1907 - Der Magier und die Zarin
Viele Menschen schliefen, als die Erde bebte. Tausende sind unter den Trümmern begraben. Immer wieder stoßen Rettungstrupps auf Überlebende und sind oft ohnmächtig. (breit lesen) Das war das schlimmste, was ich je gesehen habe. In einem Hauseingang waren eine Mutter und ihr kleiner Sohn eingeklemmt. Man hat die beiden da nicht herausbekommen. Das Feuer kam immer näher. Da nahm die Mutter ihr Kind, das war vielleicht sieben Jahre alt, und schlug den Kopf immer wieder auf das Pflaster. Es sollte wenigstens die Flammen nicht mehr spüren. Man konnte ihnen einfach nicht helfen. Das Feuer wütet mehrere Tage. Viele Menschen fliehen auf die Hügel vor der Stadt. Auch die Mutter von Cora Lucetti schließt sich mit ihren Kindern dem Zug der Obdachlosen an. Coras Vater wird vermisst. Wir standen oben und sahen die ganze Stadt in Flammen. Dort haben wir übernachtet und die ganze Zeit flogen verbrannte Papierfetzen zu uns hinauf. Weltweit Entsetzen über das Beben. Die Bergungstrupps suchen weiter nach Überlebenden und machen schaurige Entdeckungen. Plünderer sind unterwegs. Den toten Frauen nahmen sie die Eheringe weg. Sie schnitten gleich den ganzen Finger ab. Da kommt die US-Kavallerie: Im Gepäck den Schießbefehl des Bürgermeisters und ihres Generals. Sie sorgen strikt für Ordnung. Die Armee machte kurzen Prozess. Plünderer wurden erschossen, ihre Leichen ins Feuer geworfen. Dutzende Exekutionen. Fast 3000 Menschenleben fordert das Beben. In den Parks der Stadt werden sie notdürftig verscharrt. Ruhe finden sie nicht. Hunde streunten durch die Stadt. Die hatten auch Hunger. Der Geruch der Leichen zog sie an und sie wühlten sie aus der Erde. In einem der Flüchtlings-Camps wartet Cora Lucetti noch immer auf ihren Vater. Eines Nachmittags fährt sein Wagen die Straße entlang. Der Wagen kam auf uns zu, doch ein anderer Mann lenkte ihn. Meine Mutter brach zusammen. Vater ist was zugestoßen, sagte sie. Er ist dort unten umgekommen. Zehn Tage nach dem großen Beben rollt das erste Cable Car in das Zentrum der Stadt. San Francisco ist wiedererstanden. Die Bahn fuhr die Marketstreet runter und das war ein Signal. Die Stadt hat überlebt. Die Bürger bauen ihre Stadt wieder auf, schöner, größer und laden die Welt zu sich ein. San Francisco ist Gastgeber der Weltausstellung 1915. Das große Beben ist Geschichte doch die Traumstadt am Pazifik lebt mit der Gefahr: Ein solches Beben, ein big one, kann jederzeit wieder geschehen. Sein Talent: ein hypnotischer Blick. In St. Petersburg gerät der Wanderprediger in höchste Kirchenkreise, die von seiner Aura profitieren wollen. Russland. Riesenreich voller Gegensätze. Zar Nikolaus nimmt sie nicht wahr. Das Volk ist arm und unzufrieden. Hungerrevolte, Petersburger Blutsonntag. Hunderte von Menschen sterben. Der Zar regiert mit harter Hand. Seine Frau Alexandra, eine deutsche Prinzessin, lebt in einer religiösen Scheinwelt. Xenia Sfiri, Enkelin des Rasputin-Mörders Als sie dann zum orthodoxen Glauben überwechselte, wurde sie päpstlicher als der Papst. Sie wurde noch religiöser. So etwas führt zum Spiritismus, und man verirrt sich geistig. Sie war das ideale Opfer für all diese Scharlatane und Mystiker. Sie war das Opfer. Und nicht das erste - hier am Zarenhof. Der faszinierende Exot trinkt Tee mit Zar und Zarin, erschleicht sich ihr Vertrauen. Beeindruckt schreibt der Zar ins Tagebuch: "Ein Mann Gottes". Der hilft dem kranken Thronfolger, der immer unter Aufsicht steht. Und nicht nur der Zarewitsch ist Patient. Edvard Radsinskij, Rasputinforscher Er heilte auch die Seele der Zarin. Diese verwundete, nervöse, und besonders exaltierte Frau, die fühlte schon, was geschehen würde. In ihr lebte bereits die Katastrophe. Gerüchte gehen um in Petersburg. Ist Rasputin der heimliche Regent? Ein Wanderprediger, der wahre Herrscher Russlands.? Xenia Sfiri, Enkelin des Rasputinmörders Alles, was er tat, alles, was er sagte, war schlecht. Rasputin beeinflusste die Zarenfamilie, brachte sie dazu, Minister auszuwechseln. Er mischte sich in ihr gesamtes Leben ein. Daran war nichts Gutes. Der Schein-Heilige wird bewundert und bespitzelt. Ein ausschweifender, trunksüchtiger Wüstling, heißt es in den Polizeiberichten. (ironisch und distanziert lesen) Er sei ein sexbesessener Scharlatan, ein skrupelloser Hochstapler. Zar und Zarin ignorieren alle Warnungen. Erster Weltkrieg. Nach ersten Siegen gibt es nur noch Niederlagen für die russische Armee. Die Monarchie kämpft um ihr Überleben. Rasputin will mitreden. Die Zarin übermittelt ihrem Gatten: "Unser Freund segnet Dich und verlangt aufs dringendste, daß am gleichen Tag an der ganzen Front eine religiöse Prozession durchgeführt werden soll. Unser Freund hatte wieder eine nächtliche Vision." Doch mit Prozessionen ist das Reich nicht mehr zu retten. Das Millionenheer ist längst am Ende. Die Zarin leistet Krankendienst. Dennoch Misstrauen. Spioniert die Deutsche für ihr altes Vaterland? Edvard Radsinskij, Rasputinforscher Damals glaubte man, die Zarin sei in militärische Geheimnisse eingeweiht gewesen. Tatsächlich sind einige ihrer Briefe überliefert, aus denen hervorgeht, dass der Zar sie um Rat fragte. Das nährte die Gerüchte, dass die Zarin diese Kenntnisse an Rasputin weiterleite, der diese wiederum den Deutschen preisgab. Gefährliche Gerüchte. Seine Feinde sehen in Rasputin den Dämon, der das Land ins Verderben stürzt. Sie wollen ihn beseitigen. In Petersburg Palast wird das Mordkomplott geschmiedet. Drahtzieher ist Fürst Jussupov. Xenia Sfiri, Enkelin von Fürst Jussupov Er war überzeugt, Rasputin verkörpere das Böse schlechthin. Er sagte: Beseitigt ihn zum Wohle Russlands. Beseitigt ihn zum Wohle der Krone. Dezember 1916. Rasputin erhält die Einladung zu einem "Herrenabend". Ein erlauchter Kreis: Felix Fürst Jussupov Großfürst Dmitrij Pavlovitsch, Neffe des Zaren. Der Abgeordnete Wladimir Purischkevitsch. Der erste Versuch: vergifteter Wein. Xenia Sfiri, Enkelin von Fürst Jussupov Die Zeit verging und nichts passierte. Mein Großvater war entsetzt, weil das Zyankali offenbar nicht wirkte. Fürst Jussupov greift zum Revolver. Die Sache scheint erledigt. Xenia Sfiri, Enkelin von Fürst Jussupov Doch als mein Großvater sich über ihn beugte, packte ihn der Totgeglaubte an der Gurgel. Der Schwerverletzte schleppt sich in den Hof. Jetzt schießt Purischkewitsch. (Schuß steht frei) Das Opfer werfen die Verschwörer in die eisige Neva. Drei Tage später wird die Leiche gefunden. Laut Autopsie starb Rasputin weder am Gift noch an den Kugeln - er ertrank. Nikolaj Romanov, Großneffe des Zaren Alle waren froh, dass er tot war. Alle waren froh, dass man diesen Menschen los war. Der Mord verhindert nicht den Untergang der Monarchie. Im März 1917 wird der Zar zur Abdankung gezwungen. Sein Herrscherhaus, vom Bann des "schwarzen" Magiers befreit, wird von der "roten" Revolution hinweggerafft.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:10 min
- Schlagworte
- 1907, Rasputin, Romanov, Zar, Rußland, Nikolaus II., Zarin Alexandra, St. Petersburg, Erster Weltkrieg, 100 Jahre, Histoclips
Sachgebiete
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