1979 - Die Macht des Ayatollah
4. November 79: noch weht in Teheran die amerikanische Flagge. Doch auch an jenem Morgen gehen die Studenten wieder auf die Straße, protestieren gegen den Erzfeind USA. Wir hatten große Angst. Wir waren überzeugt davon, dass die Amerikaner, die Sicherheitskräfte der Botschaft, auf uns schießen würden. Die Menschen in der Botschaft werden völlig überrascht. Zuvor gab es zwar immer wieder Proteste vor den Toren, aber keine Übergriffe. Ich schaute aus dem Fenster und sah, wie junge Iraner mit Khomeini-Bildern über die Mauer kletterten und versuchten durch das Tor der Botschaft zu gelangen. Es war der schrecklichste Tag meines Lebens. An diesem Tag werden Amerikaner zu Geiseln der islamischen Revolution. Sie begann ein Jahr zuvor - gegen die Herrschaft des von Amerika gestützten Schah. Der Schah galt immer als unser Mann im Iran. Der Iran, das war unsere Ölquelle, unser Kunde für militärisches Gerät und auf seine Art schützte uns der Iran vor der Sowjetunion. Nach innen regiert der Schah mit eiserner Hand. Amerika verschließt die Augen vor der blutigen Unterdrückung der Opposition, zu sehr schätzt Washington den harten Herrscher als Verbündeten. Ibrahim Yazdi, iran. Revolutionsregierung Viele Iraner machten vor allem die USA verantwortlich für die Verbrechen des Schah und seine Tyrannei. Der Gegenspieler des Schah lebt im Exil in Frankreich: Ayatollah Khomeini. Aus der Ferne dirigiert das geistliche Oberhaupt der Schiiten, den Volksaufstand mit Erfolg. Im Januar 79 kann das prowestliche Regime des Schah dem Druck der Straße nicht mehr standhalten. Der Herrscher flieht mit seiner Familie aus dem Land. In Teheran bereiten sich die Menschen in der selben Stunde auf die Heimkehr ihres Erlösers vor. Er wurde sehr bald zu einer Symbolfigur. Er hatte ein sehr starkes Gespür für die Massen auf der Straße, er verstand ihre Klagen. Wie sie lehnte er den Schah und jeden ausländischen Einfluss ab. Der krebskranke Schah sucht Beistand bei Freunden von einst. Nur widerwillig erlauben ihm die USA die Einreise zur Behandlung in einer New Yorker Klinik. Amerika, Beschützer des Schah, ist für Khomeinis Anhänger schon längst der große Satan. Die Botschaftsbesetzung war eine Reaktion auf das, was die Amerikaner getan hatten. Den Schah in die USA einreisen zu lassen, hatten wir als Provokation empfunden. Tausende fanatisierter Studenten stürmen das amerikanische Botschaftsgelände. Sie fordern Rache für die Untaten des alten Regimes. Sie dachten, sie würden zu Märtyrern. Als sie sich entschieden hatten, die Mauer zu erklimmen, da waren sie bereit zu sterben. Doch es kommt ganz anders. Die überraschten Botschaftsangestellten leisten keine Gegenwehr. Die Besetzer hatten automatische Waffen. Ich bat sie, mein Büro zu verlassen. Sie antworteten mir: Ich solle meinen Mund halten, ich sei nun ihr Gefangener. Aller Welt führen die Besetzer ihre Geiseln vor. Khomeini, heißt es, sei von all dem überrascht. Die Studenten hätten auf eigene Faust gehandelt. Wir haben sie in die Schlafräume und andere Zimmer gesperrt, so dass wir sie gut kontrollieren konnten. Die Männer wurden von den Frauen getrennt. Noch hoffen die Geiseln. Banges Warten Dann Psychoterror Ein Bewacher hielt mir seine Waffe an den Kopf und drohte mich auf der Stelle zu exekutieren, wenn ich nicht innerhalb von zehn Sekunden seine Fragen beantworten würde. Geheimdokumente in letzter Minute zerstört. Von den Studenten werden sie mühevoll wieder zusammengefügt. Brisanter Fund für die Gefolgsleute des Ayatollah. Im ganzen Land beginnt die Jagd auf die in den Geheimpapieren benannten Gegner des neuen Regimes. Viele bezahlen mit dem Leben. Khomeini hat die Geiselnahme in beeindruckender Weise dazu genutzt, die Macht in den Händen des Klerus zu festigen. Weihnachten 79 Amerika bangt um die Geiseln in der Teheraner Botschaft. Dort dürfen die Geiseln das Weihnachtsfest zwar feiern. Doch Hoffnung auf ein schnelles Ende ihrer Gefangenschaft machen sie sich nicht. Amerika empfand ein Gefühl der Schwäche. Aber gleichzeitig gab es uns auch ein Gefühl des Zusammenhalts wieder, das wir mit Vietnam verloren hatten: 10. April 1980 8 Hubschrauber der US-Marines starten von einem Flugzeugträger im Indischen Ozean zu einer wagemutigen Befreiungsaktion. Warten. Das Geiseldrama dauert nun schon hundertzweiundsiebzig Tage. Dann die Nachricht: Die Mission schlägt fehl. Auf dem Weg zum Einsatzort sind zwei Hubschrauber kollidiert. Acht Marines verlieren ihr Leben. Zur Entschuldigung der Aktion sagten die Amerikaner, es habe sich um einen humanitären Einsatz gehandelt. Tatsächlich war es ein Akt amerikanischer Aggression. September 1980: Irakische Truppen überfallen das Nachbarland Iran. Das blutige Kräftemessen am Golf bringt Bewegung in das Geiseldrama. Sie führten einen richtigen Krieg mit dem Irak. Plötzlich brauchten sie alle diplomatischen Kontakte, Waffen, all die Unterstützung, die sie bis dahin nicht für wichtig gehalten hatten. Nun brauchten sie alles dringend und auf der Stelle. Das bringt die Wende. Indes verliert Carter die Wahl und der Schah stirbt. Das Mullah-Regime sagt algerischen Vermittlern die Freilassung der Geiseln zu. Nach 444 Tagen ist das Drama zu Ende. Mit Folgen bis heute. Auf lange Sicht hat diese Krise dazu geführt, dass der Islam und besonders der Islam im Iran von uns als nahezu dämonisch angesehen wird. 8 Millionen Dollar Lösegeld und geheime Waffenhilfe (nochmal checken!!) für Khomeini sind der Preis für die Freilassung der Geiseln trotz alledem persönliche Genugtuung für einen abgewählten Präsidenten. (Mir ist offiziell mitgeteilt worden, dass das Flugzeug den Iranischen Luftraum verlassen hat,) ... und das alle 52 Geisel leben, gesund und nun frei sind. ... Frei von der Macht des Ayatollah, der aus einer Religion der Liebe, sagt ein früherer Weggefährte, eine Religion der Rache machen wollte. Sie sind ihr entronnen.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:17 min
- Schlagworte
- 1979, Iran, Islam, Teheran, Ayatollah Khomeini, Geiselnahme, Jimmy Carter, Präsident, USA, Schah, Abol Hassan Banisadr, Bruce Laingen, Michael Metrinko, Ibrahim Yazdir, Gary Sick, John Limbert, Barry Rosen, Nassar Hadian, Histoclips
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