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1924 - Stalins Griff zur Macht

Cover: 1924 - Stalins Griff zur Macht

Trauer bei den Sowjets. Ihr Führer Wladimir Illjitsch Lenin ist tot. Der Nachfolger steht schon bereit Der Tod macht den Revolutionär zur Ikone. Auf einer Datscha in Gorki stirbt nach vier Schlaganfällen jener Mann, der Russland in die rote Diktatur gestürzt hat. Am Ende war er hochgradig verkalkt. Den ganzen Tag über hatte er Krämpfe, die immer schlimmer wurden. Er reagierte auf niemanden mehr. Die verzweifelten Bemühungen der Ärzte, sie retten den Totkranken nicht. Es ist der 21. Januar 1924. Im ganzen Dorf hat sich die Nachricht sofort verbreitet: Lenin ist gestorben, Lenin ist gestorben. Wer laufen konnte, lief dorthin. Gestorben ist ein blutiger Tyrann, der Millionen den Tod gebracht hat. Viele dieser Trauernden jedoch, sie glauben an den Mythos vom gütigen Vater des Sowjetvolkes. Ich habe mich mit meinem Bruder geschlagen, weil wir nur ein Paar Winterstiefel hatten. Das ganze Dorf war auf den Beinen (weint). Lenin war ein guter Mensch. Das Trauer-Spiel ist inszeniert. Stalin heißt der Regisseur. Er nutzt den Totenkult für seine Zwecke. Lenins Tod war die Geburtsstunde von Stalin, dem Diktator. Jetzt erst konnte Stalin seine Führung festigen und zu dem Mann werden, den wir kennen, den Tyrannen der 30er Jahre. Tatort Roter Platz. Der Tyrann treibt Kult um seinen Vorgänger, lässt ihm ein Mausoleum bauen. Lenin aufgebahrt als Gott der Roten Revolution. Stalin feiert sich als einzig legitimen Nachfolger - und handelt danach. Der Zweck heiligt die Mittel - das galt für Lenin wie für Stalin. Stalin führte fort, was Lenin angefangen hatte. November 1917: Der Staatsstreich der Bolschewiki ist das Werk Lenins. Er allein treibt die zaudernde Partei zum bewaffneten Aufstand. Die Propaganda macht später Stalin zum Anführer des Putschs - immer an der Seite des Idols. Tatsächlich geschah in dieser Nacht etwas ganz anderes. Stalin war bei Freunden zu Besuch. Er trank Tee und erzählte georgische Witze. Das war seine wahre Rolle während der bolschewistischen Revolution. Stalin laviert. Als Redakteur der Prawda propagiert er mal die eine, mal die andere Strategie zum Umsturz. Sehr zum Ärger Lenins, doch was ihn so brauchbar macht für den: Stalin ist ein Mann fürs Grobe. "Alle waren sehr geradlinige Menschen, alle außer Stalin. Der war charakterlos und unberechenbar. Er benahm sich wie ein Großwesir." Im Land herrscht Bürgerkrieg. Bolschewiken gegen Zarentreue. Rote gegen Weiße. Ein Krieg auf dem Rücken des Volkes. Um die Sowjetmacht zu sichern, braucht Lenin Befehlsempfänger, Funktionäre für den Terror, Männer wie Stalin. Gegner werden zu Volksfeinden erklärt. Mönche und Popen ermordet, Bauern, die Kulaken in den Hungertot getrieben oder in die Lager. Lenin war der Vater des Roten Terrors. Das muss man heute klar sagen. Lenin hat mit diesen Dingen angefangen. (6:46) Lenin ist der Schreibtischtäter. An der Front jedoch ist er ein besonders williger Vollstrecker. Stalin, der Georgier, der brutale Funktionär des Schreckens ohne Skrupel. Es ging schließlich um die Errichtung einer neuen Macht, die ja nicht zufällig Diktatur des Proletariats hieß. Hier brauchte man eine eiserne Faust. Stalin war kein Fliegengewicht, im Gegensatz zu Bucharin oder Kamenew. Die waren dafür zu weich. Doch er war eisenhart. Das Land verödet und die Menschen hungern. Fünf Millionen Russen sterben. Weiß der Urheber des Leidens noch, was er tut? Zwei Schlaganfälle haben Lenin längst zum Pflegefall gemacht. Über ihn und seine Ärzte wacht nun Stalin. Und der nutzt die Gunst der Stunde. Der Georgier will Lenin beerben, wird Generalsekretär der Partei. Stalin hatte die Parteifunktionäre im Land für sich gewonnen. Sie verehrten ihn. Die alte Leninsche Garde blieb unter sich. Sie spielte keine Rolle mehr. Lenin spürt, dass Stalin alle Macht für sich will. Doch nach seinem dritten Schlaganfall kann er kaum noch sprechen. Lenin stand bereits mit einem Bein im Grab, und Stalin stieß ihn endgültig hinein. Das war sein Weg zur Macht. Mit letzter Kraft diktiert Lenin sein politisches Testament. Er warnt vor Stalin, fordert seine Ablösung und lobt den alten Kampfgenossen Trotzki. Lenins Sekretärin hinterbringt Stalin den geheimen Inhalt der Briefe. Nadjeschda Allilujewa war nicht nur Leiterin des Sekretariats von Lenin. Sie war auch Stalins Ehefrau. So konnte Stalin das Dokument für den Parteitag nach seinen Wünschen umschreiben. 13. Parteitag: Das redigierte Testament wird verlesen. Der Fälscher wird als Erbe gefeiert. Stalin verlagerte die Macht aus den Staats- in die Parteiorgane. Dann machte er Zentralkomitee und Politbüro zu Handlangern seiner Diktatur. Schon gleich nach dem Tod Lenins begann er, sich an Lenins Mitstreitern zu rächen. Und macht sich selbst bald zum Ersatzgott seiner Roten Tyrannei. Personenkult um einen Mörder des Jahrhunderts.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:10 min
Schlagworte
1924, Stalin, Lenin, Rußland, Kommunismus, Bolschewiken, Anton-Antonov Ovseijenko, Jurij Buranov, Stalinismus, UDSSR, Sowjetunion, Russland, Diktatur, Diktator, Histoclips

Sachgebiete

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