Edupool Marketplace

1918 - Es lebe die Republik!

Cover: 1918 - Es lebe die Republik!

November 1918. Die Soldaten des Kaisers sind am Ende ihrer Kräfte. Keine Rede mehr von Sieg. Der erste Weltkrieg ist verloren. 9 Millionen Tote. Menschen als Material, vier Jahre lang. O-Ton von Halem: „Das waren arme Teufel, die jeden Tag dem Tod ins Auge sehen mußten. Ohne Dank. Und ohne die unerhörte geistige Begeisterung, die sie aber bei Beginn des Krieges gehabt haben. Im Anblick dieser Opfer konnte man nicht mehr begeistert sein. März 18. An der Westfront letzte deutsche Offensive. Doch der Gegner ist zu stark. Auch dank neuer Waffen – Panzer. Im August die Entscheidung. Der schwarze Tag des deutschen Heeres. Die deutsche Heeresleitung zieht die Konsequenzen. Hindenburg und Ludendorff lassen um Waffenstillstand bitten. Doch die Marineleitung ist nicht einverstanden. Ihre Schiffe liegen untätig im Hafen – seit Monaten. Eine große Seeschlacht gab es nur, am Skagerrak. Ergebnis unentschieden. Jetzt wollen des Kaisers Admiräle kämpfen – und befehlen Angriff gegen England. Lieber ein ehrenvoller Untergang als Kapitulation – ein Himmelfahrtskommando. Die Matrosen aber wollen nicht geopfert werden. Sie streiken. – Meuterei. Am 1. November 1918 gehen sie an Land. Die Revolution beginnt in Kiel. O-Ton Eschenburg „Um 6 Uhr morgens hörten wir einen riesen Knall. Und wachten auf, und dann sagte mein Vater, die Engländer können es nicht gewesen sein. Und dann schliefen wir weiter.“ Bald haben die Matrosen Kiel in ihrer Hand – fast ohne Blutvergießen. Der Funke des Aufstands entfacht das Feuer der Revolution. Wie ein Flächenbrand überzieht sie das ganze Land. Am 9. November erreicht sie Berlin. Schon am frühen Morgen sind die Straßen voller Menschen. Arbeiter, Matrosen und Soldaten. Waffen werden in Stellung gebracht. Generalstreik lautet die Parole. Spontan bilden sich Arbeiter- und Soldatenräte. Die Stimmung ist explosiv. Die Menschen fordern den Rücktritt des Kaisers. Auf dem Brandenburger Tor weht die Rote Fahne. Der Monarch, fernab in seinem Hauptquartier in Belgien, zögert. Ein abenteuerlicher Plan entsteht. General Groener schreibt: Der Kaiser muß ein „großes Opfer“ bringen und an der Front im „Kampfe fallen“. Wilhelm denkt nicht dran und träumt davon, mit treuen Truppen nach Berlin zu ziehen. Doch dann die Meldung aus der Hauptstadt. Die Regierung gibt des Kaisers Abdankung bekannt – ohne ihn gefragt zu haben. Jubel auf den Straßen von Berlin. Niemand scheint dem Kaiser nachzutrauern. Jetzt schlägt die Stunde der Sozialdemokratie. SPD-Chef Friedrich Ebert wird zum Reichskanzler ernannt. Er will den Aufstand bändigen. (Off) Es war keine Revolution (On) Ebert war ein Mann, der eine evolutionäre, keine revolutionäre, sondern ’ne evolutionelle Entwicklung im Sinne der Festigung der Demokratie und des demokratischen Rechtsstaates herbeiführen wollte. Wie soll das neue Deutschland aussehen? Im Reichstag sitzt die SPD-Spitze beim Mittagstisch – ratlos. Ebert will eine Demokratie, doch mit einem Kaiser an der Spitze. Draußen warten Tausende voll Ungeduld. Da tritt Philipp Scheidemann ans Fenster – und hält eine Rede, nach der es kein zurück gibt. Off: „Wie die Republik ausgerufen wurde, On: versammelt sich eine riesen Menschenmenge und da verkündete er die Republik.“ O-Ton Scheidemann: „Der Kaiser hat abgedankt. Er und seine Freunde sind verschwunden. Über sie alle hat das Volk auf der ganzen Linie gesiegt. Unerhörtes ist geschehen. Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue, es lebe die deutsche Republik.“ O-Ton Strese: Da gabs noch keine Lautsprecher, und da wurde das von Mund zu Mund weitergegeben. Man hat also den Originalton gar nicht wahrnehmen können, aber das ist mir noch in Erinnerung. Die Republik wird noch mal ausgerufen am 9. November 1918. Karl Liebknecht, Sozialistenführer, will die Rätediktatur. Vorbild: Sowjetrussland. Wer wird sich durchsetzen? Noch sind die Straßen voller Menschen. Vereinzelt bricht Gewalt aus. Erste Opfer der Revolution sind kaisertreue Offiziere. O-Ton Feldmann: „Die Mannschaften, die revolutionär gestimmten, die hatten so das Schlagwort: Licht aus, Messer raus, haut ihn. Und damit meinten sie natürlich die Offiziere.“ Das große Blutbad aber bleibt Berlin erspart. Am Abend dieses Schicksalstages ist nur eins gewiss: Deutschland hat keinen Kaiser mehr. Der fürchtet die Wut seines Volkes. Hals über Kopf kehrt der Monarch seinem Heer den Rücken und geht ins Exil – das weckt Enttäuschungen. O-Ton Richter: Off: Und der Kaiser flüchtete nach Holland On: „Das faßten wir als ziemlich na sagen wir unfair, wenn nicht ehrlos sogar auf. Wir hatten erwartet, daß der Kaiser auf den Stufen des Thrones fallen würde. Aber der Kaiser war nicht mutig, um nicht zu sagen feige.“ Bürgerkrieg in Deutschland. Die Kommunisten wollen mehr Revolution. Die SPD-Regierung ruft dagegen alte Mächte zur Hilfe, „Freikorps“, Rechtsradikale. Jetzt schießen Deutsche auf Deutsche. Der 9. November: Nicht Ende, sondern Anfang einer Revolution, die Tausende ab 2000/Hunderte von Opfern fordern wird. Die erste Republik auf deutschem Boden hatte einen schweren Start.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
7:47 min
Schlagworte
1918, Revolution, Republik, Philipp Scheidemann, Matrosenaufstand, Weimarer Republik, 100 Jahre, Kaiser, Histoclips

Sachgebiete

Für Vorschau, Merkliste und Kaufoptionen aktivieren Sie bitte JavaScript. Informationen zum Erwerb finden Sie in der Kaufanleitung.