1975 - Flucht aus Saigon
Der Abschiedssong ein Lied von Bing Crosby. Am Morgen des 30. April '75 sendet der amerikanische Radiosender in Saigon White Christmas- das Signal für die Evakuierung. Das Schlusskapitel des Krieges: Die letzten Amerikaner flüchten aus Saigon, was vielen Vietnamesen verwehrt bleibt. Vor den Toren der Botschaft drängen sich die Verzweifelten. Die Botschaft glich einer Insel im Meer des Chaos. Die Menschen brandeten gegen die Mauern wie eine wütende See. Amerika hat einen Krieg verloren aber seine einheimischen Helfer ihre Zukunft. Sie treibt panische Angst vor den vermeintlichen Befreiern. Wir waren so verzweifelt. Wir hatten so viel Angst. Wir fürchteten uns vor den Kommunisten. Flüchtlinge drängen in die Stadt. Der Einmarsch der Nordvietnamesen ist eine Frage von Stunden. Schon stehen sie vor den Toren der Stadt. Südvietnamesische Soldaten leisten letzte verzweifelte Gegenwehr. Wir haben natürlich an die Hilfe der Amerikaner geglaubt, unserer Verbündeten. Wir hätten nie gedacht, dass Saigon so schnell fallen würde. Zuerst fällt der Flughafen Saigon. Jetzt können nur noch Hubschrauber fliegen. Südvietnamesische Piloten stehlen sie und bringen ihre Familien auf eigene Faust zu den Schiffen der Siebten US-Flotte. Die Besatzungen der Flugzeugträger werfen eigene Helikopter über Bord, um Platz auf dem Landedeck zu schaffen. Hubschrauber von Air America, der CIA- Fluglinie flogen über der Stadt und versuchten, Leute von Hausdächern aufzusammeln. Aber das war alles nur improvisiert. Wir hatten keinen Plan zur Evakuierung. Eine Schar von 2000 Flüchtlingen hat sich in den Hof der US- Botschaft geflüchtet. Hier landen Helikopter noch regelmäßig. Doch es ist ein Wettlauf mit der Zeit. Zu wenige Hubschrauber, zu viele Menschen. Drinnen und draußen. Als die Leute sahen, dass die Helikopter flogen, wollten immer mehr über die Mauer klettern. Viele Flüchtlinge haben für die Amerikaner gearbeitet. Sie glauben, ihr Schicksal zu kennen, wenn Saigon fällt. Doch Amerika ist ein hilfloser Patron geworden. Wir haben Gott gespielt an diesem Tag. Alle: die Marines, die Leute von der CIA. Wir zogen nur die rein, die wir gerade mal so schnappen und festhalten konnten. Militärs und Zivilangestellte, CIA-Gehilfen und Prostituierte sie alle hatten auf Uncle Sam gesetzt, der jetzt das Land verlässt. Und sie wollen mit. Jeder kommt raus, hamm wir geglaubt. Keine Lüge. Jeder in der Botschaft, kommt raus. Keine Panik. Das Gelände bietet ein Bild der Verwüstung. Dokumente noch hastig vernichtet. Amerikas Geheimnisse - von Hubschraubern aufgewirbelt und verstreut. Wir verbrannten Dokumente, wir zerstörten Geld. Wir verbrannten etwa 4,7 Millionen in US-Währung. Geld, das für die vietnamesischen Botschaftsangestellten bestimmt war. Es wird Nacht in Saigon. Die Hubschrauber werden mit einem Diaprojektor zur Botschaft dirigiert. Im Hof haben die Amerikaner Autos aufgestellt, um mit den Scheinwerfern die Landezone zu markieren. Doch 400 Verzweifelte Menschen warten noch. Sie saßen dort, geduldig auf die Hubschrauber wartend. Und wir wussten, dass keiner mehr kommen würde. Wir haben sie verraten. Es war der Vietnam-Krieg im Kleinen. Großartige Absichten aber fehlerhafte Ausführung. Es war das einzige Mal in meinem ganzen Leben, dass ich mich schämte, Amerikaner zu sein. Washington. Die Welt hört eine andere Geschichte. Außenminister Henry Kissinger: Wir sind rausgekommen mit dem gesamten Personal, ohne Panik und ohne die beträchtlichen Verluste, die es hätte geben können, wäre die öffentlich Ordnung völlig zusammengebrochen. Doch dann erfährt Kissinger, dass die Nachhut der Marines noch immer in der Botschaft ist. An sie hat niemand gedacht. Es gab keine Hubschrauber mehr. Wir saßen da und mir wurde klar, dass hier noch elf Männer waren und es gab keine Flüge mehr. Wir hatten keine Ahnung, ob wir hier je rauskommen. Die Marines ziehen sich aufs Botschaftsdach zurück. Als wir uns dorthin zurückzogen, kamen die Menschen über die Mauer. Wir wollten diese Menschen nicht verletzen, aber wir ließen sie zurück. Es gab keinen Mann in meiner Truppe, dem nicht klar war, dass Amerika vor seinen Verpflichtungen davonlief. Die letzten 11 Marines, die letzte Zuflucht auf dem Botschaftsdach. Dann kommt die Rettung wenigstens für sie. Genau um sieben Uhr achtundfünfzig tauchte aus der Sonne dieser einsame Hubschrauber auf. Als wir den Vogel sahen, wussten wir, wir kommen raus. Um kurz nach 8 Uhr morgens verlassen die letzten Amerikaner Vietnam. Wir spürten den historischen Moment dieses letzten Fluges. Wir hatten gerade das Licht ausgemacht, das amerikanische Engagement in Südostasien beendet. Das hat uns bewegt. Auf den Straßen herrscht Chaos. Die Stunde der Plünderer. Soldaten ziehen eilig ihre Uniformen aus. Und dann ging alles sehr schnell. Die Kommunisten eroberten die Vororte am frühen Morgen. Gegen zehn rollten ihre Panzer durch die Stadt. Die Menschen waren in großer Angst. Die Stunde der Sieger. Nach 15 Jahren Krieg haben sie die Supermacht Amerika geschlagen. Doch viele ihrer Landsleute sind verzweifelt. Dieser Moment der Verzweiflung dauerte für mich zehn Jahre lang. Mein Mann war verschwunden. Es war furchtbar. Das ganze Land war ein Gefängnis, ein großes Gefängnis. Noch geben sie sich vor den Kameras der Journalisten als Befreier. Im Gefühl des überraschenden Triumphes über die amerikanische Weltmacht. Es war ein perfektes Ende für einen fürchterlichen Krieg, weil es uns zeigte, was wir falsch gemacht hatten. Es war auch das Ende einer Ära, Symbol für den Verlust amerikanischer Allmacht. Es ist der letzte Triumph des Kommunismus im 20. Jahrhundert.
- Anbieter
- Zolcer TV
- Jahr
- 2011
- Dauer
- 8:12 min
- Schlagworte
- 1975, Vietnam, Botschaft, USA, Krieg, Flucht, Saigon, James Kean, Frank Snepp, Peter Arnett, Harry Summers, Glynn Hodges, Lee Diep Nguyen, Histoclips
Sachgebiete
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