Tokioter Kriegsverbrecherprozess - Die Eröffnung
3. Mai 1946: Vor der Eröffnung des Hauptkriegsverbrecherprozesses in Tokio durchsucht amerikanische Militärpolizei die Zuschauer. Die Amerikaner misstrauen jedem Japaner. Noch im Juni 1945 hatte eine Umfrage ergeben: 82% aller Amerikaner hielten die Japaner für grausamer als die Deutschen, trotz aller Enthüllungen über die Schrecken der deutschen Vernichtungslager. Für die Mehrheit der Amerikaner sind alle Japaner "gelbe Teufel". Amerikas öffentliche Meinung fordert härteste Bestrafung für die japanischen Kriegsverbrecher. Das internationale Militärtribunal für den Fernen Osten tagt im Gebäude des früheren Kriegsministeriums in Tokio. Hier, wo die Kriege des Achsenpartners Japan geplant wurden, sollen die Aggressoren gerichtet werden. Acht Monate hat die Anklagebehörde gebraucht, um aus der japanischen Führungselite diejenigen auszuwählen, die als Hauptkriegsverbrecher gelten sollen - und die Anklage vorzubereiten. Wie in Deutschland haben mehrere der Beschuldigten sich vorher selbst umgebracht. 28 Angeklagte werden nun zur ersten Verhandlung geführt. Unter ihnen vier Premierminister, fünf ehemalige Kriegsminister, vier Außenminister, drei Innenminister, zwei Marineminister, zwei Generalstabschefs. Unter dem Arm tragen sie die Anklageschrift, sauber gebündelt und verschnürt, die sie der Verschwörung gegen den Frieden, des Mordes an Millionen Menschen schon ab 1928 beschuldigt. Dies sind nicht wie in Deutschland, beim Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, die Überlebenden einer politischen Seilschaft, die zwölf Jahre der Diktatur an der Macht blieben - diese Männer sind eine bunte Auswahl aus wechselnden Regierungen, wechselnden Epochen mit unterschiedlichen politischen Auffassungen. Die Angeklagten hatten erst zwei Tage vor dieser Eröffnung des Verfahrens zum ersten Mal mit ihren Verteidigern sprechen dürfen, vorher waren sie monatelang nur von der Anklagebehörde verhört worden. Für die Filmaufnahmen sind im ehemaligen Unterrichtssaal des Kriegsministeriums überhelle Deckenleuchten eingebaut worden, für die prominenten Zuschauer 200 Theatersessel - Urteil der Presse: "Wie bei einer Hollywoodpremiere". Zunächst waren nur neun Richter aus den am Krieg gegen Japan beteiligten Staaten vorgesehen, aus den USA, Großbritannien, Kanada, Australien, Neuseeland, Frankreich, den Niederlanden, der Sowjetunion und China. Nachträglich wurden noch zwei weitere, farbige Richter zur Teilnahme eingeladen: Aus den Philippinen und aus Indien, beide zur Zeit des Krieges abhängige Kolonien der Amerikaner und Engländer. Die Sowjetunion, vertreten durch Generalmajor Sarajanow, hatte sich am Krieg gegen Japan nur in den letzen sieben Tagen beteiligt. Der Sowjetrusse, ganz rechts, wie der französische Richter spricht übrigens keine der beiden Verhandlungssprachen - englisch und japanisch. Wie in Nürnberg ist die Richterbank international zusammengesetzt, elf Nationen, aber alles andere machen die Amerikaner allein. Der Ankläger, Joseph Keenan, hat sich in den 30er Jahren in Amerika einen Namen in der Bekämpfung der Gangsterbanden gemacht. Auch die Japaner sind für ihn nichts anderes als Gangster. Die meisten Mitglieder der Anklage kommen aus dem Bundeskriminalamt FBI, kaum einer spricht japanisch, kaum einer weiß etwas über die Geschichte, Wirtschaft, Mentalität der Japaner. Die Zusammenfassung der Anklage: "Die Verschwörung zwischen den Angeklagten, zu denen sich die Herrscher anderer Aggressorenstaaten gesellte, nämlich Nazi-Deutschland und das faschistische Italien, war sehr eng. Das Hauptziel dieser Verschwörung war es, die Beherrschung und Ausbeutung des Restes der Welt durch die Angreiferstaaten zu sichern. Zu diesem Zweck wurden Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit befohlen oder angeregt, wie sie in der Charta des Tribunals definiert werden". "Wie stellen die Angeklagten sich zu der Anklage?" Nach Meinung der Verteidigung weist die japanische Übersetzung so gravierende Irrtümer auf, dass manche Angeklagte die rechtliche Bedeutung vieler Einzelheiten gar nicht erfassen können. Alle erklären, wie hier General Hata, im Krieg Oberkommandierender in Nordchina auf die Frage: "Hata, bekennen Sie sich schuldig oder nicht schuldig?" "Hata bekennt sich nicht schuldig in allen Anklagepunkten".
- Anbieter
- Chronos-Media GmbH
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 0:00 min
- Schlagworte
- Tokio, Krieg, Weltkrieg, Zweiter, Hata, Keenan, Prozess, Verbrechen, Kriegsverbrechen, Menschlichkeit, Verschwörung, Urteil, Kaiserlich, Kaiserliche, Japan, Japanische, Armee, Militär, Tribunal, Schuld, Tod, Todesstrafe, Haft, , Histoclips
Sachgebiete
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