Der Nürnberger Prozess: Baldur von Schirach
Man beschuldigt Baldur von Schirach in Nürnberg nicht nur, die deutsche Jugend mit der Nazi-Ideologie vergiftet zu haben, sondern macht ihn besonders dafür verantwortlich, dass während seiner Stadthalterschaft in Wien 185.000 Juden nach Polen deportiert wurden. Fasziniert von Hitler, wurde Schirach schon mit 17 Jahren Parteimitglied. Er wurde Reichsjugendführer und gewann Millionen junger Menschen für die Sache Hitlers. 1943 wurde er Gauleiter und Reichsstatthalter in Wien. O-Ton: "Ich melde Ihnen 5.000 BDM-Mädels und 52.800 Hitlerjungen zum Appell angetreten." "Heil, [...]" "Sie wurden also 1931 Reichsjugendführer der NSDAP." "Ja." "Das war natürlich ein Parteiamt." "Ja." "Dann 1932 wurden Sie Reichsleiter, damals waren Sie 25 Jahre alt - wie kam es dazu?" "Ich sagte vorhin schon, dass ich Hitler gegenüber zum Ausdruck gebracht hatte, dass die Jugend nicht der Appendix einer anderen Organisation sein könnte, sondern die Jugend müsste selbstständig sein, sie müsste sich selbst führen. Sie müsste unabhängig werden und in der Durchführung einer Zusage, die mir Hitler damals schon gegeben hatte, wurde ich nun eben ein halbes Jahr darauf selbstständiger Reichsleiter." "Wie haben Sie sich denn zu der Zeit, als Sie der Partei beitraten, und zu der Zeit, als Sie dann Beamter in der Partei wurden, die praktische Lösung des Antisemitismus vorgestellt?" "Ihr Einfluss im Wirtschaftsleben sollte beschränkt werden. Im Kulturleben stellte ich mir vor, dass der jüdische Einfluss zurückgedämmt werden sollte, aber für Künstler vom Range etwa eines Max Reinhardt stellte ich mir immer noch vor, die Möglichkeit einer freien Betätigung." "Am 24. Mai habe ich hier eine Erklärung abgegeben, die ich vor Gott und meinem Gewissen verantworte und auch heute, am Ende des Prozesses voll aufrecht erhalte. Weil sie meiner innersten, ehrlichen Überzeugung entpricht, tragen Sie, meine Herren Richter, durch Ihr Urteil dazu bei, für die junge Generation eine Atmosphäre gegenseitiger Achtung zu schaffen. Eine Atmosphäre, die frei ist von Hass und Rache. Das ist meine letzte Bitte, eine herzliche Bitte für unsere deutsche Jugend." Während Dönitz, Speer und Schirach ihre volle Strafe verbüßen mussten, wurden wegen Krankheit Neurath 1954, Raeder 1955 und Funk 1957 vorzeitig entlassen. Heß war bis zu seinem Tode 1992 im Spandauer Gefängnis inhaftiert.
- Anbieter
- Chronos-Media GmbH
- Jahr
- 2010
- Dauer
- 4:05 min
- Schlagworte
- Nürnberg, Nürnberger Prozess, Schirach, Nationalsozialismus, Kriegsverbrecher, Hauptkriegsverbrecher, Tribunal, Entnazifizierung, Nachkriegszeit, Kriegsende, NSDAP, NS-Zeit, Hitler, Hitlers Helfer, Hauptkriegsverbrecherprozess, Drittes Reich, Nazis, Histoclips
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