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1959 - Der Sieg des Fidel Castro

Cover: 1959 - Der Sieg des Fidel Castro

Zwei Wochen nach der Revolution. Das deutsche Passagierschiff Bremen auf Karibikfahrt. Wie immer hält der Luxusliner im Hafen von Havanna. Von seinem provisorischen Regierungssitz im Hilton-Hotel sieht Castro das Schiff einlaufen. Der deutsch-amerikanische Kapitän hat eine Tochter. Die 19-jährige Marita Lorenz lernt an Bord den Mann der Stunde kennen. O-Ton Marita Lorenz: Er zog mich zwischen zwei Rettungsboote und tat so, als wolle er über Bord schauen. Oh, es ist so hoch von hier aus. Und das war der Moment, als er mich an sich zog und küsste. Ich wusste gar nicht, was geschah. Die junge Frau verliert ihr Herz an einen erfolgreichen Revolutionär. O-Ton Marita Lorenz, Ex-Geliebte Castros: Mir war egal, ob er eine Uniform trug. Mir war die Zigarre egal. Es waren seine Augen, es war seine gesamte Persönlichkeit. Ich wusste überhaupt nichts von Politik, oder wer er war. Er sagte immer: Ich bin Kuba. Der Mann, der Kuba sein will, hätte Baseball Star in den USA werden können. Die New York Giants warben um ihn, doch Castro lehnt ab. Hasst er Amerika? O-Ton Alina Fernandez – Tochter Castros: Die Macht – Es ging ihm immer nur um die Macht. Sein Anti-Amerikanismus war nur ein Vorwand. Doch es war nicht sein wirkliches Motiv. Es sollte ihn nur sympathischer machen. Diesen “sympathischen“ Zeitgenossen will Castro ablösen. Fulgencio Batista – Diktator von Amerikas Gnaden. Mit brutaler Gewalt setzt Batista seine Macht und amerikanischen Interessen durch. Trotz Folter und Mord - der große Nachbarn drückt beide Augen zu. O-Ton Terrence Leonhardy, US-Außenministerium: Wir sahen ihn als unseren Mann und er wusste, dass er nur mit unserer Unterstützung an der Macht bleiben konnte. Die Zuckerinsel ist fest in amerikanischer Hand. Die USA bestimmen die Wirtschaft und den Lebenstakt der Insel. Auch das Nationalgetränk, der Cocktail mit dem stolzen Namen „Cuba Libre“, ein Gebräu ganz nach amerikanischem Geschmack. O-Ton Victor Boronat Munoz: Revo Wir hassten die Abhängigkeit von den USA. Wir hassten die Unterdrückung. Castros sogenannter Freiheitskampf beginnt mit einem Debakel. Am 1. Dezember '56 landet er mit 81 Kampfgefährten an der kubanischen Küste: Das Gefecht mit den Truppen Batistas überleben nur 12 Rebellen. Mit ihnen flüchtet Castro in die Berge. O-Ton: Ricardo Martinez – Revolutionär und Gründer von Radio Rebelde Und in diesem Moment sagte Fidel. Mit zwölf Mann und sieben Gewehren – Jetzt lasst uns den Krieg gewinnen. Castros kleine Truppe verschanzt sich in der Sierra. Waghalsige Guerilla-Anschläge machen die Männer legendär. Arme Bauern aus den Bergen verstärken die Rebellen. O-Ton: Marita Lorenz: Ex-Geliebte Castros Sie verehrten Fidel und priesen die Freiheit, die ihnen Batista vorenthielt. Ind diesen Jahren verkörpert Castro die Hoffnung auf Freiheit. Für Washington ist all das noch kein Thema. O-Ton Leonhardy: Kuba spielte in der Strategie des Kalten Krieges keine Rolle. Wir sahen die Insel eher als Randproblem. Es war ziemlich schwierig, die Aufmerksamkeit der Regierung für die Probleme Kubas zu gewinnen. Ein fataler Fehler. Castros Bruder Raul und Mitstreiter Che Guevarra sind eingefleischte Kommunisten. Castro selbst ist Opportunist – aus guten Gründen O-Ton Leonhardy: Wenn wir Beweise gehabt hätten, dass er ein Kommunist war, hätten wir das Batista Regime unterstützt und ihm auf jede erdenkliche Weise geholfen, die Revolution zu zerschlagen. Stattdessen breitet die Revolution sich aus. Ende '58 fällt die Stadt Santa Clara in die Hände der Rebellen. O-Ton Manuel Boronat Munoz: Revolutionssoldat: Als wir im Radio vom Sieg in Santa Clara hörten, wussten wir, dass die letzte Stunde der Tyrannei geschlagen hatte. Silvester '58: In einer Nacht und Nebelaktion flieht Batista aus Cuba. Amerika kann ihm jetzt nicht mehr helfen. Straßenkreuzer der ehemaligen Herren und erbeutete Panzer. Der Triumphzug des siegreichen Feldherrn. Fidel Castro und seine Schar ziehen in Havanna ein. Niemand hätte das für möglich gehalten, als er zwei Jahre zuvor mit der Revolution begann. O-Ton Manuel Boronat Munoz: Revolutionssoldat: Für das kubanische Volk war es, als hätten sich die Tore eines Gefängnisses geöffnet und die Freiheit hielt Einzug. Aber Castros Kuba ist nicht weniger brutal, als das Regime, dass er bezwungen hat. Die Revolution verlangt ihren Blutzoll. In makaberen Schauprozessen klagen Kinder die Häscher Batistas an. Schon in den ersten Tagen rechnen die neuen Machthaber mit berüchtigten Vertretern des alten Regimes erbarmungslos ab. O-Ton Leonhardy Castro spielte nur ein Spiel, bis er seine Macht gefestigt hatte. Dann konnte er tun, was er schon immer wollte. Er bekennt sich als Kommunist und sucht Hilfe bei der einzigen Macht, die sie ihm gewährt. Nikita Chruschtschows Sowjet-Union. Castro wird auf einmal für Amerika gefährlich. Die CIA sucht Attentäter. Marita Lorenz wurde von Castro verlassen. O-Ton Lorenz: Ich wurde von der CIA angeheuert. Sie hofften, mich so böse und wütend auf Fidel zu machen, dass ich schließlich zurückgehen und ihn töten würde. Doch als sie ihrem Ex-Geleibten gegenüber steht, nimmt die Geschichte einen anderen Lauf. O-Ton Marita Lorenz: Er zog seinen 45er Colt und ich dachte, er legt mich sofort um. Stattdessen drehte er die Waffe um und gab mir den Griff in die Hand. Dann sagte er: Du kannst mich nicht töten. Niemand kann mich töten. Es ist nicht der erste Anschlag und nicht der letzte. O-Ton Lorenz: Ich konnte es einfach nicht tun, ich konnte ihn nicht umbringen. Nicht, dass ich Angst gehabt hätte, aber es war einfach nicht mein Krieg. Doch Washington will nicht so einfach aufgeben. Castro muss eine von den USA finanzierte Invasion durch Exil-Kubaner abwehren. Das Unternehmen scheitert in der Schweinebucht. Es ist die erste Schlacht in Amerikas Zermürbungskrieg gegen Kuba, der noch immer andauert. Über 40 Jahre lang ist Castro nun schon an der Macht. Gestützt auf die Armee. Noch immer „siegt“ die Revolution – auch wenn dem verarmten Volk die tönenden Parolen hohl vorkommen. O-Ton Fernandez: Die Versprechungen der Revolution sind nicht eingehalten worden. Und wie man sieht, ist diese Revolution noch immer im Gange. Sie ist die längste Revolution der Menschheitsgeschichte. Doch die Freiheit lässt noch immer auf sich warten. Einer Diktatur von rechts ist eine Diktatur von links gefolgt. Die Zukunft Kubas – sie beginnt nach Castro.

Anbieter
Zolcer TV
Jahr
2011
Dauer
8:14 min
Schlagworte
1959, Fidel Castro, Kuba, Havanna, Kommunismus, Batista, Diktator, Tad Szulc, Marita Lorenz, Horacio Creache, Margarita Pratts Espinosa, Victor Boronat Munoz, Ricardo Martinez, Terrance G. Leonhardy, Alina Fernandez, Histoclips

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