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1919 - Der diktierte Frieden

Cover: 1919 - Der diktierte Frieden

Endlich Frieden - 11. November 18: Deutschland hat den Waffenstillstand unterschrieben. Jubel bei den Siegern. Vier Jahre Weltkrieg überstanden. Bilanz des Schlachtens: 9 Millionen Tote. Das geschlagene deutsche Heer – enttäuscht, verbittert. In der Heimat Hunger – weil die Sieger die Blockade weiter aufrecht halten. Paris 18. Januar 19: Die Sieger treffen sich, um über Deutschlands Zukunft zu bestimmen. Er kommt per Schiff: US-Präsident Woodrow Wilson. Sein Ziel ist ein milder Friede – Selbstbestimmungsrecht der Völker. Die Hoffnungen der Deutschen richten sich auf ihn. Der britische Premier Lloyd George will Sicherheit vor Deutschland. Genau wie er, Georges Clemenceau, Ministerpräsident Frankreichs. Er will Revanche für die Zerstörungen des Krieges. (Les allemands ...revanche) Die Deutschen hatten den Krieg gewollt, sie wurden besiegt und mussten dafür zahlen. So ist das nun einmal. Und sie haben gezahlt. Wie sagt man so schön: “Wehe den Besiegten“. Wir haben Revanche genommen und das gefiel uns auch. In Deutschland herrscht indessen Bürgerkrieg, Kampf in den Straßen Berlins. Auf den Trümmern des Kaiserreichs entsteht ein neuer Staat. Die ersten freien Wahlen im Schatten der Revolution. Die Wahlbeteiligung ist hoch: erstmals wählen auch die Frauen. Am Ende siegt die SPD. Das Parlament tagt in Weimar – fern vom Unruhe-Herd Berlin. Erster Reichspräsident wird Friedrich Ebert. Eine Forderung der Siegermächte ist erfüllt – Deutschland wird Demokratie. Nun rufen sie die deutschen Delegierten nach Versailles. Ihr Leiter ist ein Graf von Brockdorf-Rantzau, Außenminister. Er will zäh verhandeln. Doch die Sieger wollen den Verlierer demütigen. Eingesperrt hinter Holzzäunen Zwei Monate zum Warten verdammt. 7. Mai, die Stunde der Revanche für den Franzosen Clemenceau. Die Sieger überreichen den Besiegten die Bedingungen zum Frieden. In einem dicken Buch, 440 Artikel schwer. Einwände dürfen nur schriftlich erfolgen. Brockdorff-Rantzau ist entsetzt – und bleibt sitzen, gegen jede Etikette. Die Sieger fordern ein Siebtel des Reiches. Im Westen Elsaß-Lothringen, im Osten Posen, Westpreußen und Teile Schlesien. Um all dem Nachdruck zu verleihen, stoßen Truppen vor zum Rhein. Hinzu kommen Reparationen – Geld, Waffen und Güterzüge voller Waren. Die Bedingungen waren viel weniger hart, finanziell gesehen, als die die Frankreich 1871 von Bismarck auferlegt worden waren aber der katastrophale Absatz von Versailles war die Schuldfrage, dass einem allein die Schuld zugeschrieben. Darunter hat dann Versailles gekrankt, durch die ganze Weimarer Republik hindurch. Denn der Vertrag soll festschreiben, Deutschland sei allein verantwortlich für diesen Krieg. Dagegen richtet sich Protest. Die Deutschen sehen sich Sieger-Willkür ausgesetzt. Ich entsinne mich in der Schule, da waren unsere Geschichtslehrer, die sagten, jetzt wird Versailles, wir haben die Bedingungen gehört, wir sind ja jetzt die ältere Generation, aber ihr und eure Kinder werden darunter noch zu leiden haben, wenn ihr diese Kriegsschulden alle abbezahlen sollt, dann habt ihr bis zu eurem Tod und darüber hinaus Tribut zu zahlen. Wer soll das unterschreiben? Darüber zerbricht die Regierung. Kanzler Scheidemann tritt zurück. Er sagt, die Hand müsse verdorren, die das unterzeichnet. Die Republik vor der Zerreißprobe. Rechte Offiziere wollen wieder Krieg führen. Marschall Foch wartet nur darauf. Frankreichs oberster Soldat wünscht nichts sehnlicher, als Deutschland zu besetzen. Was hätten wir machen sollen. Der Krieg wäre weitergegangen. Wir wären weiter besetzt worden. Wir hatten den Krieg verloren und dafür musste gezahlt werden. 28. Juni 1919. Tag der Unterzeichnung. 32 Siegermächte haben Delegierte nach Versailles entsandt. Die meisten waren nur Statisten. Er hat sich durchgesetzt, Georges Clemenceau. Die Amerikaner haben nachgegeben, nur Wilsons Traum vom Völkerbund wird wahr. Im Schloss des Sonnenkönigs, wo das Deutsche Kaiserreich verkündet worden war, entscheiden jetzt die andern über Deutschlands Schicksal. Der diktierte Frieden. Erst zur Unterschrift dürfen die Besiegten in den Spiegelsaal. Die Stunde des Triumphs. Siegerposen vor der Kamera und stolz auf den Vertrag, der von den deutschen unterschrieben wurde, aber niemals akzeptiert. Off: Im Grunde begann schon am Tag seiner Unterschrift On: der allmähliche Abbau der Bedingungen. Politiker der Weimarer Republik geschickt, diesen Vertrag zu durchlöchern und ihn am Ende zu einem Stück Papier zu machen. Dennoch tragen die Besiegten schwer an dem Vertrag, die Demontagen sind das wenigste. Erst Jahre später zeigt sich, dass der Aderlaß die Wirtschaft weniger getroffen hat, als angenommen. Schwerer lastet das Empfinden der Erniedrigung. (C`était une decision qui ouvrait la porte a la guerre future ....mal) Versailles öffnete die Pforte zum nächsten Krieg. Es war klar, dass die Deutschen diesen Vertrag nicht für alle Ewigkeit akzeptieren würden. Eines Tages musste das schlecht enden. Die Fehler von Versailles sind nicht der Grund für Hitler, aber für den Demagogen sind sie Munition für die Zertrümmerung der Republik. (überlappt über Off-Ton Hitler) Off: Es kam damit die Zeit der ewigen Auspressung und ewigen Ausplünderung und der ewigen Unterdrückung On: Alles, alles angestiftet, alles gemacht und alles verantwortet von den Männern des November 1918. Das Fest der Sieger in Versailles. Es spiegelt nur die Illusion des Friedens.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:13 min
Schlagworte
1919, Versailles, Georges Clemenceau, Waffenstillstand, Ulrich von Brockdorff-Rantzau, Thomas Woodrow Wilson, Friedrich Ebert, , Histoclips

Sachgebiete

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