1909 - Stimmrecht für Frauen!
Frauenhände schlagen zu. In England beginnt der Kampf gegen den Mann. Massenkundgebung in London: Seit über 40 Jahren fordern Frauen hier ihr Stimmrecht. Ohne Reaktion im Männer-Parlament, das nicht einmal Notiz von einer landesweiten Petition nimmt. Jetzt gehen sie auf die Straße. O-Ton Anna Stott (Suffragette) Man kann sich nicht vorstellen, wie furchtbar es war, für weniger wert gehalten zu werden als die eigenen Brüder oder der Ehemann, nur, weil man eine Frau war. Nicht etwa, weil man dumm war oder faul, nur, weil man weiblich war, wurde einem Respekt verweigert. Die Frau um die Jahrhundertwende: Sie soll schön sein und dem Manne untertan. Erfüllung findet sie erst in der Ehe. Zum Wählen viel zu schade. Politik ist schlüpfrig und verdirbt die Anmut. In ihrem Lebensraum ist Frau so eingebunden wie in ihr Korsett. Geschnürt auf 48 Zentimeter Taille. Als sie es ablegt, holt sie erst mal Luft. Woher sie will. Der Prototyp der neuen Frau hebt ab, ist auf dem neuesten Stand der Technik und beginnt zu demonstrieren für ihr Wahlrecht. Zunächst freundlich, sittsam - mit weiblichen Mitteln. O-Ton Alice Schwarzer (Feministin) Frauenkämpferinnen sind ja meistens schöner als der Schnitt der Frauen, darüber habe ich eine These, wenn man hinkt, kann man gleich die Klappe halten das ist so Rosa Luxenburg konnte es sich gar nicht leisten zu Frauenrechten etwas zu sagen, weil da jeder gleich sagte, ja da kucke da. Also und speziell diese Pankhurstfamilie ist ja strahlend schön. Emmeline Pankhurst, die Leitfigur der Suffragetten. Sie beschwört die Frauen, nicht mehr nur zu bitten, sondern zu verlangen. Symbol der neuen Bewegung: Der nach oben gerichtete Pfeil. O-Ton Miss Kathleen Helpen (Suffragette) Die Anhängerinnen der Pankhurst waren militant. Sie brachten zum Beispiel im Hyde Park Pferde zum Stolpern oder warfen Scheiben ein. Doch sie waren nur solange militant bis sie das Wahlrecht bekamen. Emmeline gründet die womens social and political Union als Keimzelle des Widerstands, der bestens organsiert ist. Werbeparolen, Ort und Zeit der nächsten Massen- demonstrationen werden auf Gehwege geschrieben, die Kommunikation zwischen den Mitstreiterinnen funktioniert optimal. Um sich zu schützen, vermummen sich die Suffragetten. O-Ton Alice Schwarzer Es scheint so, dass sie zu Beginn des Jahrhunderts die Orginellsten waren im Widerstand, die Mutigsten und Orginellsten und wahrscheinlich die Protestform des Jahrhunderts, auch der Linken weltweit, mit geprägt haben. Aber das weiß niemand mehr, das sagt niemand mehr, also man tut den Frauen noch nicht einmal im Kampf, in der Revolte, die Ehre an, die ihnen gebührt. Flammen für die Frauenrechte: Der Kampf eskaliert, als die Männer im Parlament die Forderungen nachhaltig blockieren. In ganz England brennen Suffragetten Häuser und Kirchen nieder. Doch sie achten darauf, dass niemand verletzt wird. Die Staatsmacht reagiert brutal: Hunderte werden verhaftet, darunter Emmeline Pankhurst. Dramatische Aktion bleibt ihre einzige Wahl: Tagelang ketten sie sich an die Gitter vor dem Parlament, um auf ihre Sache hinzuweisen. Aufmerksamkeit um jeden Preis. Doch erst eine Tragödie bringt den Suffragetten den ersehnten Durchbruch. 1913 während eines Pferderennens. O-Ton .Anna Stott (Frauenrechtlerin) Emily Davison war es. Sie ging zum Rennen in Epson und warf sich vor das Pferd des Königs. Es war ein Opfer, um den Suffragetten Gehör zu verschaffen. Text: Die Frauenrechtlerin liegt schwerverwundet auf der Rennbahn. Fünf Tage später stirbt die Lehrerin an ihren inneren Verletzungen. Der Tod der Suffragette sorgt für Anteilnahme - im gesamten Empire, Frauen und Männer in Trauer vereint. Jetzt fordern Frauen immer radikaler ihre Rechte. Fast täglich werden Suffragetten abgeführt und vorgeführt. Sie glauben keine Wahl zu haben, wollen sie ihr Ziel erreichen. Notfalls über das Gefängnis. O-Ton Alice Schwarzer Diese Frauen speziell, kamen ja zum Teil aus privilegierten Verhältnissen, das heißt, der Vater war privilegiert, der Bruder, der Ehemann, aber sie selber waren ja als Frauen völlig rechtlos, besitzlos und rechtlos, die Männer hatten ein Prügelrecht- und Vater Staat nahm sich das nun auch. Mit dem Ersten Weltkrieg brechen solche Fronten auf. Frauen schmücken ihre Männer für die Schlacht. Burgfrieden - zwischen den Geschlechtern. Über dem Stimmrecht steht auch für die Suffragetten Englands erstmals die Nation. Frauen an der Heimatfront - zunächst nur akzeptiert als Pflegepersonal, doch bald schon kommt die Rüstung ohne sie nicht aus. Frauen bauen Bomben und Granaten, mit denen sich die Männer an den Fronten umzubringen suchen. Nie zuvor in einem Krieg waren Männer so von Frauen abhängig. Das Morden ist zu Ende und die Sieger feiern. Sieg auch für die Frauen. England 1919: Sie gehen zum ersten Mal in ihrem Leben wählen misstrauisch beäugt. Im Land der Suffragetten aber bleibt ein Wehrmutstropfen. O-Ton Miss Kathleen Helpen (Suffragette) Zuerst mal konnten Frauen nur wählen, wenn Sie über 30 waren oder wenn sie eigenen Besitz hatten. Das war natürlich Unsinn, nur bei eigenem Besitz. Für Deutschland endet der Krieg mit einer Niederlage. Der Umbruch von der Monarchie zur Republik - er bringt den Frauen dennoch einen Sieg. Das freie gleiche und geheime Wahlrecht für alle.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:12 min
- Schlagworte
- 1909, Emanzipation, Gleichberechtigung, Suffragetten, Frauenwahlrecht, Wahlrecht für Frauen, 100 Jahre, Erster Weltkrieg, Alice Schwarzer, Histoclips
Sachgebiete
Für Vorschau, Merkliste und Kaufoptionen aktivieren Sie bitte JavaScript. Informationen zum Erwerb finden Sie in der Kaufanleitung.