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1965 - Beatlemania

Cover: 1965 - Beatlemania

Acht Monate später: Die Beatles in Deutschland. Ausnahmezustand in München. Die Polizei gibt sich alle Mühe, die Schäden der Käferplage in Grenzen zu halten. Lorenz Niedermeier, Zugführer Polizei München Zuerst hab ich immer erwähnt: Ruhe bewahren. Wir haben doch gewusst, wenn also die Kameraden auftreten, dass das was besonderes ist, dass da also schon eine gewisse Hektik bei den jungen Menschen, bei den Zuschauern da vorkommt. Eine Untertreibung. Tausende jugendlicher Fans verfallen schon vor dem Hotel der Beatles in Hysterie. Kameraleute der Polizei drehen diese nie gezeigten Farbaufnahmen. „Beatlemania“ in München. Raimund Wagner, Beatles-Fan und Musiker Da geht was ganz, ganz Großes ab. Man wird in einer Menge irgendwo hingeschoben, und man freut sich einfach nur. Es war ein gigantisches Gefühl der Freude, dabei sein zu können. Viele sehen die Beatles zum ersten Mal. Die Band kennt Deutschland gut. Sechs Jahre zuvor beginnen sie in Hamburg ihren Aufstieg aus den Hinterhöfen des Showgeschäfts. In ihrer Heimat Liverpool eine Band von vielen, werden sie in den Clubs der Reeperbahn zu kleinen Stars. Astrid Kirchherr, Beatles-Fotografin Das besondere war ihre Ausstrahlung und ihre Individualität. Und sie sahen verteufelt gut aus, jeder für sich. Eigentlich das, was ich immer fotografieren wollte. Nicht zum letzten Mal werden die Beatles zum Kunstobjekt. Astrid Kirchherr fotografiert die Band und verpasst ihnen einen Haarschnitt, der nicht nur eine Generation aus der Facon bringt. Der Pilzkopf. Ihre Auftritte bleiben ungekünstelt. Die Beatles zu Beginn der 60er Jahre. Astrid Kirchherr, Beatles-Fotografin Ich war einfach atemlos von ihrer Präsenz, dieser Bühnenpräsenz. Ihr Merseybeat, der Sound aus Liverpool, bringt Kellermauern zum Vibrieren. Raimund Wagner, Beatles-Fan und Musiker Das ist ja gigantisch, das sind ja völlig neue Klänge. „My Bonnie“. Die Beatles mit Tony Sheridan. Die erste Platte floppt – und doch wird sie gehört. Von diesem Plattenhändler. Ein Klassik-Freund. Aber ein Mann fürs Geschäft. Brian Epstein. Hunter S. Davies, Beatles. Biograph Brian machte die Jungs schick. Er verbot ihnen, auf der Bühne zu rauchen und Kaugummi zu kauen. Sie mussten pünktlich sein. Und keine abgerissenen Klamotten mehr. Die Beatles wurden vorzeigbar, sie sahen alle gleich aus; Brian machte sie zu einer Marke. Derart windschlüpfrig, sind sie jetzt ganz schnell ganz oben. Jedermanns Lieblinge – vor allem der Journalisten. - bitte freistehen lassen - Ihre Songs erobern die Charts, die vier Jungs aus Liverpool erobern die Fans – vor allem die weiblichen. Ein Virus, der geschickt von Land zu Land getragen wird. Eine Hysterie. Christel Beyl, BRAVO-Mitarbeiterin Es war ja ein so unglaublicher Rummel, man kann sich`s heute gar nicht mehr vorstellen. Ich glaube, so was gibt es heute überhaupt nirgends, nicht mal bei Michael Jackson. So was gibt es einfach nicht mehr. Die ganze Stadt, wo immer die hinkamen, ist einfach ausgeflippt. Die Leute, egal welcher Altersstufe, waren einfach in der Beatlemania. Jeder wusste, da ist was Irres passiert, da kommen irgendwelche - Götter. Zumindest feiern die Beatles einen überirdischen Erfolg. Ihre Songs treffen den Nerv einer Generation, die den Schmalz des amerikanischen Schlagers satt hat. Die Mädchen verlieben sich, die Jungs kopieren das Image der Fab Four: Vorstadtjungs, die mit Beatmusik die Welt erobern. Vorbilder für einen Fünfzehnjährigen, der jetzt auch eine Band gründet: The Rebels. Raimund Wagner, Musiker und Beatles-Fan Man wollte ganz einfach auch so sein, auch so leben, wenn man auch viele Dinge, die die Beatles eben konnten, sprich: sich die Haare lang wachsen zu lassen, immer die tollsten Klamotten zu tragen – das war uns natürlich nicht vergönnt. Die haben ne tolle Anlage gehabt, wir mussten uns jede Gitarre, jeden Verstärker, jedes Mikrofon ausleihen, und da ging unser Honorar eines Abends drauf. Aber das war vollkommen wurscht. Uns hat die Musik gefallen, uns haben die vier Jungs gefallen, und wir wollten auch so sein. Oktober '65: Ein Orden für die Beatles. Schließlich sind sie Englands Exportschlager. 100 Millionen Mark haben sie bis dahin allein der Steuerkasse beschert. Die Queen war amused, die Beatles auch. Königlicher Lohn für einen Kassenschlager . Christel Beyl, BRAVO-Mitarbeiterin Wenn die zehn Jahre vorher gekommen wären, wären sie vielleicht gar nicht erfolgreich gewesen. Die Zeit war reif. Und die haben diese Rolle einfach perfekt erfüllt – und haben`s gut gemacht. 24. Juni '66: Die Beatles spielen wieder in Deutschland. Nicht in kleinen Clubs – jetzt in Arenen wie dem Circus Krone in München. 6000 Fans warten auf das Konzert – für viele der größte Moment ihres Lebens. Raimund Wagner, Beatles-Fan und Musiker Ich kam das erste Mal dahin, und ich weiß, es war gigantisch. Es war ein Auflauf, wo ich mir gedacht hab: Mensch, das ist ja das Größte überhaupt. Ich bin aus der Gänsehaut nicht mehr rausgekommen. Allein schon das Drumrum. - bitte freistehen lassen - Raimund Wagner, Beatles-Fan und Musiker Als die Beatles dann auf die Bühne kamen, war es das wahre Inferno. Man hat nichts mehr gehört, außer natürlich irgendwo das Wummern der Musik. Aber im Grunde genommen: Es ging alles in einem unglaublichen Kreischen unter. 17.15 Uhr. Sie sind da. Die Polizeibeamten, jugendgerecht in weiße Hemden gekleidet, sollen die Bühne beschützen. Das ist der Ernstfall Lorenz Niedermeier, Zugführer der Münchner Polizei In dem Moment, wo die Bühne gestürmt wird, is ja aus. Man bringt ja nicht 50 oder 100 Mädchen oder Jungens so schnell wieder von der Bühne runter. Die klammern sich ja fest, an den Instrumenten, an den Beatles. An allem. Ja, wahnsinnig. Beatlemania in Farbe. Polizeibeamte drehen während des Konzerts für einen Lehrfilm. Und zeigen, wie vier junge Männer ein paar tausend Fans rasend machen – ganz entspannt. Christel Beyl, BRAVO-Mitarbeiterin Also, ich hab einfach nur gesehen, wie alles vibriert hat. Vorne der Zuschauerraum war ohnehin kurz vor der Explosion. Für die Band ist dieses Konzert reine Routine. Die Fans ahnen nicht, dass die Beatles hier eines ihrer letzten Konzerte geben. Die Verehrung hat ihren den Preis – den Spaß an den Konzerten. Live-Auftritte – das war „Yesterday“. Hunter S. Davies, Beatles-Biograph Das Publikum hat sie doch vor lauter Geschrei kaum verstanden. Sie waren in Hotels eingesperrt oder im Flugzeug unterwegs. Sie hatten die Nase voll. Sie wünschten sich, es würde bald vorbei sein. Der Morgen danach. Die Beatles auf dem Weg zu den nächsten Konzerten. Essen, dann Hamburg. Zurück zu den Wurzeln, auf einer Abschiedstournee. Raimund Wagner, Beatles-Fan und Musiker Idole sind halt – die kommen und gehen, wenn man so will. Bei den Beatles ist es so, dass aus den Idolen dann auch ein Ideal geworden ist. Die Musik der Beatles wird für meine Begriffe nie aussterben. Die Fab Four schreiben nicht nur Musikgeschichte. Für viele ihrer Fans sind sie eine Liebe fürs Leben.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:13 min
Schlagworte
1965, Queen Elisabeth II., John Lennon, Ringo Starr, Paul McCartney, George Harrisson, The Beatles, Musik, Astrid Kirchherr, Hunter Davis, Thomas Beyl, Christel Beyl, Lorenz Niedermeier, Raimund Wagner, Rock, Pop, München, Deutschland, 100 Jahre, Histoclips

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