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Spielen oder nicht Spielen

Cover: Spielen oder nicht Spielen

Lucy wird festes Ensemble Mitglied an den Münchner Kammerspielen. Yulia bewirbt sich bei der einzigartigen Schauspielausbildung für Menschen mit Behinderung bei den Wuppertaler Bühnen und wird angenommen. Dass Schauspieler*innen mit körperlichen Besonderheiten auf professionellen deutschen Theaterbühnen ganz selbstverständlich dazu gehören, ist bis heute alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Dabei sollen Stadttheater sollen Gesellschaft spiegeln, sollen gesellschaftliche Themen verhandeln, Repräsentation aller gesellschaftlichen Gruppen ermöglichen, genau wie Politik einer pluralen Gesellschaft idealerweise auch. Doch erst in allerjüngster Zeit ist es Menschen mit körperlichen Einschränkungen überhaupt möglich, eine professionelle Schauspiel-Ausbildung zu absolvieren. Thomas Braus, Intendant der Wuppertaler Bühnen, hat mit der Gründung eines inklusiven Studios an seinem Theater einen Misstand zwar nicht behoben, aber zumindest gelindert. Denn das STUDIYOU ist zwar keine Schauspielschule im traditionellen Sinn, ermöglicht Menschen mit Besonderheiten aber erstmals in Deutschland eine Ausbildung für die Bühne. Das ist noch brandneu: das STUDIYOU existiert erst seit der Spielzeit 2019/20. Kunst soll Welt abbilden - und ist gerade auf Bühnen und übrigens auch im Film trotzdem allzu oft bis heute ein Schaulaufen allzu normierter Körper. Selbst in der Kunst ist der Weg zu einer pluralen Welt noch weit. Dass mit Lucy und Yulia zwei Frauen im Mittelpunkt dieses Filmes stehen, ist nicht zufällig. Denn der Druck auf Frauen, normiert schön und gefällig zu sein, ist noch immer stärker als für ihre männlichen Kollegen. Der Männlichkeits- und Dominanzkult der sogenannten Manosphere, aber auch der Aufstieg rechtsradikaler Poltik macht einen antifeministischen Backlash in erschreckend großen Teilen der Öffentlichkeit der 2020er Jahre weltweit salonfähig. Die Präsenz von Lucy und Yulia auf deutschen Theaterbühnen behauptet nicht nur ihr eigenes, eindeutiges Recht auf gleichberechtigte Teilhabe an Gesellschaft, sondern auch das aller Menschen mit Behinderung. Es ist auch ein feministisches Statement - und ein Plädoyer für eine plurale Gesellschaft, die den Ausschluss von Menschen aufgrund körperlicher Eigenschaften nicht zulässt.

Anbieter
Kim Münster
Jahr
2023
Dauer
80 min
Schlagworte
Gesellschaft, Humor, Kunst

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