Kaiser Wilhelm II.
Als Kaiser Wilhelm I. 1888 stirbt, übernimmt sein Sohn Friedrich III. das Erbe nur kurz, denn auch er stirbt nach wenigen Monaten. Noch im gleichen Jahr betritt Wilhelm II. mit Pomp im Alter von nur 29 Jahren die Weltbühne und wird 1918 wieder hinter den Kulissen verschwinden im Exil. Unterdessen prägt er die Epoche: das Wilhelminische Zeitalter. In den Fußstapfen des Soldatenkönigs hier eine Wiederbelebung von dessen "Langen Kerls" geht es mit Macht voran. Wilhelm II. ist eine widersprüchliche Persönlichkeit. Uniformen und Militär gehen ihm über alles. Er ist friedliebend und sensibel, hält jedoch gern blutrünstige Reden. Er ist umgänglich und leutselig, lässt aber auf internationalem Parkett kein Fettnäpfchen aus. Ausgerechnet im Elsaß, im vereinnahmten Straßburg, enthüllt er mit Vorliebe Denkmäler hier eins, das seinen Großvater Wilhelm I. zeigt. Deutlich zu sehen: sein linker Arm ist verkrüppelt, die Folge einer misslungenen Zangengeburt. Sein Gewehr hält er mit nur einem Arm. Staatsbesuch in England. Die Briten macht er sich zum Feind. Tragisch und schwer begreiflich, denn die Hohenzollern und die Windsors sind Verwandte. Im Daily Telegraph wird er zitiert: Die Engländer sind verrückt, verrückt wie die Märzhasen." Trotzdem erhält er hier 1907 in Oxford die Ehrendoktorwürde der Eliteuniversität. Edward VIII., britischer König und Onkel von Wilhelm urteilt über den kaiserlichen Neffen: Der brillanteste Versager der Geschichte." - The most brilliant failure in history." Wilhelm II. liebt martialische Gesten. Selbst in der neutralen, friedliebenden Schweiz besucht er am liebsten Manöver. Säbelrasseln und Taktlosigkeiten treiben einen Keil zwischen den Herrscher und seinen Diplomaten Bismarck. Der Kaiser entlässt den Architekten des Reichs. Eine berühmt gewordene zeitgenössische Karikatur meint: Der Lotse verlässt das sinkende Schiff." Der Simplizissimus prophezeit sogar: Kaiser bringt das Boot zum Kentern." Doch der Kaiser ist überzeugt, dass er das Schiff sicher in den Hafen bringt. Hier eröffnet er den strategisch wichtigen KaiserWilhelmKanal, den heutigen NordOstseeKanal. Das Amt des wachhabenden Offiziers auf dem Staatsschiff ist mir zugefallen. Der Kurs bleibt derselbe. Volle Kraft voraus!" Die Eröffnung endet mit der Kieler Woche, der größten Regatta der Welt. Das ist die alljährliche Veranstaltung auch heute noch. Der eifrigste Tourist im Reich ist dessen Kaiser selbst. Die kaiserliche Familie im Heck unter deutscher Flagge auf dem Canale Grande. Auch über den Bosporus lässt sich Wilhelm II. rudern. Mit der türkischen Regierung war schon 1899 ein grundlegender Freundschaftsvertrag geschlossen worden. Zu dieser Zeit bauen deutsche Firmen eine Bahn nach Bagdad, die das Osmanische Reich militärisch und wirtschaftlich erheblich stärkt. Zwischen Deutschen und Türken herrschen seit Jahren die besten Beziehungen zum Verdruss von England und Russland. 1913 ist Wilhelm II. schon 25 Jahre Kaiser. Die Handwerkerinnungen Berlins ehren ihn. Er genießt es, im Mittelpunkt zu stehen. Der Kaiserkult, den er entfaltet, steht im scharfen Gegensatz zu preußischen Tugenden wie Nüchternheit oder Zurückhaltung. Doch er trifft den Zeitgeist. Nachfrage und Angebot die Nachfrage nach Verehrung bei Wilhelm und das Angebot an Unterwürfigkeit seitens des Volkes ergänzen sich.
- Anbieter
- Chronos-Media GmbH
- Jahr
- 2010
- Dauer
- 4:36 min
- Schlagworte
- Kaiser, Deutschland, Deutsches Reich, Kaiserreich, Friedrich der Dritte, Dreikaiserjahr, Wilhem der zweite, Friedrich III., Hohenzoller, Windsor, Königshäuser, Monarchie, Histoclips
Sachgebiete
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