Der Nürnberger Prozess: Hermann Göring
Die Anklage wirft Hermann Göring vor, seine hohen Ämter und seine enge Beziehung zu Adolf Hitler in der Weise benutzt zu haben, dass er die Machtergreifung der Nazi-Verschwörer und die Festigung ihrer Kontrolle über Deutschland sowie die militärische und wirtschaftliche Vorbereitung für den Krieg förderte, dass er an der Planung und Vorbereitung von Angriffskriegen teilnahm - in Verletzung internationaler Verträge - und dass er Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gegen Personen und Eigentum genehmigte, leitete und an ihnen teilnahm. Göring wurden alle vier Punkte der Anklage zur Last gelegt: gemeinsamer Plan oder Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Der Pour-le-Mérite-Träger und Reichsmarschall war designierter Nachfolger Hitlers. Er amtierte als Präsident des Reichstages, Präsident der preußischen Polizei und Chef der preußischen geheimen Staatspolizei. Der passionierte Jäger war Oberhaupt des Hermann-Göring-Konzerns, Präsident des preußischen Staatsrates, preußischer Innenminister, Reichsluftfahrtminister, Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Mitglied des geheimen Kabinettsrates, Treuhänder des Vierjahresplanes, Reichsführer der SA, General der SS und Präsident des Ministerrates für die Reichsverteidigung. Hermann Göring hatte mehrere Tage Zeit, sich zu seiner Anklage zu äußern. Sein Anwalt Dr. Stahmer befragte Göring zu seiner ersten Begegnung mit Hitler. O-Ton, Hermann Göring im Nürnberger Prozess: "Zum Schluss wurde auch nach Hitler gerufen. Ich hatte den Namen vorher mal kurz gehört und achtete nun darauf, was er sprechen wollte." "Diese Auffassungen waren Wort für Wort mir aus der Seele gesprochen. Ich habe daraufhin an einem der nächsten Tage mich in die Geschäftsstelle der NSDAP begeben. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich gar nichts von einem Programm der NSDAP, auch gar nichts, als dass es eine kleine Partei war. Nun sah ich hier endlich einen Mann, der ein ganz festes und klares Ziel vor Augen hatte." "Es war selbstverständlich für uns, dass, wenn wir einmal an die Macht kommen würden, wir entschlossen sein würden, diese Macht unter allen Umständen zu behalten. Wir wollten ja nicht die Regierungsgewalt und nicht die Macht um der Macht willen, sondern wir brauchten die Macht und die Regierungsgewalt um Deutschland frei und groß zu machen." "Ich persönlich kann ja nur für mich sprechen. Ich habe alles getan, was irgendwie in meiner persönlichen Kraft gestanden hat, um die nationalsozialistische Bewegung zu stärken, zu vergrößern, und unablässig daran gearbeitet, sie unter allen Umständen in die Macht - und zwar die alleinige Macht - zu bringen. Zum Zweiten habe ich alles getan, um dem Führer den ihm gebührenden Platz als Reichskanzler zu erkämpfen." "Selbstverständlich wurde auch da und dort geschlagen und es sind Rohheitsakte verübt worden, aber gemessen an all dem Gewesenen und an der Größe des Vorgangs, ist doch diese deutsche Freiheitsrevolution die unblutigste und disziplinierteste aller bisherigen Revolutionen der Geschichte gewesen." Eines der größten Probleme der Verteidiger war, Zeugen für ihre Verteidigung ausfindig zu machen. Die meisten waren inhaftiert, in Kriegsgefangenenlagern, nicht erreichbar oder hatten Angst, sich selbst zu belasten. Sechs Zeugen sind bereit, für Göring auszusagen: General Bodenschatz, Generalfeldmarschall Milch, Oberst von Brauchitsch, Staatssekretär Körner, Generalfeldmarschall Kesselring und der schwedische Geschäftsmann Dahlerus bekräftigen den "Friedenswillen" Görings vor Ausbruch des Krieges. Jackson fragt nach Görings Einstellung zu "den Juden". "Seine Haltung war immer eine gemäßigte Haltung gegenüber den Juden." "Zum Beispiel, sie mit einer Buße von einer Milliarde Reichsmark zu bestrafen, gleich nach dem Brand, meinen sie das? Gleich nach den Ausschreitungen. Sie wissen, dass er das tat, nicht wahr?" "Jawohl, das war ja vom Führer verlangt worden." "Habe ich Sie richtig verstanden, Angeklagter Göring, dass alle wichtigen außenpolitischen Entscheidungen sowie militärstrategische endgültig von Hitler allein getroffen wurden?" "Jawohl. Dafür war er der Führer." Am 31. August, dem 260. Verhandlungstag, dürfen alle Angeklagten ein kruzes Schlusswort halten, das dem Gericht nicht vorgelegt werden musste. Einige lesen ab, während andere frei sprechen. "[...] die Verteidigung und ihre Beweisführung als völlig wertlos behandelt. Die unter Eid gemachten Ausführungen der Angeklagten wurden dort als absolut wahr angenommen, wo diese zur Stützung der Anklage dienen konnten, aber im gleichen Augenblick als Meineid bezeichnet, wo diese Aussagen die Anklage widerlegten. Das ist sehr primitiv." "Angeklagter Hermann Wilhelm Göring, gemäß den Punkten der Anklageschrift, unter denen Sie für schuldig befunden wurden, verurteilt Sie das internationale Militärgericht zum Tode durch den Strang." Zwei Stunden vor der angesetzten Hinrichtung begeht Hermann Göring Selbstmord mit Zyankali.
- Anbieter
- Chronos-Media GmbH
- Jahr
- 2010
- Dauer
- 0:00 min
- Schlagworte
- Nürnberg, Nürnberger Prozess, Arthur Seyß-Inquart, Rudolf Heß, Franz von Papen, Robert Ley, Hjalmar Schacht, Wilhelm Keitel, Erich Raeder, Joachim von Ribbentrop, Ernst Kaltenbrunner, Alfred Jodl, Albert Speer, Karl Dönitz, Walther Funk, Hans Frank, Alfred Seidl, Alfred Rosenberg, Konstantin von Neurath, Fritz Sauckel, Julius Streicher, Nationalsozialismus, Kriegsverbrecher, Hauptkriegsverbrecher, Tribunal, Entnazifizierung, Nachkriegszeit, Kriegsende, NSDAP, NS-Zeit, Hitler, Hitlers Helfer, Hauptkriegsverbrecherprozess, Drittes Reich, Nazis, Gestapo, Generalfeldmarschall, Göring, Histoclips
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