-Ton Hitler “Sie können uns unterdrücken, sie können uns meinetwegen töten, aber kapitulieren werden wir nicht“. Hitler braucht sich einer wirklich freien Wahl nie mehr zu stellen. Andere Republik-Verächter werden ihn zur Macht verhelfen.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
0:00 min
Schlagworte
1932, Weimar, Weimarer Republik, Arbeitslosigkeit, Nationalsozialismus, Adolf Hitler, Deutsches Reich, NSDAP, Machtergreifung, Ermächtigungsgesetz, Putsch, Demokratie, Diktatur, Diktator, Hindenburg, Reichskanzler, Reichspräsident, Histoclips

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